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Wissen & Umwelt

Wie aus mir eine Pokémon-Jägerin wurde

Man fühlt sich ja schon fast wie ein Außenseiter, wenn man Pokémon Go noch nicht ausprobiert hat. Unsere Reporterin Carina Groß hat dem Spiel eine Chance gegeben. Und jetzt weiß sie: Bei dem einen Versuch bleibt es auch.

"Da vorne ist ein Shiggy. Auf geht's - den kriegen wir!" "Ein was?", denke ich mir. Da ich mich aber nicht als total unfähig outen möchte, tue ich so als wüsste ich wovon mein Freund da spricht.

"Woher weißt du das denn, wo das Vieh ist?", frage ich weniger euphorisch. "Ganz einfach. GPS an, die App öffnen und dann siehst du - ungefähr wie bei Google Maps - wo wir uns befinden. Und dann kommen da auch schon die ersten Pokémons!"

Okay, verstanden. Aber für mich bleiben das kleine, bunte Monster, die irgendwie nicht viel mehr können außer gefangen zu werden. Wenn das mal so einfach wäre! Die Lektion bekomme ich als nächstes. Denn die Pokémons springen auch einfach wieder aus dem Ball, mit dem wir sie gerade erst gefangen hatten. "Um sie zu halten, musst man sie zum Beispiel mit Himbeeren füttern."

Aha. "Na wäre das mit Frauen mal auch so einfach, was?", denke ich mir und muss schmunzeln. Egal! Ich hab versprochen, mich darauf einzulassen. Also reiß' ich mich jetzt zusammen.

Unterwegs treffen wir immer wieder Leute, die auch auf der Suche nach den bunten Viechern sind. Die Jäger stellen sich dabei immer dieselben Fragen: "Bist du im Team blau oder rot?" Ich verstehe nur Bahnhof.

Aber ein Gutes hat diese Erfahrung: Ich lerne tatsächlich neue Orte kennen, an denen ich noch nie war. Wir laufen am Westfalenpark vorbei, am Teich entlang und genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages.

Irgendwie ist es schön mit anzusehen, wie mein Freund sich über jedes gefangene Pokémon freut. "Das Coole ist, dass ich das früher als Kind immer gespielt habe und jetzt geht sozusagen ein Kindheitstraum in Erfüllung." Na gut, das kann ich wiederum auch verstehen.

Das Sportprogramm ist für den heutigen Tag damit übrigens auch durch. Die Bewegung tat gut und es hat zwischenzeitlich ehrlich gesagt wirklich Spaß gemacht - wenn man sich erst einmal drauf eingelassen hat. Nichtsdestotrotz: Die Sache ist mir immer noch suspekt.

Denn meine schlimmsten Annahmen wurden hinterher bestätigt. Und zwar das Pokémon Go echtes Suchtpotenzial hat und jeglichen Zusammenhang zwischen Realität und virtueller Welt verloren geht.

Was der Auslöser für dieses Fazit ist? Als wir von unserer Pokémon-Jagd nach Hause kamen, standen vor der Haustür meines Freundes ein paar (fremde) Jugendliche herum - um seine "Arena" einzunehmen (Anm. d. Red. Hier treten Pokémons gegeneinander an). Denn die befindet sich direkt auf der anderen Straßenseite. Nachdem wir eine Weile auf dem Balkon saßen, beobachteten wir immer wieder Leute, die vor seiner Haustür stehen blieben und ebenfalls versuchten, die unsichtbare Arena einzunehmen.

Als mir dann noch ein Mitbewohner meines Freundes erzählt, dass er wirklich in den letzten Minuten des EM-Finales rausgegangen ist, um Pokémons zu jagen, die sich in unmittelbarer Nähe befanden, bin ich einfach nur noch sprachlos.

Ich mache mir ein bisschen Sorgen um die Zukunft und frage mich, wo das noch hinführt. Ich nehme mir fest vor, dieses Spiel nicht zu installieren. Denn ich bin mir sicher: Pokémon Go ist ein Spiel, was man nicht nur ab und zu mal spielen kann. Und gerade das macht es für mich so gefährlich.

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