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Politik

Widerstand gegen Aristide breitet sich aus

Rebellen haben am Wochenende in Haiti die Kontrolle über die Hafenstadt Gonaives übernommen. Im ganzen Land weiten sich die Proteste gegen Präsident Jean-Bertrand Aristide bedrohlich aus. Die Polizei sieht machtlos zu.

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Die Rebellen rücken vor

Die Polizei gab am Sonntag (8.2.2004) ihren Rückzug aus der von Rebellen besetzten Stadt Gonaives bekannt, die sie tags zuvor in einem bewaffneten Vorstoß zurückerobern wollte.

Laut Berichten lokaler Radiosender rissen dort Rebellen Brücken ein und hoben Gräben aus, um eine Rückkehr der Sicherheitskräfte in die 200.000-Einwohner-Stadt zu verhindern. Gruppen bewaffneter Jugendlicher errichteten Kontrollpunkte rund um Gonaives.

Brennende Polizeistationen

Auch in anderen Städten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Agenturberichte und lokale Radiostationen berichten übereinstimmend von geplünderten und teilweise ausgebrannten Polizeistationen und Regierungsgebäuden. Aus der Großstadt Cap Haitien wurden brennende Straßensperren gemeldet, in der Stadt Grand-Goave brannte demnach eine Polizeistation nieder. Ministerpräsident Yvon Neptune warf der Opposition vor, die Regierung durch einen Putsch zu Fall bringen zu wollen.

In einer offiziellen Erklärung gab die Polizei nach den Kämpfen in Gonaives zu, sich in einer "Rückzugsstrategie" zu befinden. Angaben zu Opfern machten die Behörden nicht. Fernsehbilder aus der Küstenstadt zeigten Leichen am Straßenrand und Rebellen, die mit Gewehren und Macheten durch die Stadt patrouillierten.

Die Bevölkerung lebt in Angst vor den Aufständischen, die dem lokalen Bandenchef Buter Metayer unterstehen. Augenzeugen berichteten von drei bis sieben getöteten Polizisten allein während der Gefechte am Samstag, die Rebellen sprachen von mindestens 14 toten Ordnungskräften.

Gewalt herrscht seit Monaten

Gewalttätige Ausschreitungen erschüttern bereits seit Monaten Haiti, nun steht das Land am Rande eines Bürgerkrieges. Seit vergangenem Jahr hat Haiti kein Parlament mehr. Neuwahlen nach Auslaufen der Legislaturperiode waren nicht zustande gekommen, weil sich die politischen Gruppierungen nicht auf die Einrichtung einer Wahlkommission verständigen konnten. Präsident Jean-Bertrand Aristide regiert seitdem per Dekret.

Unruhen in Haiti weiten sich aus - Aristide feiert

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Die seit Monaten demonstrierenden Aristide-Gegner werfen dem einstigen Armenpriester vor, das Land mit diktatorischen Methoden und durch Korruption weiter in Armut und Elend zu treiben. Seine letzte Wahl 2001 sei nur durch massive Fälschungen zustande gekommen. Aristide lehnt einen Rücktritt ab und will sein Mandat bis 2006 zu Ende führen. Der Opposition fehlt bislang eine charismatische Führungspersönlichkeit.

Der Präsident als Pate

Unter Aristides Präsidentschaft ist das Land, das mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von unter 400 Dollar zu den ärmsten der Erde gehört und außerdem die vermutlich höchste HIV-Ansteckungsrate der Welt besitzt, wirtschaftlich am Boden geblieben. Der einstige Befreiungstheologe und Armenpriester selbst gilt dagegen heute als einer der reichsten des Landes und Hauptpate des Drogenhandels. Mit den in haitianischen Slums rekrutierten so genannten "Chimères" unterhält Aristide sogar private Schlägertrupps, die in seinem Auftrag Oppositionelle bedrohen, einschüchtern und für zahllose Morde verantwortlich gemacht werden. (mib)

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