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Politik

Widersprüchliche Strategien irritieren Afghanen

Noch mehr Truppen oder doch ein Abzug? Die widersprüchlichen Strategien der NATO-Länder irritieren auch die Afghanen. Viele fragen sich, welche Ziele der Westen überhaupt in ihrem Land verfolgt.

Afghanische Zeitungen vom 21.10.09 (Foto: DW)

Viele Afghanen denken: Der Westen weiß nicht, was er will

Der Westen weiß nicht, was er will - das denkt zumindest Hayatullah Rafiqi. Immer wenn er sein Radio anschaltet hört er eine andere Meinung aus dem Westen. Einerseits wird über Strategien für einen Truppenabzug beraten, und andererseits sollen Mandate verlängert und Truppen aufgestockt werden. Er wisse nicht, was er bei diesen widersprüchlichen Aussagen noch glauben soll, sagt der Literaturdozent aus Kandahar bitter.

Jeder verfolge eigene Ziele

UN-Sonderbeauftragter Kai Eide aus Norwegen

Noch Anfang November sprach UN-Beauftragter Eide vom Abzug der Truppen

Die Ziele der internationalen Truppensteller, aber auch der afghanischen Regierung seien seiner Meinung nach verschwommen und undurchsichtig. Zum Beispiel die Ernennung des UN-Beauftragten für Afghanistan. Vor dem jetzigen Amtsinhaber Kai Eide sollte ein Engländer Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs in Afghanistan werden. Aber Karsai hat ihn abgelehnt - weil dieser Engländer mit den Taliban sprechen wollte. "Karsai befürchtete, der Engländer wolle nur wegen eigener Interessen mit den Taliban sprechen, und das wäre nicht gut für Afghanistan. Aber jetzt möchte Karsai selber mit den Taliban sprechen", erzählt der 64-Jährige. Rafiqi kann sich das nur so erklären: jeder verfolgt in Afghanistan lediglich seine eigenen Ziele verfolge. Und das sei weder Terrorismusbekämpfung, noch Sicherheit, noch Wiederaufbau, sondern Ziele, die niemand kenne.

Klare Aussagen werden erwartet

Viele Afghanen glauben auch nicht, dass all die Länder, die mit Truppen in ihrem Land präsent sind, eine einheitliche, am Interesse Afghanistans ausgerichtete Strategie verfolgen. Mohamad Ibrahim Spesali, ein 32-jähriger Publizist aus Helmand, ist ebenfalls dieser Meinung: "Amerika, Deutschland oder Kanada sprechen nicht mit einer Stimme. Jedes dieser Länder ist mit seinen eigenen Interessen hierher gekommen". Diese Länder verfolgen eigentlich eine gute Außenpolitik, meint Spesali - aber in Afghanistan lägen Worte und Taten weit auseinander.

"Wo wird denn Terrorismus bekämpft?"

Krieg in Afghanistan - US-Soldaten (Foto: AP)

Wann bereiten ausländische Soldaten dem Terrorismus ein Ende?

Auch Hayatullah Rafiqi wünscht sich klare Aussagen und, dass das Versprochene auch umgesetzt wird. In seiner Heimatstadt Kandahar, die zu einer der unsichersten in Afghanistan gehört, erlebt der Universitätsdozent tagtäglich Gewalt und Drohungen, die von lokalen Taliban ausgehen. "Wann bereiten die ausländischen Soldaten dem Terrorismus ein Ende? Die ganze Welt spricht vom Terrorismus. Seit letztem Jahr ist der Terror noch schlimmer geworden. Nicht nur in Afghanistan, schauen Sie sich Pakistan an. Da ist es mittlerweile so schlimm wie noch nie. Jeden Tag verlieren deshalb Hunderte ihr Leben. Aber wo wird denn Terrorismus bekämpft?"

Fragen wie diese zeugen von steigender Unsicherheit und Misstrauen gegenüber den ausländischen Truppen in Afghanistan. Vom Westen werden deshalb klare Antworten erwartet.

Autoren: Melanie Riedel und Zeyarmal Najibullah

Redaktion: Patrizia Pullano

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