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Wie ärgerlich!

Wer verärgert ist, macht seinem Ärger oft lautstark Luft. Manchem steht der Ärger auch ins Gesicht geschrieben. Die deutsche Sprache bietet allerdings noch viel mehr Ausdrücke für dieses menschliche Gefühl.

Audio anhören 06:32

Wie ärgerlich! – die Folge als MP3

„Mensch ärgere dich nicht!“ heißt eines der bekanntesten Brettspiele in Deutschland. Seit Generationen wird es von Menschen aller Altersgruppen gespielt, die sich vom Titel des Spiels allerdings nicht abhalten lassen und natürlich doch immer wieder reichlich ärgern. Um Ärger in Worte zu fassen, gibt es eine große Vielfalt von Ausdrücken und Redewendungen in der deutschen Sprache.

Das Gesicht verrät alles

Symbolbild Zorn: Ein Mann mit zusammengepressten Lippen und Rauch, der aus den Ohren kommtWut

Das Gesicht verrät alles ...

Die Lippen zusammengepresst, die Augenbrauen heruntergezogen, die Nasenflügel gebläht. Wer ein solches Gesicht macht, dem sieht man den Ärger leicht an. Man könnte auch sagen, ihm steht der Ärger ins Gesicht geschrieben. Der Grund dafür könnte zum Beispiel eine Beleidigung sein oder auch, dass es an der Supermarktkasse eine lange Warteschlange gibt und man gerade unter großem Zeitdruck steht.

Beleidigung oder langes Warten können einem dann sauer aufstoßen, was das Körpergefühl des empfundenen Ärgers durch das Brennen der Magensäure im Hals bildhaft verdeutlicht. Wenn dann noch die Kundin, die gerade bezahlen will, ihr Portemonnaie nicht findet oder die Geheimzahl ihrer Scheckkarte vergessen hat, platzt so manchem die Hutschnur, selbst dann, wenn er gar keinen Hut trägt. Die Redewendung stammt zwar aus einer Zeit, in der in Deutschland noch viele Hüte getragen wurden, hat sich aber bis in unsere hutarme Gegenwart gehalten.

Blut in Wallung

Ein Thermometer. Die Anzeige steht bei fast 40 grad

Das Blut fängt an zu kochen ...

Die Szene im Supermarkt lässt sich leicht weiterdenken. Die Kundin sucht und sucht, bis ihr einfällt, dass sie ihre Geldbörse im Auto vergessen hat und sie das Portemonnaie mal eben schnell von dort holen muss – während die anderen Kunden weiter warten müssen. Bei denen steigt inzwischen der Wutpegel, einigen schwellen die Adern, bei manchen fängt sogar das Blut an zu kochen.

Die Gruppe der Wartenden solidarisiert sich und macht ihrem Ärger Luft. „Das ist doch zum Mäuse melken“, sagt der eine. Ein hübsches Paradox, das den Ärger durch eine unmögliche Aktion – das Mäusemelken – verdeutlicht.

Fuchsteufelswild

Ein anderer, dem der Ärger mehr ausmacht, erwidert: „Oh, ich kriege gleich einen Koller“, und ein dritter fügt mit lauter Stimme hinzu: „Jetzt habe ich aber die Schnauze voll.“ Ein älterer Herr versucht die Wütenden mit sanften Worten zu beruhigen: „Na, na, nicht gleich in die Luft gehen.“ Das macht dann aber doch eine Frau. Nicht tatsächlich, aber im übertragenen Sinne. Sie verliert nämlich ihre Geduld und ihre Nerven. Denn sie hat zwei Kinder im Einkaufswagen sitzen, die schon seit zehn Minuten jammern, dass sie nicht mehr warten wollen, und ein drittes zieht an ihrer Hand, weil es mal zur Toilette muss.

