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Politik

Wetten, dass?

Ein deutscher Kanzler hat meist vier Jahre Zeit, bevor ihm die Wähler sagen, was sie von ihm halten - indem er abgewählt oder bestätigt wird. US-Präsidenten bekommen schon nach zwei Jahren ein Zwischenzeugnis.

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George W. Bush hat in weniger als drei Wochen eine Wahl zu gewinnen, auch wenn es um seinen eigenen Job gar nicht geht. Nach dem amerikanischen Wahlrecht werden alle zwei Jahre (also auch mitten in der Amtszeit einer Regierung) alle Mitglieder des Abgeordnetenhauses in Washington und ein Drittel der Senatoren neu gewählt - und das Ergebnis kann durchaus als Zwischenzeugnis für den Mann im Weissen Haus angesehen werden. Passt den Wählern die präsidentiale Politik nicht, wählen sie ihm einfach eine Opposition, die in einer oder sogar beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit hat. Was das Regieren nicht wirklich erleichtert.

Allgemein wird Wahlkampf mit politischen Themen gemacht (jedenfalls sollte es so sein); in diesem Jahr ist es dagegen umgekehrt, und die Bushmänner haben es geschafft, mit der drohenden Wahl Politik zu machen. Die Demokraten, machen seit dem 11. September 2001 Oppositionspolitik nur noch in Ausnahmefällen - aus Angst, als unpatriotisches Pack dargestellt zu werden; schließlich stimmten sie sogar dem umstrittenen Gesetz, das Bush die Vollmacht für einen Krieg gegen Saddam Hussein gibt, eifrig und mit großer Mehrheit zu. Nur zaghaft kamen Anmerkungen, dass Bush mit der Patriotismuskeule jede wirkliche Diskussion totschlage.

Im Lande läuft inzwischen der Wahlkampf, wie er eigentlich immer läuft: Die Kandidaten bewerfen sich in teuren Fernsehwerbespots gegenseitig mit Dreck - selbstredend nur, weil der andere zuerst mit Dreck geworfen habe. Die Wahlkampfthemen, die Argumente und der geworfene Dreck bleiben lokal, beschäftigen sich also mit den Problemen, die den Menschen im Wahlkreis am nächsten liegen.

Aus all dem folgt für Bush ein ungewöhnliches Problem: Mit nur 49 Republikanern im 100köpfigen Senat und einer reichlich knappen Mehrheit im Repräsentantenhaus ist er darauf angewiesen, dass republikanische Kandidaten lokale Themen erfolgreich verkaufen, damit er ungehindert Weltpolitik machen kann.

Zuverlässige Voraussagen sind schwer zu machen: Bei Umfragen in den umkämpften Wahlbezirken ist die Fehlermarge zu groß. Deshalb wenden sich politische Beobachter jetzt einer anderen Kristallkugel zu: Online-Wetten. An der University of Iowa gibt es ein Projekt der dortigen Business School, das auch politische Wetten annimmt - gegen harte Dollars. In der Vergangenheit hatten sich Vorhersagen aufgrund dieser Wetten als erstaunlich genau erwiesen. Die Begründung des zuständigen Professors leuchtet ein: Wenn es um ihr Geld geht, denken Menschen wohl etwas genauer nach als bei einer Meinungsumfrage.

Nach den derzeitigen Daten aus Iowa kann der Präsident der Wahl beruhigt entgegensehen: Es soll sich nicht viel ändern an den Mehrheitsverhältnissen in Washington.