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Wirtschaft

Wetterkatastrophen: Immer mehr, immer teurer

Erst kam die Dürre, nun der Tropensturm "Isaac": Es werden keine Ausnahmen sein, denn die USA müssen immer öfter mit solchen extremen Wetterlagen rechnen. Die Schadenssummen werden immer größer.

Der Tropensturm mit dem biblischen Namen "Isaac" hält derzeit die Menschen im Südosten der USA in Atem, nachdem er zuvor schon in der Karibik eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat. Aber "Isaac" ist nicht die einzige Sorge: Nicht nur für die Menschen, sondern auch für Versicherungen.

Denn die Naturgewalten machen es den USA derzeit nicht leicht. Von der extremen Dürre sind etwa 75 Prozent der Mais- und Sojaanbauregionen betroffen. Die endgültige Schadenshöhe wird sich erst bei der Ernte im Oktober zeigen. Trotzdem hat der weltgrößte Rückversicherer Munich Re etwa 160 Millionen Euro Reserven gebildet. Die Munich Re habe in der Landwirtschaft bisher noch nie so einen Schaden begleichen müssen, sagte der Vorstand Torsten Jeworrek. Und: Es wird nicht besser, so eine noch unveröffentlichte Studie des Versicherungsgiganten, die der DW in Auszügen vorliegt. Die Zahl der jährlichen Naturkatastrophen ist seit 1980 weltweit dramatisch angestiegen. Dieser Trend zeigt sich besonders in Nordamerika. "Nordamerika ist allen gefährlichen Wetterrisiken ausgesetzt, und sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität extremer Wetterphänomene werden weiter zunehmen", heißt es in der Studie. Darunter werden nicht nur die Bürger und Landwirte leiden. "Auf lange Sicht wird das auch zu wachsenden wirtschaftlichen und Versicherungsschäden führen."

DW-Grafik: Peter Steinmetz

Wetterkatastrophen in USA 1980 bis Juni 2012

Naturkatastrophen häufen sich

Im vergangenen Jahr hatten Serien von Unwettern mit zahlreichen Tornados in den USA einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von rund 46 Milliarden Dollar verursacht, davon waren rund 25 Milliarden Dollar versichert. Die versicherten Schäden lagen damit mehr als doppelt so hoch wie im bisherigen Rekordjahr 2010. Die Tendenz setzt sich fort. Allein im ersten Halbjahr 2012 haben Hurrikane und Gewitterstürme in den USA die Versicherer rund 8,8 Milliarden Dollar gekostet. Auch bei Munich Re wurden in dieser Zeit durch die Serien von Tornados und Buschfeuer in den USA knapp 85 Prozent der gesamten weltweit versicherten Schäden verursacht. Und der Strum "Isaac" könnte die Schadensbilanz weiter in die Höhe treiben.

Die Experten bei der Munich Re haben sich in ihrer Studie mit den Wetterrisiken in Nordarmerika seit 1980 befasst. Ihre Analyse zeigt: Es gab in den letzten Jahren deutlich mehr schwere Stürme. Waren es in den 80er Jahren noch etwa 50 Stürme pro Jahr, so traten in den letzten Jahren zwischen 100 und 150 Stürme auf. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gab es schon 61 schwere Stürme. Außerdem werden die Zeitspannen zwischen den auftretenden Dürren, Stürmen oder Überflutungen immer kürzer. So hat sich in den letzten 30 Jahren die Zahl solcher extremen Naturereignisse nahezu verfünffacht. "Es gibt keinen anderen Kontinent, auf dem das so stark nach oben geht", sagte Peter Höppe, Chef der globalen Risikoforschung der Munich Re gegenüber dem Handelsblatt.

Feuerwehrmann vor zerstörtem Haus in New Orleans (Foto: AP)

Vor sieben Jahren wütete Hurrikan "Katrina" in New Orleans. Er hinterließ 1800 Tote und Schäden in Milliradenhöhe.

Keine Entwarnung für die Zukunft

Damit trifft es also die USA als den zweitgrößten Verursacher von Treibhausgasen besonders hart. Nur China stößt noch mehr CO2 aus. 2012 ist das wärmste Jahr in den USA, seitdem Wetterdaten aufgezeichnet werden. Und auch das wird kein einmaliger Rekord werden. Vielmehr rechnet man bei Munich Re damit, dass es deutlich häufiger zu Hitzephasen und Dürren kommen werde. Während für die Vergangenheit galt, extreme Dürren treten in den USA etwa alle 50 Jahre auf, kann man in einigen Jahrzehnten damit rechen, das so etwas alle paar Jahre stattfindet, heißt es von der Munich Re.

Auch in anderen Teilen der Welt werden sich Naturereignisse häufen. "Wenn wir uns die Trends bei der Anzahl schadensrelevanter Ereignisse anschauen, sehen wir den stärksten Anstieg bei Überschwemmungen", meint Peter Höppe. Während es Anfang der 80er Jahre weltweit etwa 100 größere Überschwemmungen pro Jahr gab, liegt deren Zahl nun bei 350. Stürme haben um den Faktor 2,5 zugenommen. Die Zahl geophysikalischer Ereignisse wie Erdbeben, Tsunamis oder Vulkanausbrüche ist dagegen weitgehend stabil.

Auch die Deutschen müssen sich in den kommenden Jahrzehnten auf immer häufiger und heftiger auftretende Wetterextreme einstellen. Das ist das Ergebnis einer Klimastudie, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit führenden Klimaforschern erstellen ließ. "Die Folgen des weltweiten Klimawandels hinterlassen auch in Deutschland ihre Spuren", fasst GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen die Forschungsergebnisse zusammen. "Die gute Nachricht ist, dass der Klimawandel in Deutschland versicherbar bleibt." In anderen Regionen der Erde sieht das anders aus.

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