Mit hochrotem Kopf lässt die junge Mutter ihren vollgepackten Wagen stehen und ruft der Kassiererin fuchsteufelswild, also wutentbrannt, zu: „Behalten Sie Ihren Mist. Ich lasse doch hier mit mir nicht den Molli machen. Da kriegt man ja Zustände.“ Wer „Molli“ ist, weiß niemand so genau, auch die „Zustände“ sind nicht genauer definiert. Klar aber ist jedem, der das hört: da ärgert sich jemand gehörig und macht seinem Ärger Luft.

Ärger hat verschiedene Farben

Symbolbild: Eine Schuhspitze auf einem Schlips

Wer beleidigt ist, fühlt sich schon mal auf den Schlips getreten

Zu Hause angekommen könnte die geplagte Mutter dann ihrem Mann erzählen, dass sie sich im Supermarkt grün und blau geärgert habe, und dass diese dumme, rücksichtslose Kundin Schuld daran sei, dass sie nun ohne ihren Wochenendeinkauf nach Hause fahren musste und ihre älteste Tochter in die Hose gemacht habe. Umgangssprachlich gesehen, hätte sie sich auch schwarz ärgern können. Die Bedeutung des „sehr, sehr, sehr geärgert haben“ ist dieselbe.

Der Mann reagiert leider mit wenig Verständnis und sagt: „Hm. Sein Portemonnaie kann ja jeder mal vergessen.“ Damit hat er allerdings Öl ins Feuer gegossen, also den Ärger seiner Frau nur noch verstärkt. Die fühlt sich jetzt auf den Schlips getreten, ein Gefühl von beleidigt werden, das Frauen wie Männer haben können. Ihr platzt der Kragen.

Ab auf den Mond

Ein Mond

Manchen würde man vor Ärger am liebsten auf den Mond schießen

Sie brüllt ihren Mann an und wirft ihm neben bösen Worten auch noch die nasse Hose ihrer Tochter an den Kopf. Der ist nun sichtlich genervt und ärgert sich außerdem darüber, dass ihm durch die fehlenden Einkäufe auch sein Feierabendbier entgeht. Er versucht seine Frau zu beruhigen: „Nun flipp' doch nicht gleich aus, Schatz.“ Die will sich aber nicht beruhigen und sieht rot. Wie ein Stier in der Arena auf den Matador mit dem roten Tuch, geht sie auf ihren Mann los, der sich schnell in sein Arbeitszimmer flüchtet.

Die junge Frau würde ihren Gatten nun am liebsten auf den Mond schießen, was man umgangssprachlich gerne mit Menschen macht, über die man sich heftig ärgert. Ihre Mutter kommt zur Tür herein und fragt mit milder Stimme, was passiert sei. Die junge Frau erzählt von ihrem Erlebnis im Supermarkt und sagt, dass sie sooo einen dicken Hals habe. Das verwundert die kleine Tochter, und sie bemerkt zu Recht: „Dein Hals ist doch so wie immer.“

Ärger ist abgekühlt

Durch die Kinderstimme beruhigt sich die genervte Mutter und erklärt freundlich: „Ach, das sagt man so, wenn man verärgert ist.“ Großmutter und Tochter nehmen die junge Frau in den Arm und das Happy End ist in Sicht, als die Großmama sagt: „Na dann mache ich mich gleich mit den Kindern noch mal auf den Weg und erledige den Einkauf. Und auf dem Rückweg gehen wir in die Eisdiele. Dann haben alle Gemüter Gelegenheit, sich ein wenig abzukühlen, so dass dann auch der Ärger verschwindet und keine Chance mehr hat, das Blut in Wallung zu bringen und die Adern anschwellen zu lassen.“







Arbeitsauftrag
Suche dir mindestens sieben Begriffe oder Redewendungen aus dem Text heraus, die Ärger und Verärgerung ausdrücken. Erkläre in Form eines Glossars deren Bedeutung. Ein Beispiel: „jemandem auf den Schlips treten – jemanden kränken, jemanden ärgern“. Bilde anschließend einen Satz, in dem du die Redewendung in der grammatisch korrekten Form einsetzt.

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