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Wetterwissen

Übers Wetter spricht jeder – egal, ob übers Unwetter, Sauwetter, Hundewetter, Schlagwetter, Kaiserwetter oder Bombenwetter. Ein Donnerwetter verzieht sich wie ein Gewitter meist relativ schnell. Donnerwetter!

„Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Mit diesem Werbespruch wollte die Deutsche Bahn den Bundesbürgern vor vielen Jahren weismachen, das Wetter wäre kein Thema für sie. Das war einmal. Wer viel mit der Eisenbahn fährt, weiß, dass bei den ersten Schneeflocken zwar die Züge noch fahren, aber meistens unpünktlich. Bei hochsommerlicher Hitze fallen schon mal die Klimaanlagen aus. Und wenn gar der Blitz in die Oberleitung schlägt, bleiben auch die modernsten Züge stehen. Das Wetter hat uns alle im Griff, deshalb reden wir auch so viel davon – vor allem, wenn es schlecht ist.

Gewitter und Wetterleuchten

Wetterleuchten. In der Ferne sind Blitze am Himmel.

"Tanzende" Blitze beim Wetterleuchten in der Ferne

Aber bleiben wir zunächst mal bei der allgemeinen Bedeutung unseres Stichworts. Wetter, so heißt es im Lexikon, ist „ein Zustand der Atmosphäre. Er tritt unter anderem als Sonnenschein, Bewölkung, Regen, Wind, Hitze oder Kälte in Erscheinung.“ Diese Definition ist weit umfangreicher, als die ursprüngliche Bedeutung des Wortes vermuten lässt. Das althochdeutsche Wort wetar hieß so viel wie „Wind“, „wehen“.

Das Wetter kann sich manchmal sehr schnell ändern. Mancher Wetterwechsel kommt so plötzlich, dass man kaum Zeit hat, sich in Sicherheit zu bringen – bei einem Gewitter zum Beispiel. Dieses kündigt sich entweder durch Wetterleuchten an oder durch den Himmel durchzuckende Blitze und Donnergrollen. Interessanterweise gab es schon im Mittelhochdeutschen den Begriff des weterleichen für den Widerschein von Blitzen am Gewitterhimmel. Das Wetter „tanzte, hüpfte, spielte“ – so die Bedeutung des Verbs leichen. Und das Wort gewiter(e) wurde gleichgesetzt mit Unwetter.

Unwetter und Schlagwetter

Ein Schauspieler als Bergmann mit Helm und Grubenleuchte in einem engen abgeschlossenen Raum unter Tage. Er versucht mit seinen Händen rollende Steine aufzuhalten.

Ein Schlagwetter kommt plötzlich

Unwetter? Ein Wetter, das keines ist? Denn das Präfix „un“ bedeutet in der Regel ja eine Verneinung des Begriffs, mit dem es verbunden ist. Im Prinzip stimmt das. Ein Unwetter ist eine sehr schlimme Wettererscheinung: Wer bei einem Gewitter nicht gerne das Haus verlässt, sollte es bei einem Unwetter erst recht nicht. Unwetterzentralen in Deutschland warnen gar davor, da zum Beispiel Stürme, Hagel, Schneefall, Gewitter oder Eisregen lebensbedrohlich werden können. Fünf Farbstufen für Unwetterwarnungen gibt es. Violett ist die höchste.

Während Unwetter in der Regel vorhergesagt werden können, ist das bei einem Schlagwetter nicht der Fall. Unter Tage – in einem Bergwerk – sammelt sich Methangas an, das zusammen mit Luft ein hochexplosives Gemisch bildet. Ein Funken genügt, um dann ein Schlagwetter auszulösen. Der Begriff „Wetter“ ist hier in seiner ursprünglichen Bedeutung als „Wind“ zu verstehen.

Das Donnerwetter

Zwei Eselspinguine: Der linke steht mit gesenktem Kopf da, der rechte schimpft auf ihn ein

Hab’ ich dir nicht immer gesagt, dass du dich warm anziehen sollst, wenn du rauswatschelst!

Völlig wetterunabhängig ist das sprichwörtliche Donnerwetter. Da wettert, schimpft, jemand, was das Zeug hält. Wer so ein Donnerwetter über sich ergehen lassen muss, hat meist etwas angestellt. Manch einem kommt dann über die Lippen: „Donnerwetter! Hätte ich das bloß gewusst, hätte ich schon vorher versucht, gut Wetter zumachen und die Situation zu entspannen.“ Allerdings ist es so, dass sich nach einem Donnerwetter die Stimmung in der Regel wieder bessert. Wie sich ein Gewitter verzieht, löst sich auch der ursprüngliche Ärger in Luft auf.

Wenn nicht, macht der oder die Gescholtene ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Verärgert, traurig oder beleidigt läuft er oder sie manchmal tage- oder gar wochenlang durch die Gegend. Wetterwendische Menschen haben mit derartigen Emotionen wahrscheinlich weniger am Hut. Sie sind unbeständig, wechselhaft, unzuverlässig, launisch in ihrem Verhalten wie das Wetter.

