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Wissen & Umwelt

WHO: Dank Ebola schneller zum Impfstoff gegen Zika-Virus

Erfahrungen aus der Ebola-Krise helfen dabei, einen Impfstoff gegen das Zika-Virus zu entwickeln, verkünden Experten auf einer Wissenschaftskonferenz in Washington. Klinische Studien könnten bereits im Sommer starten.

"Jeder will heute mit mir über Zika sprechen", sagt Christopher Dye, strategischer Direktor bei der Weltgesundheitsorganisation. Eigentlich referiert er auf dem AAAS-Treffen, der Konferenz der größten Wissenschaftlerorganisation weltweit, wie die Menschheit die Ebola-Krise in Westafrika bewältigt hat. Doch das Zika-Virus, das sich rasant über Süd- und Mittelamerika ausgebreitet hat, scheint die meisten mehr zu interessieren.

26 Länder sind inzwischen betroffen, verkündet Marcos Espinal von der WHO am Freitag (12.02.2016) in Washington. Laut Dye wurden in Brasilien bereits 4000 Babys mit Mikrozephalie geboren, "und wir gehen davon aus, dass die Zahl noch steigen wird". Die neurologische Fehlentwicklung sei höchstwahrscheinlich von Zika verursacht, sagt Dye: "Zika ist schuldig, bis seine Unschuld bewiesen ist."

Auf der Konferenz wird auch klar, wie wenig die Wissenschaft bisher über das Virus weiß. Können auch Frauen das Virus auf ihren Geschlechtspartner übertragen? In welcher Phase der Schwangerschaft ist eine Infektion besonders gefährlich für das Baby? Welche Mückenarten können das Zika-Virus in sich tragen? Auf viele Fragen schütteln die Experten nur bedauernd die Köpfe: "Das wissen wir leider noch nicht."

Hoffnung auf schnellen Impfstoff

Um die Gefahr für die Ungeborenen zu bannen, gibt es für die meisten nur eine Lösung: "Wir werden einen Impfstoff gegen Zika benötigen", sagt Biostatistiker Ira Longini von der Universität Florida, der im Jahr 2015 die Ebola-Impfstoffstudie mit konzipiert hat.

Mit Express-Impfstoffentwicklungen haben die WHO und ihre Partner jetzt schließlich aus der Ebola-Epidemie Erfahrung. Dye ist daher optimistisch, dass die WHO gemeinsam mit Partnern einen Impfstoff gegen das Zika-Virus finden wird – "Ebola hat gezeigt, dass sich die regulatorischen Abläufe bei Impfstoffstudien im Notfall beschleunigen lassen", erklärt Dye im DW-Interview. Bei Ebola ist innerhalb einem halben Jahr gelungen, eine klinische Impfstudie auf die Beine zu stellen.

In den Startlöchern

Anthony Fauci vom US-Institut für Allergien und Infektionskrankheiten verspricht, dass es bereits Ende des kommenden Sommers einen Impfstoff geben wird. Der allerdings muss dann zunächst an Menschen getestet werden. "Wir wissen nicht, ob er auch wirken wird", sagt Fauci. Pharma- und Biotechfirmen seien aber bereits auf sein Institut zugekommen und hätten sich für eine Zusammenarbeit angeboten - auch das eine Verbesserung im Vergleich zur Ebola-Epidemie.

Ebola-Impfstation in Liberia (Foto: AP)

Keine Zeit für langwierige Studien: Testimpfungen gegen Ebola in einem Krankenhaus in Liberia

Bei der Erprobung des Impfstoffs gegen Ebola ist man erstmals von dem üblichen Verfahren abgewichen, quasi querbeet Probanden in einer Bevölkerung auszuwählen und diese zu impfen. Stattdessen haben Forscher gezielt die Menschen geimpft, die mit den Ebola-Erkrankten in Kontakt kommen konnten, also gefährdet waren, sich anzustecken. "Ich glaube, ein solches Verfahren würde auch bei Zika funktionieren", sagt Longini. Hier allerdings sind Mücken die Hauptüberträger - das müsse man beim Studiendesign mit einbeziehen.

Verwandte des Zika-Virus

Bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Ebola hatten die Entwickler Glück, sagt Christopher Dye von der WHO im DW-Interview: "Es gab bereits einen Impfstoffvorläufer." Daran hatten Forscher bereits über viele Jahre gearbeitet. Was fehlte, waren hauptsächlich die klinischen Studien - die bisher niemand ausgeführt hatte, weil sie zu teuer waren.

Christopher Dye auf dem AAAS Meeting (Foto: DW)

Christopher Dye auf der Jahreskonferenz der American Association for the Advancement of Science (AAAS)

Bei null müsse man aber auch bei Zika nicht anfangen, sagt Dye. Zika gehört zur Virenfamilie der Flaviviren. "Damit ähnelt Zika dem Gelbfieber-, dem Dengue-Fieber- und dem West-Nil-Virus - mit allen drei haben wir bereits Erfahrung."

Dye hofft inständig, dass Zika dem Gelbfieber-Virus ähnelt: "Der Impfstoff gegen Gelbfieber ist fantastisch", sagt Dye. Eine Injektion bietet Schutz für 10 Jahre - ein Traum für die Virologen. "Dengue-Fieber wiederum ist sehr viel komplizierter." Zwar kommt derzeit ein Impfstoff gegen Dengue auf den Markt, aber der hat in den klinischen Studien eher enttäuschend abgeschnitten: Er wirkt nur in 60 Prozent der Fälle - und selbst dafür sind drei Injektionen nötig.

Während die Forscher im Labor an einem möglichen Impfstoff gegen Zika basteln, beobachten Dye, Espinal und Fauci gespannt die Lage in Süd- und Mittelamerika.

"Das Zika-Virus ist das erste Mal überhaupt in dieser Region aufgetaucht. Die Menschen haben keinerlei natürliche Immunität", sagt Dye. Für sie ist es wichtig zu wissen: Sind die Menschen, die eine Zika-Infektion durchmachen, danach immun, erkranken also kein zweites Mal? Wenn dem so ist, besteht Grund zur Hoffnung: Dann wird wahrscheinlich auch ein Impfstoff gute Resultate erzielen.

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