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Asien

Who's Hu?

Der 16. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas hat einen Machtwechsel vollzogen: Staatspräsident Jiang Zemin tritt als Parteichef ab, sein Nachfolger ist Hu Jintao. Ein Porträt des Politikers.

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Der "Neue" an Chinas Staatsspitze ist kein unbeschriebenes Blatt

"Who is Hu?" – Wer ist Hu Jintao? Die englischsprachigen Medien witzeln gerne über den Kronprinzen in der chinesischen Staatsführung. Genau weiß bisher niemand, welches politische Profil mit ihm zu verbinden ist. Man weiß nur: Der 59-jährige Hu ist studierter Ingenieur und gilt Beobachtern als gewiefter Taktiker und Technokrat. Er kam 1942 in Schanghai zur Welt und trat 1964 der KP bei, in der er schnell Karriere machte.

1982 wurde er Vorsitzender des Kommunistischen Jugendverbandes, 1985 Parteichef in der Provinz Guizhou, danach Parteichef in Tibet. 1992 wurde er mit 49 Jahren zum jüngsten Mitglied im Ständigen Ausschuss des Politbüros ernannt. Schon ein Jahr später übernahm er im Zentralkomitee den Vizevorsitz des Organisationskomitees und wurde Präsident der Parteischule. Wenn alles nach Plan geht, wird er nächstes Jahr auch das Amt des Staatspräsidenten übernehmen. Dann steigt er endgültig zur Nummer 1 Chinas auf.

Die vierte Generation

Nach den Führungsriegen um Mao Zedong und Deng Xiaoping, der Hu Jintao persönlich entdeckt und gefördert hat, und als direkter Nachfolger von Jiang Zemin wird Hu zum Kopf der so genannten vierten Führungsgeneration. Im komplizierten Interessengeflecht an Chinas Spitze wird er allerdings zunächst viele Rücksichten nehmen müssen - auf Vertreter anderer Parteicliquen ebenso wie auf seinen Vorgänger Jiang Zemin. Der will weiter im Amt des mächtigen Chefs der Zentralen Militärkommission verbleiben. Chinas "Neuer " wird vorerst nur so stark sein können, wie die anderen ihn lassen.

Bei seinen Reisen nach Europa und in die USA hat er bislang kein markantes politisches Profil erkennen lassen. Beobachter gehen aber davon aus, dass Hu Jintao China weiter wirtschaftlich öffnen wird. Eine der größten Herausforderungen dürfte die soziale Abfederung des rasanten Aufschwungs sein. Denn Chinas Entwicklung produziert zwar Reichtum in den Städten, stürzt aber auch immer mehr Menschen in Armut und birgt die Gefahr sozialer Unruhen.

Politische Erfahrungen

Als politischer Reformer ist Hu Jintao bisher nicht aufgefallen - im Gegenteil. In Tibet ließ er als Parteichef 1989 einen Aufstand blutig niederschlagen. Allerdings ist es in China mit Reformen so ähnlich wie mit Parteikarrieren: Vorwärts kommen und etwas bewegen kann nur, wer vorsichtig ist und nicht in Verdacht gerät, wichtige Staatsgrundsätze über den Haufen zu werfen. Hu Jintao hat es mit Anpassungsgeschick und bewusst farblosem Profil weit gebracht. Jetzt aber kann er seine Erfahrung als ehemaliger Parteichef zweier Armutsprovinzen einbringen.

Außenpolitisch dürfte sein Leitbild ein international berechenbares, aber weiter erstarkendes China sein, das selbstbewusst eigene Interessen verfolgt - etwa in Sachen Taiwan. Wichtigstes Ziel: die Sicherung der Stabilität im Riesenreich China sein. Was aus seiner persönlichen Biographie heraus nur bedeuten kann: die Herrschaftsabsicherung der Kommunistischen Partei. Innerhalb dieses Rahmens sind auch unter ihm behutsame Reformen möglich.