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Sport

Wettskandal erschüttert europäischen Fußball

Das Beben um den bestechlichen Schiedsrichter Robert Hoyzer ist gerade in Vergessenheit geraten, da erschüttert die nächste Wettaffäre den Fußball. Allein in Deutschland wurden angeblich 32 Spiele manipuliert.

Ofizielle bei der Pressekonferenz (Foto: AP)

Polizei und Staatsanwaltschaft haben bereits einige Verdächtige in Untersuchungshaft genommen

Knapp fünf Jahre nach der Affäre um den Schiedsrichter Robert Hoyzer erschüttert ein Wettskandal ungeahnten Ausmaßes den europäischen Fußball. Die Ermittler gehen derzeit von rund 200 Partien aus, bei denen Manipulationen für entsprechende Sportwetten versucht wurden oder tatsächlich auch gelungen sind. In Deutschland gibt es anscheinend mit 32 Spielen von der Zweiten Bundesliga abwärts die meisten Verdachtsfälle, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag (20.11.2009) in Bochum mitteilten. Insgesamt 17 Haftbefehle wurden vollstreckt, davon 2 in der Schweiz und 15 in Deutschland. Der Schaden wird derzeit auf etwa zehn Millionen Euro beziffert. "Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs", sagte Polizeidirektor Friedhelm Althans.

In neun Ländern Spiele manipuliert

Fußball und Geldscheine (Foto: AP)

Die Manipulationsvorwürfe erschüttern den europäischen Fußball

"Das ist zweifellos der größte Betrugsskandal, den es im europäischen Fußball jemals gegeben hat. Wir sind zutiefst betroffen vom Ausmaß der Spielmanipulationen durch internationale Banden. Wir müssen jetzt alles dafür tun, dass die verwickelten Schiedsrichter, Sportler und Funktionäre der Sportjustiz zugeführt werden", kommentierte Peter Limacher, UEFA-Experte für Bekämpfung von Spielmanipulationen, die Vorfälle. Insgesamt sollen in neun Ländern Spiele manipuliert worden sein. Neben Deutschland sind dies Belgien, die Schweiz, Kroatien, Slowenien, die Türkei, Ungarn, Bosnien-Herzegowina und Österreich. In Kroatien, Slowenien, Türkei, Ungarn, Bosnien und Österreich sind zahlreiche Erstligaspiele betroffen. Hinzu kommen mindestens drei Champions-League- und zwölf Europa-League-Spiele sowie ein Qualifikationsspiel zur U21-EM. Alle betroffenen Spiele stammen aus dem Jahr 2009. Da auch Spiele aus der Europapokalsaison 2009/2010 betroffen sind, sind Konsequenzen für den laufenden Spielbetrieb möglich.

Sportler und Funktionäre äußern sich bestürzt über die Schiebungen. DFB-Präsident Theo Zwanziger reagierte geschockt auf den neuen Fußball-Skandal: "Wir sind froh, dass die staatlichen Behörden mit hoher Kompetenz und der gebotenen Ernsthaftigkeit allen Verdachtsmomenten nachgehen. Es ist gut, wenn die Gerichte konsequent durchgreifen. Sollten dabei Trainer, Schiedsrichter oder Spieler überführt werden, wird der deutsche Fußball mit derselben Konsequenz alle Mittel der Sportgerichtsbarkeit ausschöpfen." Auch Vertreter von Profivereinen zeigen sich fassungslos in Anbetracht der Dimensionen, die der Bestechungsskandal zu haben scheint: "Das ist unglaublich. Man kommt sich vor wie in einem Parallel-Universum", kommentiert Jan Schindelmeiser, der Manager des Bundesligisten 1899 Hoffenheim die Spielmanipulationen. "Natürlich ist man froh, dass die Bundesliga davon nicht betroffen ist, doch das macht die Sache nicht besser. Es müssen jetzt alle Beteiligten intensiv an der Aufklärung mitwirken. Die Schuldigen müssen knallhart bestraft werden. Da hilft nur ein Abschreckungs-Szenario."

Ein alter Bekannter ist anscheinend wieder beteiligt

Sapina in einem schicken Flitzer (Foto: dpa)

Schon wieder unter Verdacht: Ante Sapina

Klar ist bereits eines: Der Skandal hat ein weit größeres Ausmaß als die Manipulationsaffäre um den Referee Hoyzer, die vor knapp fünf Jahren den deutschen Fußball erschütterte. Doch ein alter Bekannter aus dem Hoyzer-Prozess ist anscheinend auch in dem neuen Skandal involviert: Ante Sapina, der Drahtzieher des damaligen Wettskandals. Er und seine beiden Brüder wurden vor vier Jahren ebenso wie der Berliner Referee vom Landgericht Berlin verurteilt. Ante Sapina erhielt mit zwei Jahren und elf Monaten die höchste Haftstrafe und damit noch ein halbes Jahr mehr als Hoyzer. Der Kroate wurde jetzt wegen der neuen Manipulationsvorwürfe erneut festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.

Während die Staatsanwaltschaft keine Namen von betroffenen Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären in Deutschland nannte, liegen gegen zwei deutsche Klubs bereits Verdachtsmomente vor. Nach Informationen der Neuen Osnabrücker Zeitung sollen Profis des Zweitliga-Absteigers VfL Osnabrück verstrickt sein. Die Staatsanwaltschaft Bochum verdächtigt einen 34-jährigen Mann aus Lohne, zwei Begegnungen des VfL in der vergangenen Zweitliga-Saison mit Hilfe von Osnabrücker Spielern manipuliert zu haben. Der Mann soll bereits verhaftet worden sein. Betroffen sind angeblich die beiden Auswärtsspiele der Niedersachsen beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai. Der 34-Jährige hatte laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft hohe Summen auf die beiden Partien gesetzt und sich dabei auf eine Tordifferenz festgelegt, die dann tatsächlich eintrat. Aus abgehörten Telefonaten der Polizei Bochum gehe hervor, dass der Verdächtige Kontakt zu mindestens einem VfL-Spieler aufgenommen habe.

Angeblich mit fünfstelligem Betrag bestochen

Daum im Portrait (Foto: AP)

Auch ein Spiel von Christoph Daums Mannschaft Fenerbahce Instanbul soll manipuliert worden sein

Auch ein Freundschaftsspiel zwischen dem Regionalligist SSV Ulm und dem vom deutschen Trainer Christoph Daum trainierten türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul am 14. Juli 2009 steht unter Manipulationsverdacht. Fenerbahce hatte das Spiel gegen Ulm 5:0 gewonnen. Laut den Unterlagen der Ermittler soll sich der Verdacht ergeben haben, dass bislang unbekannte Spieler des SSV Ulm für ihre Bereitschaft genau in dieser Höhe zu verlieren insgesamt einen niedrigen fünfstelligen Betrag erhalten haben sollen.

Autor: Marcus Bölz (mit dpa, SID)
Redaktion: Anna Kuhn-Osius