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Deutschland

Wetten auf den Wahlausgang

Drei Dinge interessieren die Briten am Bundestagswahlkampf: Das erste deutsche TV-Duell, die Debatte um einen Angriff auf den Irak und die Quoten bei den Buchmachern auf Schröder und Stoiber.

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Ob Premier League oder Bundestagswahl: die Briten wetten auf beides

England und Deutschland - eine schwierige Beziehung: Ich erinnere mich noch, wie meine Mitschüler in London es immer lustig fanden, mich (Tochter einer deutschen Mutter) zu fragen, "Na, kommt Deine Mutter Dich heute mit dem Panzer abholen?" Zugegeben, das liegt ein paar Jährchen zurück aber die alten Feindbilder und Vorurteile scheinen immer noch zu bestehen, zumindest in den Boulevard-Blättern, denen es offensichtlich ein Genuss ist, jeden Sommer den Krieg der Sonnenliegen neu zu eröffnen.

Aber wie denken die Briten wirklich über die Deutschen? Wie gut werden sie über die Politik in einem Land unterrichtet, das es geschafft hat, sich von den Ketten der Vergangenheit zu befreien und eine führende Rolle in einem zusammenwachsenden Europa zu spielen? Über das erste TV-Duell in der Geschichte der Bundesrepublik zwischen Kanzler und Kontrahent wurde viel geschrieben. Die meisten Kommentatoren waren sich einig, dass kein eindeutiger Sieger aus der ersten Runde hervorgegangen sei, was wiederum als Erfolg für Stoiber gewertet wurde. Hier und da wurde auch erläutert, warum ein Bayer es besonders schwer hat, ins Kanzleramt einzuziehen, sowie die Bedeutung der Flutkatastrophe für die Wahlchancen der SPD.

Ärger über deutsche Irak-Politik

Aber Thema Nummer eins für die britischen Medien ist zur Zeit zweifellos der Irak and die britische Haltung zu den amerikanischen Angriffsabsichten. Dass wahltaktische Überlegungen zur Zeit die Äußerungen von Gerhard Schröder bestimmen, ist dem britischen Premierminister Tony Blair und seinen Beratern wohl bekannt. Dennoch wird Blair sich darüber geärgert haben, dass Schröder wie Stoiber sich gegen einen Alleingang der USA gewandt haben - auch wenn er dies offiziell nicht groß kommentiert. Denn für die britische Regierung ist es derzeit wichtiger, die eigenen Gefolgsleute auf Kurs zu halten.

Es gibt auch Briten, die hoffen, dass die Bundestagswahl ihnen ein paar Pfund in ihre arg strapazierten Geldbeutel bringen wird: mit Wetten auf den Wahlausgang. In einem Interview des englischen Programms von DW-Radio sagte der Sprecher des Londoner Buchmachers Ladbrokes, dass die Zahl derer, die glauben, dass Schröder doch noch wiedergewählt wird, viel größer ist als vor zwei Monaten. Damals lag Stoiber deutlich vorne, das hat sich aber jetzt geändert, nicht zuletzt als Folge der Flutkatastrophe, die den Nebeneffekt hatte, wenigstens für ein paar Tage das Interesse der britischen Medien auf den deutschen Wahlkampf zu lenken.

Schröder bei Buchmachern vorn

Während Schröder in den Wettbüros die Führung übernommen hat, stehen die Wetten auf die SPD unverändert, was verdeutlicht, dass sich die meisten Briten bei ausländischen Wahlen eher für Personen als für Programme interessieren. Insgesamt spielt die Politik in den britischen Wettbüros aber nur eine Nebenrolle: Die Gesamtwetteinnahmen bei Ladbrokes für die deutsche Bundestagswahl entsprechen höchstens dem eines einzigen Bundesligaspiels.