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Politik

Wettlauf um Überlebenshilfe in Liberia

Hilfsorganisationen fürchten trotz der Waffenruhe in Liberia zunächst eine Verschlechterung der humanitären Lage. Es fehle an Logistik, um Lebensmittel und andere Hilfsgüter ins Land zu bringen und zu verteilen.

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Soldaten sind in Liberia bereits gelandet - nun müssen ihnen die Helfer folgen

Auf dem Schreibtisch von Mathias Mogge stapeln sich die Landkarten. Die meisten zeigen Liberias Hauptstadt Monrovia und Umgebung. "Liberia ist die Hölle. Das Land wird ganz klar ein Schwerpunkt für die humanitäre Hilfe werden", sagt der für Westafrika zuständige Direktor der Deutschen Welthungerhilfe (DWH). In seinem Büro in Malis Hauptstadt Bamako plant er gerade eine mühsame Erkundungsreise in das Bürgerkriegsland, das durch die Abdankung seines Präsidenten Charles Taylor neue Friedenshoffnungen schöpft. So wie Mogge haben viele Repräsentanten internationaler Hilfsorganisationen begonnen, das Ausmaß der erst allmählich sichtbaren humanitären Katastrophe abzuschätzen. Es geht um akute Überlebenshilfe - und damit um einen Wettlauf gegen die Zeit.

Menschliches Elend

Auf mindestens 1,3 Millionen Menschen veranschlagen die Vereinten Nationen die Zahl der Bedürftigen allein in Monrovia, wo sich ein menschliches Elend größten Ausmaßes offenbart. Während der als Kriegsverbrecher international gesuchte Ex-Präsident Taylor für sich noch einen großartigen Abgang inszenierte, litt sein Volk bereits seit Monaten unter anhaltender Gewalt, Hunger und Krankheiten. Viele Liberianer haben nach diversen Berichten nur überlebt, weil sie auch von dem Verzehr von Blättern, Wurzeln und Rinde nicht zurückschreckten.

Das Wenige, was auf dem Markt erhältlich ist, konnte sich die Masse der durch Jahre lange Gewalt zermürbten Bevölkerung kaum leisten. Ein Liter Diesel kostet acht Dollar, eine Tasse Reis drei Dollar. Das Rote Kreuz sowie die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) sind bereits vor Ort und haben erste Hilfsmittel ins Land gebracht. In Malis Hauptstadt Bamako rüsten sich auch Amerikas Hilfsorganisationen um zu helfen. Die internationale Hilfsorganisation Oxfam will dringend benötigte Ausrüstung zur Trinkwasserversorgung nach Monrovia entsenden. Doch der Bedarf übersteigt bei weitem das Angebot.

Wasser, Planen, Medizin

Die "DWH" hat die Entsendung einer Trinkwasser-Aufbereitungsanlage sowie von 10.000 Wasserkanistern angeboten, der "UN-Koordinator wollte jedoch gleich mindestens 20.000 haben", sagte Mogge. Benötigt werden angesichts chronischer Mangelernährung breiter Bevölkerungsteile vor allem Nahrungsmittel aber auch Wasser, Planen und Medikamente. Die Cholera hat sich als Plage dazugesellt. Während das Elend rund um die Hauptstadt Monrovia wenigstens in groben Zügen bekannt ist, ist es im Hinterland eine einzige große Unbekannte.

Die Vereinten Nationen gehen allein im Gebiet um die einst mit deutschem Kapital betriebene Bong-Eisenerzmine von mindestens 500.000 bis 800.000 bedürftigen Menschen aus, denen dringend geholfen werden muss.

Rebellen geben Zugang frei

Der Zugang in die Mine und in andere Gebiete Liberias war bisher kaum möglich. Das soll sich nun jedoch ändern. Die liberianische Regierung schloss am Sonntag (17.8.2003) mit den zwei größten Rebellengruppen des Landes ein Abkommen über den freien und sicheren Zugang von Hilfsorganisationen. Wie ein AFP-Korrespondent aus der ghanaischen Hauptstadt Accra berichtete, sichern die Vertreter der Rebellenorganisationen LURD und MODEL darin den umgehenden Zugang zu humanitärer Hilfe in den von ihnen kontrollierten Gebieten zu.

Liberia steht zu vier Fünfteln unter der Kontrolle der beiden Gruppen, der liberianschen Armee bleibt nur ein kleiner Teil im Zentrum des westafrikanischen Landes. In dem Abkommen verpflichten sich die drei Vertragspartner zudem, die Sicherheit aller Mitglieder von Hilfsorganisationen zu gewährleisten, denen bislang nur die liberianische Hauptstadt Monrovia zugänglich ist.

Der UN-Beauftragte für Liberia, Jacques Klein, nannte das Abkommen einen "Test für die Ernsthaftigkeit" der Konfliktparteien. Nach Kleins Angaben soll das Abkommen am Dienstag um Mitternacht in Kraft treten. (mas)

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