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Politik

Who wants to be a Millionaire?

Einige Amerikaner glauben, ein wirksames Gegenmittel gegen die geringe Wahlbeteiligung gefunden zu haben: Mit der Aussicht auf den Gewinn einer Million Dollar wollen sie die Menschen am 7. November an die Urnen locken.

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Hauptverfechter und Initiator der "Wahl-Lotterie" ist der politisch ambitonierte Augenarzt Mark Osterloh. Die Idee von "Dollars gegen demokratische Teilhabe" sei ihm während seines beruflichen Alltags gekommen, erklärt er. Immer wieder begegneten ihm hier Menschen ohne Job oder ausreichendes Einkommen, die durch die Maschen des Gesundheitssystems fielen. Häufig seien dieselben, die nicht zur Wahl gegangen wären und damit ihren Einfluss auf die Politik nicht geltend gemacht hätten.Warum also nicht die sozial Schwachen mit barer Münze dazu motivieren, sich für die eigenen Interessen einzusetzen?

Für oder gegen die Wahl-Lotterie?

Im Frühjahr startete Osterloh die "Arizona Voters Reward Initiative". Sein erster großer Erfolg: bereits am 7. November werden die Bürger Arizonas im Rahmen der Kongresswahlen darüber abstimmen, ob sie für oder gegen die Umsetzung der Wahl-Lotterie sind. Ein kleiner Anreiz für eine Ja-Stimme zur "Proposition 200": ist die Initiative erfolgreich, wird sie rückwirkend für die November-Wahlen angewandt.

Die Million, die einem glücklichen Wähler dann winkt, stammt aus den Kassen von Arizonas Lotterie-Gesellschaft. Geld,das übriggeblieben ist, weil Gewinne nicht reklamiert wurden. Was hier aufläuft, würde nach offiziellen Angaben ausreichen, um in Zukunft alle zwei Jahre einen Wahl-Millionär zu schaffen.

Quantität ohne Qualität

Doch es gibt auch kritische Stimmen gegen ein derartiges System. Das habe mit Bürgerverantwortung und demokratischer Selbstbestimmung nur noch wenig zu tun, opponieren sie in öffentlichen Kampagnen. So stellt beispielsweise die Industrie- und Handelskammer Arizonas den demokratischen Mehrwert des Vorhabens in Frage: Quantität ohne Qualität, das verfälsche das Wahlergebnis, so ihre Befürchtung. Denn davon, dass die "Lottery-Voter" sich vor ihrer Wahl mit den politischen Positionen der Parteien und Kandidaten auseinandersetzten, sei wohl kaum auszugehen.

Ähnlich äußert sich der Direktor des Washingtoner "Center for the Study of the American Electorate", Curtis Gans. Er ist froh, dass die Idee der Lotterie in anderen US-Staaten bisher nur wenig Interesse findet. Natürlich besteht das Problem, dass die Regierung heute nur noch durch eine Minderheit der Amerikaner legitimert wird. Das sollte man jedoch auf keinen Fall mit kommerziellen Methoden bekämpfen. Sei würden den Wähler nur zusätzlich entpolitisieren, so Curtis Gans.

Gottes Wort

Osterloh versteht die Einwände gegen seine Initiative nicht – seiner Meinung nach orientiert sich die Wahl-Lotterie an einem einfachen Prinzip: dem Wort Gottes. Schon in der Bibel sage Gott zu den Menschen, sie sollten sich nach bestem Gewissen verhalten dann werde er sie mit ewigem Leben belohnen. An einer Belohnung für wünschenswertes Benehmen sei also grundsätzlich nichts Unmoralisches.

Schon im nächsten Jahr will er sich daher für eine Einführung der Wahl-Lotterie in anderen US-Bundesstaaten einsetzen. Ein Erfolg in Arizona könnte hierfür starken Rückenwind bescheren. Von einer flächendeckenden Umsetzung seiner Idee erhofft sich Osterloh dann auch ein besseres Gesundheitssystem für die USA. Dass sein Ansatz aufgehe, verdeutlicht der Augenarzt an einem Beispiel: In Staaten mit Wahlpflicht, wie etwa Australien, funktioniere die Patientenversorgung weit besser und berücksichtige vor allem auch sozial Schwächere. Eine gewagte These: Denn das australische Gesundheitssystem schneidet im internationalen Vergleich kaum besser ab als das amerikanische.