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Fußball

Wichtiger Sieg für Guardiola

Nach dem klaren Erfolg gegen den FC Porto im Viertelfinale der Champions League, sitzt Bayern-Coach Guardiola wieder fest im Sattel. Das 6:1 war mehr als nur ein gewonnenes Fußballspiel - besonders für den Trainer.

Die Bayern haben den

FC Porto hochkant mit 6:1 aus dem Stadion geschossen

. Kein Problem, ein leichter Sieg gegen einen in keiner Phase des Spiels ebenbürtigen Gegner. Dabei war vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League noch seitenweise darüber geschrieben worden, wie viel für die Bayern und speziell für Guardiola und dessen Zukunft in München auf dem Spiel stehe. Nach der Partie sagte der sichtlich erleichterte Trainer, im Viertelfinale sei es "um Leben und Tod" gegangen. Zwar bezog Guardiola das ganz allgemein auf ein mögliches Ausscheiden, doch passte es ungewollt auch exakt auf die Situation des smarten Katalanen bei Bayern München.

"Bei Bayern zählt nur das Triple", hatte Guardiola noch vor dem Porto-Spiel gesagt und damit die Messlatte für sein Team und sich selbst zu Recht hoch gelegt. Wäre der FC Bayern gegen die Portugiesen ausgeschieden, Guardiolas Saison wäre im Eimer gewesen. Das Viertelfinal-Aus gegen den verhältnismäßig "kleinen" FC Porto hätte einen nicht wieder gutzumachenden Makel bedeutet. Auch das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal - so die Bayern es denn gewinnen sollten - hätte die Saison, anders als Vorjahr, dann nicht mehr gerettet. Möglicherweise hätte man Guardiola, sein System und seine Zukunft bei den Bayern gleich ganz in Frage gestellt. Nach der übersprungenen Hürde FC Porto sieht das nun wieder ganz anders aus: Guardiola sitzt fest im Sattel.

Nie zufrieden

Guardiola ist ein Perfektionist. Er möchte ständig die Kontrolle darüber haben, was auf dem Platz passiert. Selten ist er zufrieden, immer findet er Dinge, die man noch besser, noch perfekter machen kann. Während seine Mannschaft sich gegen Porto in einen Rausch spielte und ein Tor nach dem anderen feierte, holte sich Guardiola immer wieder einzelne Spieler an die Seitenlinie, um beschwörend auf sie einzureden und ihnen noch einmal taktische Anweisungen mit auf den Weg zu geben. In der zweiten Halbzeit, als es bereits 5:0 stand, zappelte und gestikulierte Guardiola vor seiner Bank herum, als stünde sein Team kurz vor einer Niederlage. Man kann das albern und übertrieben finden, dennoch ist diese Eigenschaft, nie zufrieden zu sein und immer noch besser werden zu wollen, genau der Grund, weswegen die Bayern Guardiola verpflichtet haben.

Pep Guardiola mit Anweisungen an Jerome Boateng (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Bayern führt nach wenigen Minuten 2:0 gegen Porto - Guardiola hat trotzdem noch Verbesserungsvorschläge

Und gegen Porto machte er seinem Ruf als "Taktikfuchs" wieder alle Ehre: Um die Portugiesen, die im Hinspiel noch viel Druck auf das defensive Mittelfeld der Bayern und deren Spielaufbau ausgeübt hatten, im Zaum zu halten, ließ er höher verteidigen. Weil bei Porto zwei Außenverteidiger gesperrt fehlten, verstärkte er das Spiel über die Flügel. So spielte Philipp Lahm einen klassischen Rechtsaußen, links suchten Juan Bernat und Mario Götze immer wieder den Weg zur Grundlinie. Die Maßnahmen gingen auf. Porto kam nicht ins Spiel, die Bayern schlugen ungewohnt viele Flanken in den Strafraum und erzielten drei Kopfballtore, auch das ist für die Münchener eher ungewöhnlich.

Guardiola wichtiger als Müller-Wohlfahrt

Im familiär geführten Verein Bayern München eckt Guardiola mit seinem Perfektionismus manchmal an. Zuletzt vergraulte er den langjährigen

Bayern-Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt

. Guardiola passte es offenbar nicht, dass der Arzt - anders als der Coach es vom FC Barcelona gewohnt war - keine Praxis auf dem Vereinsgelände unterhielt und Diagnosen und Behandlungspläne erstellte, die nicht immer mit den Wünschen des Trainers übereinstimmten. Guardiola wollte seine Spieler möglichst schnell wieder auf dem Platz sehen, für Müller-Wohlfahrt stand dagegen die Gesundheit der Profis an erster Stelle.

Pep Guardiola bei Pressekonferenz (Foto: Sven Hoppe/dpa)

"Ich weiß nicht" - Guardiola war mit der Arbeit der Ärzte offenbar unzufrieden

Bei jeder Pressekonferenz, bei der Guardiola Fragen zum Gesundheitszustand einzelner Spieler gestellt wurden, antwortete der sonst so eloquente Trainer immer nur mit einem wiederholten "Ich weiß nicht. Ich weiß nicht." In diesen "Ich weiß nicht"-Antworten steckte stets ein unverhohlener Vorwurf und eine Missbilligung der ärztlichen Abteilung.

Die knappe Stellungnahme des Vereins zum Abschied von Müller-Wohlfahrt nach fast 40 Jahren vertrauensvoller Zusammenarbeit zeigt, wie sehr der FC Bayern mittlerweile zum Guardiola-Club geworden ist und wie wichtig der Vereinsführung ihr Trainer und dessen Wohlbefinden sind. Pep Guardiola ist für das Gesamtgefüge eben wichtiger als Müller-Wohlfahrt.

Einziger Maßstab: sportlicher Erfolg

Der Sieg gegen Porto und die Art und Weise, wie er erzielt wurde, bestärkt Guardiola und seinen Weg. Guardiola-Kritiker werden zwar auch nach dem 6:1 nicht davon abrücken, dass sie den Katalanen für einen eitlen, herrschsüchtigen und kompromisslosen Kontroll-Freak halten - möglicherweise haben sie damit sogar Recht. Doch der sportliche Erfolg spricht nun wieder eine klare Sprache für Guardiola. Und sportlicher Erfolg ist schließlich der einzige Maßstab, an dem sich jeder Trainer des FC Bayern München messen lassen muss.

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