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Ostmitteleuropa

"Widerstände in den Nachbarländern überwinden"

– Ungarn im In- und Ausland fordern, das umstrittene Statusgesetz umzusetzen

Budapest, 30.11.2001, PESTER LLOYD, deutsch

Auch die Globalisierung trage zum Erstarken des Begriffs der Nation bei, sagte Außenminister János Martonyi auf einer internationalen Konferenz über die Fragen der freien Identitätswahl in Budapest. Vertreter der Regierung und der Organisationen der Minderheitenungarn ließen keine Zweifel aufkommen, dass sie es mit dem Statusgesetz ernst meinten und entschlossen seien, Widerstände in den Nachbarländern zu überwinden.

Miklós Duray, geschäftsführender Vizevorsitzender der Ungarischen Koalition, ein Koalitionspartner in der slowakischen Regierung, erinnerte daran, dass sich 1918 3,4 Millionen Ungarn auf den Gebieten der Nachbarländer wiederfanden - das entsprach der Hälfte der Bevölkerung des verbliebenen Rumpfstaates. In 83 Jahren ist das Ungartum in den Nachfolgeländern auf ca. 2,8 Millionen zurückgegangen. Die Assimilation, die Auswanderung, die niedrige Geburtenrate seien die Hauptursachen. 20 Prozent der ungarischen Bevölkerung in den Nachbarländern gingen also verloren, während die Mehrheitsbevölkerung dieser Staaten im selben Zeitraum auf das Zweieinhalbfache wuchs.

Die ungarische Politik zielte zwischen den Kriegen auf Revision, nach dem Krieg galt das Prinzip des nackten Überlebens. In den kommunistischen Zeiten wurde das Nationalitätenproblem als "innere Angelegenheit" deklariert und durfte nicht angesprochen werden. Man sei nun bemüht, gegen die Praxis aufzutreten, dass die Nachbarländer die Minderheiten als ihr Eigentum behandeln. Man wolle eine wirkliche Gleichberechtigung und die geistige Zugehörigkeit zur ungarischen Nation.

György Schöpflin, Jean-Monnet-Professor am University College London, selbst ungarischer Abstammung, erklärte das Zurückdrängen der Minderheiten nach dem Krieg mit dem Bedürfnis der Staaten, ihre Kohäsion zu sichern. Später, als nach 1989 der Begriff Nationalismus kein verdächtiges Wort mehr war, kam das Erwachen der Minderheiten und ihr Wunsch, sich zu definieren. Die jugoslawische Krise half ihrer Sache natürlich nicht - auch wenn Befürchtungen, dass sich der Konflikt weiter ausdehnen würde, sich als unbegründet erwiesen. Schöpflin, der praktisch für das Statusgesetz plädierte, argumentierte in diesem Zusammenhang, dass das Problem, das der Sache zu Grunde liegt, nicht durch Ungarn hervorgebracht wurde; vielmehr versuche das Land, dafür eine zeitgerechte Lösung zu finden. Unterschiedliche Interessen sollten in Einklang gebracht werden und man solle sich bemühen, eine entsprechende Resonanz zu finden. Der Professor gab sich zuversichtlich, dass das Gesetz letztendlich als ein Teil der europäischen Ordnung akzeptiert werde.

Péter Eckstein-Kovács, Senator des Ungarnbundes Rumäniens, berichtete darüber, dass die Regierungs- und Oppositionsparteien Rumäniens das Gesetz zunächst begrüßt hatten, um dann einheitlich dagegen aufzutreten. Bemerkenswert sei, dass dieselben Leute niemals Einwände gegen das Gesetz äußerten, das der deutschen Minderheit in Rumänien Vorrechte einräumt.

László Brenzovics, Vizevorsitzender der Organisation der Karpatenungarn, sprach für die Gruppe, die es am schwierigsten hat. Die gut 200.000 Ungarn, die größtenteils in einer Entfernung von 25 km von der Grenze leben, hatten bis 1989 überhaupt keine Möglichkeiten zum Kontakt. Wenn sie durch die Schengen-Grenzen erneut abgeschottet würden, könnten sie als Ungarn eine weitere lange Isolationsperiode nicht überleben. Die Gefahr der Auswanderung wäre umso größer, als das Durchschnittseinkommen weniger als ein Viertel des ungarischen Minimallohnes (40.000 Ft. brutto, 1 DM = 128,7 Ft.) ausmacht. (fp)

  • Datum 30.11.2001
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