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Wirtschaft

Wetterfrösche wollen Geld verdienen

Mit dem Wetter lässt sich nicht nur Geld verdienen wenn man Eis und Ventilatoren oder je nach Bedarf warme Decken verkauft. Die Vorhersage bringt zunehmen Geld in die Kassen, denn über das Wetter redet jeder mit jedem.

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Ob Mistwetter oder Bullenhitze:
Das Wetter lässt die Kasse klingeln

Die Wetterdienste boomen, der ARD-Wetterfrosch Jörg Kachelmann hat es als Trendsetter vorgemacht. Nun zieht sich nach 10 Jahren Streit und zuletzt heftiger Kritik der offiziöse Deutsche Wetterdienst aus dem Endkundengeschäft zurück, das Geschäft mit dem Wetter wird weiter liberalisiert.

Beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach (DWD) werden Wetterdaten aus aller Welt zu Prognosen verarbeitet. Die immer bessere Versorgung mit Daten und deren Verarbeitung hat die Vorhersagen sehr exakt werden lassen. So trifft eine Vorhersage über zwei Tage heute zu 94 Prozent zu, vor dreißig Jahren lag die Trefferquote noch zwischen 60 und 70 Prozent. Auch die Verbreitungsräume sagen die Wetterauguren heute dank Computersimulation exakter voraus.

Behörde in der Kritik

Unwetter über Deutschland

Unwetter über Deutschland

Genauere Vorhersagen gibt es seit dem Jahr 2002 in Deutschland für gezielte Regionen. Auslöser waren seinerzeit die heftigen Stürme in Berlin und Brandenburg, die Menschen und Behörden unvorbereitet überraschten und ein Chaos hinterließen. Dieses Ereignis hat ebenfalls mit der Kritik am DWD und seinem Rückzug vom Monopol zu tun. Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt mussten sich die Offenbacher Wetterfrösche fragen lassen, warum sie als oberste Wetterwarner nicht früh genug handelten. Die dem Verkehrsministerium unterstellte Behörde nimmt mit ihren Diensten immerhin jährlich rund 72 Millionen Euro ein. Der größte Batzen allerdings wird mit den Wetterdaten für die Flugsicherung Eurocontrol verdient. Viel bekannter hingegen ist der DWD durch Funk, Fernsehen und Zeitungen, und genau das wurde ihm in der Sturmkrise zum Verhängnis.

Private Anbieter frohlocken

ARD Wetter-Moderator Jörg Kachelmann

ARD-Wettermann Jörg Kachelmann

Im Ersten Deutschen Fernsehen hat sich schon seit langem der Schweizer Wetterfrosch Jörg Kachelmann mit der locker-flockigen Wettervorhersage von den amtlichen Sonnen- und Regenverlautbarungen abgesetzt. Das Wetter wurde seit Kachelmann irgendwie lustig. Ihm und seiner Meteomedia war der DWD im Wettbewerb freilich immer ein Dorn im Auge, da hörte für Kachelmann der Spaß dann auf. Zu billig, so wetterte der geschäftstüchtige Wetterfrosch, seien die Daten des DWD. Freilich konnte der Wetterverkäufer den DWD nach der Sturmpleite 2002 um so besser angreifen: Zu unflexibel agiere die Behörde auf regionale Wetterphänomene. Wie so oft musste das Beispiel der USA herhalten. Dort gibt es seit langem die regionalisierte Prognose des staatlichen Dienstes, wenn sich Schlimmes andeutet. Andererseits gibt es eine große private Vorhersagebranche.

DWD tritt in den Hintergrund

Die private Wetterbranche könnte sich nun in Deutschland stärker entwickeln: Passenderweise schloss sich 2002 der Bundesrechnungshof dem Dumping-Vorwurf der privaten Wetterdienstleister an. Nach dem Imageverlust folgte die Konsequenz der Behörde: Bis Januar 2004 wird sich der DWD aus dem Endkundengeschäft zurückzuziehen – bestehen bleibt er freilich weiterhin. Übrigens beziehen auch die privaten Wetterdienstleister die Daten vom DWD, denn dessen Infrastruktur haben sie freilich nicht. Auch die Fernsehsender wie ZDF und ARD stricken weiterhin ihre Prognosen aus den DWD-Daten.

Ware Wetter

Flugs haben sich jetzt die Wetterdienste organisiert. Der Verband Deutscher Wetterdienstleister (VDW) hofft auf gute Geschäfte, auf 30 bis 35 Millionen Euro Umsatz wird das Marktvolumen geschätzt. Kachelmanns Meteomedia sicherte sich schon einen prominenten Teil des Kuchens mit seinen öffentlich-rechtlichen Auftritten in der Prime Time morgens und abends. Deutsche Zuschauer müssen allerdings nicht fürchten, dass die immer gutgelaunten Meteomedia-Vorhersager jetzt auf allen öffentlich-rechtlichen Kanälen herumturnen. Das seriös vorgetragene Wetter zum Ende der abendlichen Tagesschau etwa bleibt in Senderhand, in dem Fall des Hessischen Rundfunks. Und auch die private Konkurrenz Pro Sieben Sat.1 hat mit Wetter.com einen eigenen Hauslieferanten, an dem die Gruppe auch beteiligt ist. Nun wird sich zeigen, wie sich der Wettermarkt in Deutschland entwickelt.

Dem Wettbewerb könnte das gut tun. Laut VDW arbeiten bei den privaten Wetterdiensten 300 Menschen, in der Behörde DWD gut 2700. Letztlich geht es bei dem nun schon über zehn Jahre dauernden Streit ums Wetter nämlich um die Liberalisierung des Marktes. Dagegen hat sich die Behörde lange gesträubt und das eine oder andere Zugeständnis hinausgezögert – ein bekanntes Phänomen, von dem private Telekommunikationsfirmen ein Lied singen können.

Auf die Daten des DWD freilich werden sich alle Wetterinteressierten weiterhin verlassen können.

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