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Wissen & Umwelt

WHO fordert internationale Solidarität

Die Einstufung der Schweinegrippe als Pandemie war für die Weltgesundheitsorganisation nicht nur die Konsequenz der bis jetzt bekannten Ausbreitung des Virus. Sie sorgt sich besonders um die Entwicklungsländer.

Reagenzgläser mit Virus-Material (Foto: AP)

Annähernd 30.000 bestätigte Infektionen in rund 70 Ländern, darunter mehr als 140 mit tödlichem Verlauf: Das sind die Zahlen zur Influenza A(H1N1), landläufig "Schweinegrippe" genannt - vorgelegt und laufend aktualisiert von der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Die meisten Infektionsfälle wurden bislang aus Nordamerika gemeldet: Rund 16.000 aus den USA und Kanada, 6000 aus Mexiko. Und dort, wo die Pandemie vermutlich ihren Ausgangpunkt hatte, gab es auch mit Abstand die meisten Todesopfer.

Das Epizentrum der Pandemie

In Mexiko starben mehr als 100 Menschen, das waren 1,7 Prozent der infizierten Personen. Weltweit hingegen kostet die neue Influenza nur etwa 0,5 Prozent der Infizierten das Leben - rein rechnerisch, denn die mexikanischen Todesfälle verzerren die Statistik stark. In anderen Ländern mit vielen Infizierten, etwa Australien, England, Japan oder Spanien starb bislang niemand an der Schweinegrippe.

Nun sind offiziell an die WHO gemeldete und bestätigte Fälle die eine Sache, tatsächliche aufgetretene Infektionen aber unter Umständen eine ganz andere. Manche Experten schätzen, dass bereits in Nordamerika nur jeder zehnte Fall überhaupt registriert wird: Bei dem relativ glimpflichen Verlauf gehen viele Erkrankte entweder erst gar nicht zum Arzt, oder der Erreger wird nicht genauer untersucht.

Und das gilt natürlich erst recht für Länder mit schlecht ausgebauter medizinischer Infrastruktur oder für Länder, deren Bewohner sich mit anderen, momentan wohl bedrohlicheren Erkrankungen wie AIDS, Tuberkulose und Malaria herumschlagen.

Es kann noch viel passieren

WHO-Chefin Margaret Chan (Foto: AP)

WHO-Chefin Margaret Chan

Dass es zum Beispiel aus ganz Afrika - mit Ausnahme von Ägypten - bisher keinen bestätigten Schweinegrippe-Fall gibt, heißt nicht, dass der Erreger einen Bogen um den Kontinent macht. Die große Sorge um Entwicklungsländer war sogar ein wichtiges Motiv für die WHO, jetzt die höchste Pandemie-Stufe auszurufen, sagt die Generaldirektorin Margaret Chan. Obwohl die Erkrankung in vergleichsweise gut entwickelten Ländern anscheinend einen relativ leichten Verlauf nehme, sei es doch ratsam, auch ein schwärzeres Bild vorherzusehen. "Nämlich das, dass sich das Virus in Gebieten mit beschränkten Ressourcen, schlechtem Gesundheitssystem und grundlegenden medizinischen Problemen ausbreitet."

Mit dem Übergang von Pandemie-Stufe 5 auf 6 ist für die WHO auch ein politisches Signal verbunden: Industriestaaten, aber auch Pharma-Unternehmen sollten bei der Produktion und Bereitstellung von antiviralen Mitteln und Impfstoffen Verantwortung übernehmen, fordert Chan: "Dies ist eine Zeit, in der die Länder der Welt, reich oder arm, groß oder klein, im Namen der globalen Solidarität zusammenkommen müssen. Um sicher zu stellen, dass Menschen in Ländern mit geringen eigenen Mitteln nicht ohne Hilfe gelassen werden."

Autor: Michael Gessat

Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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