Wetterfahnen und -hähne

Ein Wanderer steht auf einem Berg und blickt bei klarer Sicht und Sonne auf die umliegenden Berge

Was für ein „Kaiserwetter“!

Von Launen unabhängig sind die Windrichtungsgeber, umgangssprachlich Wetterfahnen genannt. Sie bewegen sich immer in die Richtung, in die der Wind weht. Meist finden sich Wetterfahnen oder Wetterhähne auf den Spitzen von Kirchtürmen. Beide sahen die Menschen früher als eine Form der Wetterprognose. So hieß es in einer alten Bauernregel: „Dreht sich zweimal der Hahn, so zeigt er Sturm und Regen an.“ In gewisser Weise ist ein Wetterhahn auch ein Wendehals, jemand der sprichwörtlich sein Fähnlein immer nach dem Wind dreht und sich anderen anpasst, so wie es ihm oder ihr gerade passt.

Übrigens wurden früher solche Zeitgenossen tatsächlich als Wetterhähne bezeichnet. Martin Luther schrieb schon 1539: „Ich fürchte aber, dass leider unter uns viel Wetterhahnen, falsche Brüder und dergleichen Unkraut sein werden.“

Was für ein …

Ein Luchs als Wetterfahne in Andalusien

Andere Länder, andere Wetterfahnen

Aber jetzt zurück zum richtigen Wetter. Wenn es so richtig grau und nasskalt ist, möchte man bei diesem Hundewetter keinen Hund vor die Tür schicken. Allerdings muss noch ein weiteres Tier zum Vergleich herhalten: die arme Sau. Das Sauwetter ist so ziemlich das Unangenehmste, was uns die Atmosphäre zu bieten hat. Ungerechterweise bringen wir das mit dem Schwein in Verbindung, nur weil dieses sich gern im Schlamm wälzt. In der Rangliste der Schimpfworte für schlechtes Wetter werden Hunde- und Sauwetter vielleicht nur noch überboten vom Scheißwetter.

Nun, in der Regel ist ja nicht immer schlechtes Wetter. Vor allem im Sommer gibt es auch lange Schönwetterperioden mit Tagen, an denen ein sogenanntes Kaiserwetter herrscht. Darunter versteht man heute noch: wolkenlosen, strahlend blauen Himmel und klare Sicht. Der Begriff geht wirklich auf die Kaiserzeit zurück. Der deutsche Kaiser Wilhelm der Zweite soll Veranstaltungen im Freien nur dann besucht haben, wenn die Sonne schien. Einen weniger schönen Hintergrund hat das umgangssprachliche Bombenwetter. Im Zweiten Weltkrieg flogen Piloten Bombenangriffe auf Städte in wolkenlosen Nächten, wenn sie gut sehen konnten. Noch im Krieg entstand dann die sarkastische Bemerkung: „Heute herrscht ja wieder Bombenwetter.“

Witterungsbedingte Einflüsse

Begonnen haben wir mit der Deutschen Bahn, wir wollen auch mit ihr schließen. Der Slogan von früher gilt schon lange nicht mehr. Inzwischen gibt das Unternehmen zu, dass – wie es in der Behördensprache heißt – bei bestimmten wetter- beziehungsweise witterungsbedingten Einflüssen keine Gewähr für eine ordnungsgemäße Beförderung übernommen werden kann. Manchmal wird sogar eine Entschädigung gezahlt. Donnerwetter! Wer hätte das gedacht?




Fragen zum Text

In einem Erzbergwerk hat …
1. sich ein Wetterleuchten ereignet.
2. es ein Schlagwetter gegeben.
3. sich jemand vor einem Hundewetter in Sicherheit gebracht.

Ist jemand überrascht, kann er/sie ausrufen: …
1. „Was für ein Sauwetter!“
2. „Donnerwetter noch mal!“
3. „Schau dir dieses Bombenwetter an!“

Versucht jemand eine andere Person aufzuheitern, kann er/sie sagen: …
1. „Dreh am besten deine Wetterfahne nach dem Wind.“
2. „Mach gut Wetter!“
3. „Zieh doch nicht ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter.“


Arbeitsauftrag
Das Wetter – egal, ob es regnet, stürmt, schneit oder die Sonne scheint – weckt bei jedem Menschen bestimmte Gefühle. Stell dir vor, dass du an einem Regentag zuhause sitzt, aus dem Fenster guckst und den Auftrag hast, eine Kurzgeschichte von eineinhalb DIN A4-Seiten über das Wetter zu schreiben. Verwende dabei möglichst viele Adjektive und beschreibende Verben. Ein Beispiel: „Die gläsernen Regentropfen klopften an meine schmutzige Fensterscheibe. In der Ferne sah ich ein helles Wetterleuchten. Die weißen Blitze tanzten am Himmel wie geschmeidige Balletttänzer. …“

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