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Nahost

Widerstand in Bagdad offenbar gebrochen

Nach mehrtägigen Gefechten haben US-Truppen wichtige Teile von Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht. Im Zentrum der Hauptstadt wurde eine große Statue Saddam Husseins gestürzt.

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Sturz mit Symbolkraft: die Statue Saddam Husseins im Herzen Bagdads wurde geschleift

Mit der Hilfe von US-Marines wurde vor dem Journalisten-Hotel "Palestine" im Zentrum Bagdads eine große Metallstatue Saddams vom Sockel gerissen. US-Soldaten hatten zuvor das Gesicht Saddams zuerst mit einer US-Flagge und danach mit einer irakischen Fahne bedeckt. Eine begeisterte Menschenmenge führte Freudentänze auf.

Zuvor hatte eine Kolonne von US-Panzern am Hotel "Palestine" Stellung bezogen. In dem Hotel wohnen fast alle ausländischen Journalisten, die derzeit aus Bagdad berichten. "Ich bin hier, um sicher zu stellen, dass mein Sektor in Bagdad frei von Widerstandsnestern ist", betonte Oberstleutnant Brian McCoy, der Kommandeur des Marineinfanteriebataillons, dessen Panzer am Hotel vorgefahren waren.

Die Umzingelung des Hotels erfolgte einen Tag nach dem Beschuss des Hotels durch einen US-Panzer, bei dem zwei Journalisten getötet und mehrere verletzt worden waren. Nach McCoys Worten diente der Vorstoß seines Bataillons nicht vorrangig der Sicherung des Hotels. "Ich bin nicht hier, um dieses Gebäude zu verteidigen, aber auch nicht, um fremdes Eigentum zu besetzen", sagte er vor Journalisten.

Wendepunkt erreicht

McCoys Bataillon war aus Richtung Südosten nach Bagdad vorgestoßen. In den letzten zwei Tagen sei es dabei auf keinen nennenswerten Widerstand gestoßen. Im Wesentlichen seien die Soldaten von der Bevölkerung "willkommen geheißen" worden. Zuletzt hätten sie von Bewohnern sogar Hinweise bekommen, wo noch Widerstandsnester waren. "Das war der Wendepunkt", berichtete er, "von da an fühlten sie sich frei genug, um sich an uns zu wenden."

Nachdem US-Soldaten die Kontrolle in der Innenstadt von Bagdad übernommen haben, ließen zahlreiche Einwohner der Hauptstadt ihre Wut an den Symbolen der Macht von Präsident Saddam Hussein aus. Sie zerstörten und beschädigten mehrere der überall in der Stadt aufgestellten Bilder und Statuen des Präsidenten. Im schiitischen Viertel Saddam City sollen die Bewohner nach unbestätigten Berichten vor dem Eintreffen der US-Truppen die irakischen Fedajin-Milizen mit Gewalt vertrieben haben. Ein britischer Reporter berichtete, die Soldaten seien mit "Jubel" begrüßt worden. Einwohner plünderten in Saddam City und in der Innenstadt Geschäfte und Regierungsgebäude, darunter zwei Ministerien.

Rotes Kreuz stellt Arbeit ein

Angesichts der gefährlichen Lage in der Hauptstadt stellte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) seine Arbeit in Bagdad vorläufig ein. Die gefährliche Situation und das Chaos zwängen das IKRK dazu, sagte ein Sprecher. Unter diesen Umständen sei es nicht möglich, Bedürftigen Hilfe zukommen zu lassen. In Genf teilte das IKRK mit, ein kanadischer Mitarbeiter der Organisation werde nach dem Beschuss seines Wagens in Bagdad vermisst.

US-Vizepräsident Dick Cheney warnte derweil vor weiterhin "schwierigen Kämpfen" im Irak. Trotz der Anzeichen des Zusammenbruchs der irakischen Führung müsse damit gerechnet werden, sagte Cheney in New Orleans. Irakische Truppen, die Staatschef Saddam Hussein treu ergeben seien, kontrollierten noch immer mehrere Städte im Norden Iraks. Im Zentrum von Bagdad hätten die US-geführten Truppen allerdings "klare Zeichen" dafür gefunden, dass die Regierung von Saddam Hussein zusammengebrochen sei. (mik)