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Kultur

Wider das Vergessen

Die Shoa Foundation wurde 1994 von Steven Spielberg gegründet, um Berichte von Zeitzeugen des Holocaust zu sammeln. Jetzt wurde in Berlin die CD-ROM "Erinnern für Gegenwart und Zukunft" vorgestellt.

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Die Erinnerung an die Verfolgten des Dritten Reichs wachhalten

Die Frage, wie man die Erinnerung an den Holocaust auch dann noch wach halten kann, wenn die Zeitzeugen verstorben sind, führte vor acht Jahren zur Gründung der gemeinnützigen Shoa Foundation. Im Herbst 2001 war die aufwendige Interviewaktion abgeschlossen. Insgesamt hatte man über 51.000 Erlebnisberichte von Zeitzeugen aus 57 verschiedenen Ländern zusammengetragen.

Einzelschicksale und historische Dimension

Am 27. September 2002 wurde im Roth Learning Center im Jüdischen Museum in Berlin die CD-ROM „Erinnern für Gegenwart und Zukunft“der Öffentlichkeit vorgestellt. Durch die Kooperation des Jüdischen Museums mit dem deutschen Büro der Shoa Foundation kann diese Geschichtsdokumentation nun den Besuchern des Jüdischen Museums zugänglich gemacht werden. Die CD-ROM soll Fakten der Geschichte mit den persönlichen Erlebnissen und Emotionen Überlebender verknüpfen. Daten, Zahlen und Fakten sollen ein Gesicht bekommen und persönlich berühren.

Die individuelle Seite des Holocaust wird durch die Lebensberichte von Irmgard Konrad und Hans Frankenthal bereichert, die von ihrem Überlebenskampf im Dritten Reich erzählen. Eine Zeitleiste stellt ihre Erfahrungen in einen geschichtlichen und gesellschaftlichen Zusammenhang.

Weiterhin werden verschiedene Themenkomplexe wie „Deportation und Vernichtung“, „Definition und Ausgrenzung“ oder „Täter und Zuschauer“ vertieft und durch weitere Aussagen von Zeitzeugen in einen konkreten Zusammenhang gestellt. Emotionaler Geschichtsunterricht

Die CD-ROM soll vor allem als Unterrichtsmaterial dienen, um die Schrecken des Holocaust in Schulen greifbar thematisieren zu können. Robert Siegel, Lehrer am Dachauer Josef-Effner-Gymnasiums, hat die CD-ROM im Unterricht bereits benutzt. Die Behandlung des Dritten Reiches im Geschichtsunterricht ist aus seiner Sicht sehr schwierig, weil die bloße Vermittlung von Fakten die Ausmaße der Verbrechen nicht begreifbar machen können.

Das liegt sehr im Interesse von Irmgard Konrad. Die Deutsche jüdischen Glaubens trägt ihre Erfahrungen, die sie während des Dritten Reichs erleben musste, in die Schulen, um in der Diskussion mit den Schülern ihr Leid begreiflich zu machen. Als Frau Konrad das erste Mal erfuhr, dass ihre Lebensgeschichte auf einer CD-ROM in Umlauf gebracht wird, war sie zuerst „genervt“. Ihr fehlte die Möglichkeit des direkten Austauschs mit den Nutzern. Doch inzwischen ist sie zuversichtlich, dass das Projekt „Erinnern für Gegenwart und Zukunft“ ein positiver Beitrag ist, um die Erinnerung an den Faschismus in Deutschland wachzuhalten.

Bundesweite Verbreitung ungesichert

Allerdings wird eine bundesweite Verbreitung durch die finanzielle Lage der Länder gebremst. Zwar hat die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier die CD-ROM an alle weiterführenden Schulen in Bayern geschickt, und auch in den Ländern Berlin und Brandenburg wird sie verteilt. In anderen Bundesländern steht sie auf Grund von Sparzwängen jedoch wie andere Lehrmittel auch auf der Warteliste.

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