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Wirtschaft

Wettkampf der Superreichen

Beim America's Cup in Neuseeland geht es - wie beim vorangegangenen Louis-Vuitton-Cup auch - nicht nur ums Sportliche. Die "Wasservariante" der Formel 1 ist vor allem eines: ein Tummelplatz für Multi-Millionäre.

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Volle (Finanz-)Kraft voraus durch den Hauraki-Golf

"Was sind schon 100 Millionen Dollar", fragte Larry Ellison in eine verdutzte Journalistenrunde beim Louis-Vuitton-Cup. Das ist die Summe, die der Software-Milliardär, Hobby-Segler und Geldgeber des Syndikats "Oracle BMW" in sein Team investiert hat. Trotz New Economy-Flop und Software-Krise gilt er noch immer als einer der reichsten Männer der Welt. Neben ihm sitzen unter anderem BMW und Hewlett-Packard als Sponsoren im Boot.

The America's Cup

Zwischen der "Oracle BMW" und der Schweizerischen "Alinghi" wurde das Finale des Louis-Vuitton-Cups und damit das Qualifikationsrennen für den America’s Cup entschieden: Die Schweizer gewannen souverän. Jetzt sind sie drauf und dran, als erstes Team die "Silberkanne" nach Europa zu holen. Doch zum Liebhaberpreis ist die im doppelten Wortsinn "bodenlose" Trophäe nicht zu gewinnen: Der durchschnittliche Finanzbedarf eines Teams mit Siegesambitionen wird auf eben jene 100 Millionen Dollar geschätzt, die Larry Ellison nonchalant in die Runde warf. Die Yacht kostet extra.

Wo Geld keine Rolle spielt

Sieg der Schweizer beim America's Cup

Ernesto Bertarelli (rechts) mit Russell Coutts

Das Team "Alinghi" wird von dem Schweizer Milliardär Ernesto Bertrarelli finanziert. Der 38-jährige Chef des Pharmakonzerns Serono – Typ "idealer Schwiegersohn" mit frechem Grinsen – investierte schätzungsweise 50 und 60 Millionen Dollar. Ganz genau wird er es wohl niemandem verraten. Den Rest haben Sponsoren übernommen, darunter die Schweizer Großbank UBS. Dort sitzt Bertarelli im Aufsichtsrat.

Ganz oben auf der Ausgabenliste stehen die Personalkosten. Das Team "Alinghi" gilt als eines der eingeschworensten des "Cups". Dabei ist das Binnenland Schweiz alles andere als eine Seefahrernation. Vielmehr hat die "Alinghi" vom Ausverkauf des neuseeländischen Erfolgsteams von 2000 profitiert: 16 Segler wechselten zu Multimillionärs-Syndikaten, sechs davon zu den Schweizern. Unter anderem wurden Skipper Russell Coutts und Taktiker Brad Butterworth abgeworben. Über die Ablösesumme ist nichts Definitives zu erfahren: Gerüchte von "15 Millionen Dollar für drei Jahre" für Coutts machen die Runde.

Wo Geld eine Rolle spielt

Team Neuseeland, America´s Cup

Gegen die Yachten der Superreichen nimmt sich Titelverteidiger "Team New Zealand" eher schwachbrüstig aus: Ihr Budget ist mit geschätzten 40 Millionen Dollar kleiner als das der meisten anderen Teams. Das Geld wurde im ganzen Land und bei vielen Sponsoren zusammengesammelt: Toyota, Telecom New Zealand und Lotto sind darunter. Dichtgedrängt stehen ihre Namen auf dem Großsegel und der Yacht. Seit Mai 2000 wird das "Team New Zealand" von Tom Schnackenberg geführt. Der ausgefuchste Segelexperte und studierte Nuklearphysiker ist seit 25 Jahren beim "Cup" dabei. Im Jahr 2000 holte er als Konstrukteur und Navigator die "Silberkanne" zum zweiten Mal in Folge nach Neuseeland.

Segeln für die Zielgruppe

Segel-Syndikate suchen Werbepartner, die nicht nur Geld, sondern auch Know-How beisteuern können. Der bayerische Automobilkonzern BMW investierte 25 Millionen Euro in das "Oracle"-Syndikat – mit Gewinn. "Wir haben in einer für BMW neuen Sportart wertvolle Erfahrungen gesammelt. Im technischen Bereich, aber auch, was Teamwork und Prozessmanagement angeht", erklärte BMW-Marketingchef Karl-Heinz Kalbfell nach Abschluss des Louis-Vuitton-Cups.

Alinghi holt America's Cup

Obendrein ist das Rennen eine perfekte Werbeplattform für Firmen, deren Marketingkonzept auf eine finanzkräftige Lifestyle-Klientel ausgerichtet ist. Das lockt neben BMW und Omega auch Software-Giganten wie Oracle und - in wesentlich bescheidenerem Rahmen - SAP an. SAP hat in "Team New Zealand" rund acht Millionen Euro investiert. Dafür prangt der Schriftzug der Firma aus dem baden-württembergischen Walldorf weithin sichtbar auf dem Gennaker der Yacht. Karl-Heinz Kalbfell von BMW spricht aus, was nicht nur für seine Firma gilt: "Nicht zuletzt haben wir Kommunikationsziele erreicht, wie die nationale und internationale Medienberichterstattung eindrucksvoll bewiesen hat. Die sehr positive Resonanz unserer BMW-Kunden spricht ebenfalls für sich."

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