1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Wetten gegen Griechenland – wie Spekulanten vorgehen

Es gibt Anleger, die auf eine Verschärfung der griechischen Schuldenkrise spekulieren und hoffen, damit Geld zu verdienen. Wie aber gehen diese Spekulanten vor?

default

Die Einsätze gegen Griechenland werden höher

Anleger, die an der griechischen Krise verdienen wollen, haben eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Die einfachste wäre, auf einen Wertverlust des Euro zu setzen. Schließlich mindern die Probleme von Mitgliedern der Eurozone, allen voran Griechenland, aber auch Spanien, Portugal oder Italien, das Vertrauen in diese Währung. Anleger verkaufen also Euro und kaufen dafür andere Währungen, etwa US-Dollar. Mit jedem Cent, den der Euro zum Dollar verliert, verdienen sie.

Leerverkäufe

Größere Gewinne verspricht die Spekulation mit Aktien. Anleger überlegen, welche Unternehmen von den griechischen Problemen am stärksten betroffen sind. Die offensichtlichste Antwort: die Banken, die dem griechischen Staat Geld geliehen haben. Banken in Deutschland allein halten mehr als 30 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen, in Frankreich knapp 60 Milliarden. Besonders betroffen sind jedoch die Banken in Griechenland selbst.

Anleger, die auf eine Verschärfung der Krise setzen, würden nun Aktien dieser Banken verkaufen. Wer gar keine Bankaktien hat, kann trotzdem mitwetten. Er leiht sie sich – gegen eine Gebühr – und verspricht, sie zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzugeben. Dann verkauft er die geliehenen Aktien. Fällt deren Kurs, kann er sie kurz vor dem vereinbarten Termin günstig zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben. Bei diesen Leerverkäufen ist der Kursverlust sein Gewinn, abzüglich der Leihgebühr. Hätte der Spekulant jedoch falsch getippt und die Aktien steigen, ist sein Verlust entsprechend.

Credit Default Swaps

Eine weitere Spielart der Wette sind Credit Default Swaps, kurz CDS. Sie sind eigentlich eine Versicherung für den Fall, dass ein Schuldner zahlungsunfähig wird. Ein Beispiel: Petra leiht Klaus 100 Euro – und macht sich sorgen, dass Klaus ihr das Geld nicht zurückzahlen wird. Monika hat dagegen Vertrauen in Klaus. Also bietet sie Petra folgenden Deal an: Wenn Klaus seine Schulden nicht begleicht, übernimmt sie die Rückzahlung der 100 Euro. Dafür verlangt Monika allerdings eine kleine Gebühr von Petra, sagen wir einen Euro.

Credit Default Swaps funktionieren ganz ähnlich, und es gibt sie auch als Versicherung für den Fall, dass Griechenland seine Schulden nicht bezahlt. Allerdings mit zwei wichtigen Unterschieden: CDS sind frei handelbar. Und man braucht Klaus gar kein Geld geliehen zu haben, um sich gegen seine Zahlungsunfähigkeit versichern zu können. Es ist wie eine Wette auf die Zukunft von Klaus.

Schlechte Nachrichten sind profitabel

Wird Klaus krank, verliert er seinen Job? Jede schlechte Nachricht erhöht den Wert der Versicherung. Wenn sich Klaus nun weiteres Geld leihen will, setzt ein reger Handel mit CDS ein. Auch damit kann man viel Geld verdienen. Wer Ende letzten Jahres griechische Staatsanleihen im Wert von 10 Millionen Euro gegen Zahlungsausfall versichern wollte, musste dafür eine Prämie von 200.000 Euro bezahlen. Ende April kostet dieselbe Versicherung mehr als 900.000 Euro. Spekulanten, die sich also günstig versichert haben, ohne selbst Anleihen zu haben, können einen Gewinn von 700.000 Euro einstreichen, und das ohne besonderes Risiko.

Autor: Andreas Becker

Redaktion: Monika Lohmüller