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Wirtschaft

"Who is who" der europäischen Steueroasen

Wer Steuern sparen will, muss nicht nach Panama, auf die Bahamas oder die Fidschi-Inseln. Auch einige europäische Staaten haben keine Probleme mit unsauberen Geschäftspraktiken. Hier eine Übersicht.

Symboldbild Steueroasen - Landkarte mit internationalen Geldströmen (Foto: Fotolia/Trueffelpix)

Symbolbild Steueroasen British Virgin Islands

Von internationalen Drehscheiben des Offshore-Geschäfts mitten innerhalb der Europäischen Union bis hin zu kleinen regionalen Anbietern am geografischen Rande - Europa ist alles andere als unschuldig an den jüngsten Skandalen um Steuerhinterziehung. Das Netzwerk Steuergerechtigkeit (Tax Justice Network) setzt sich für die Schließung von Steuerschlupflöchern ein. Nach Einschätzung des Netzwerkes finden sich Steueroasen nicht nur an fernen Palmenstränden, sondern immer dann, wenn ein Ort "Geschäfte anlocken will, indem er eine politisch stabile Infrastruktur zur Verfügung stellt, um Personen und Firmen dabei zu helfen, sich den Regeln, Gesetzen und Regulierungen anderer Gebietskörperschaften zu entziehen". Und nach dieser Definition gibt es in Europa einige Löcher zu stopfen, wie Markus Meinzer vom Netzwerk Steuergerechtigkeit im "Who is Who der europäischen Steueroasen" verrät.

Andorra

Andorra ist ein unabhängiger Staat und gehört nicht zur Europäischen Union.

Markus Meinzer vom Netzwerk Steuergerechtigkeit. (Foto: Meinzer)

Blickt skeptisch auf Steuerschlupflöcher: Markus Meinzer vom Netzwerk Steuergerechtigkeit

Laut Meinzer ist der Zwergstaat in den Pyrenäen ganz klar ein regionaler Anbieter des Bankgeheimnisses für Franzosen und Spanier: "Hinterziehungs- oder Offshore-Kunden schätzen es, persönlich mit dem Bankberater zu sprechen." Attraktiv ist das Land, weil dort keine Einkommens-, Erbschafts-, oder Kapitalsteuer fällig wird. Das macht Andorra vor allem interessant, wenn Steuerforderungen im eigenen Land umgangen werden sollen. "Franzosen und Spanier können wegen der geografischen Nähe auch ihr Bargeld dort deponieren", so Meinzer. Nach dem Einzahlen kann man in Andorra auch noch wunderbar steuerfrei Tanken und Zigaretten einkaufen.

Deutschland

Auch Deutschland ist laut dem Netzwerk Steuergerechtigkeit nachlässig, was die Transparenz mit Daten von ausländischen Kapitalanlegern angeht. Außerdem müssen ausländische Investoren auf Zinsen keinerlei Steuern bezahlen. "Also wenn ich beispielsweise als Südafrikaner mein Geld nach Deutschland bringe und in Staatsanleihen investiere, dann zahle ich auf die Zinsen daraus keine

Skyline von Frankfurt (Foto: dpa)

Gute Bedingungen für ausländisches Kapital: Bankenviertel in Frankfurt

Abgeltungssteuer - die gilt bei Zinsen nur für Deutsche", erklärt Meinzer. Auch die Informationen über die Erträge fließen nur selten von Deutschland ins Ausland: "Damit das geschieht, muss schon ein Strafbestand vorliegen - ansonsten sind die deutschen Konten von ausländischen Anlegern mit einem gewissen Grad an Anonymität geschützt", sagt Meinzer. Deshalb hat das Netzwerk Steuergerechtigkeit Deutschland in der Liste der größten Geheimniskrämer der Welt auf Platz neun eingestuft.

England

Mit London verfügt England über die wohl größte Drehscheibe der Steuer- und Kapitalflucht in Europa. "London ist die Mutter aller Steueroasen, weil es für die von der Krone abhängigen Gebiete ganz geschickt ein Netz geschaffen hat, das wiederum große Summen Geld zurück nach London bringt", sagt Meinzer. Von dort fließt das Kapital dann häufig auf die Kanalinseln wie Guernsey, Jersey und die Isle of Man ab. Von dort zieht es dann weiter in die Überseegebiete in der Karibik wie die Caymaninseln, die britischen Jungferninseln oder in Europa nach Gibraltar. Wer wissen möchte, wie einfach es ist über England sein Geld dort unterzubringen, der braucht im Internet nur mal nach Briefkastenfirmen zu suchen. Viele der dubiosen Internet-Anbieter sitzen in London.

Gibraltar

Die Felsen von Gibraltar von weitem. (Foto: AFP)

Meinzer zu Gibraltar: "Das schmmutzige Ende des Spektrums"

An der südlichen Spitze der iberischen Halbinsel lassen sich besonders leicht Briefkastenfirmen oder sogenannte Trusts gründen. Trusts folgen einer Rechtsstruktur, bei dem es keinen klassischen Eigentümer mehr gibt. "Oft werden diese Trusts als zusätzliche Schicht an Geheimhaltung über die Briefkastenfirmen gelegt", erklärt Meinzer. Gibraltar eigne sich besonders gut, um Geld zu waschen. "Laut Insider-Informationen wissen wir, dass Gibraltar dafür benutzt wird, das schmutzige Ende des Spektrums wieder in den Finanzmarkt einzubringen." Dank liberaler Gesetze und niedriger Steuern haben sich in Gibraltar zudem viele Glücksspielunternehmen niedergelassen oder halten dort Lizenzen.

Irland

Ob Google, Apple oder Amazon: Internationale Unternehmen sparen gerne Steuern und suchen deshalb auch in Europa nach dem günstigsten Ort für die Niederlassung. Irland bietet sich als legaler Steueroptimierungsplatz an. "Double Irish" nennt sich das Modell in der Sprache der Finanzwelt. Das genaue Verfahren ist komplex, läuft aber vereinfacht etwa so: Ein Unternehmen gründet in Irland zwei Tochterfirmen - der sogenannte doppelte Ire. In Irland liegt der Unternehmenssteuersatz bei 12,5 Prozent, in den USA beispielsweise bei 35 Prozent. Eine der beiden Tochterfirmen meldet seinen Firmensitz in einer weiteren Steueroase an. Nach irischem Recht ist das möglich.

Ein Dudelsackbläser der St. Patricks Day trinkt aus einem Flachmann. Der irische Nationalfeiertag St. Patricks Day wurde mit einem Festzug und Dudelsackkapellen aus Irland, Schottland und darauffolgenden Partys gefeiert. (Foto: dpa)

Einen Schluck auf die günstigen Unternehmenssteuern

Während das eine Unternehmen nun die Geschäfte in Europa betreibt, zahlt es für die Patente Geld an das andere Unternehmen. Obwohl beide Unternehmen zur selben Mutter gehören, verschwinden in der Bilanzsumme die Gewinne, weil sich Ausgaben und Einnahmen ausgleichen. Anders aber als beispielsweise in den Niederlanden, die eine ähnliche Anreizpolitik für Unternehmen haben, legt Irland laut Meinzer aber darauf Wert, "dass tatsächlich auch Menschen dort arbeiten." Das schafft Arbeitsplätze und dadurch wenigstens auch etwas Wachstum im Land.

Noch mehr Steueroasen? Hier geht es weiter mit Isle of Man, Kanalinseln, Luxemburg, Liechtenstein, Niederlande, Schweiz, Madeira, Malta, Monaco, Österreich und Zypern.

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