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Klimaschutz

Wettbewerbsfähig mit Klimaschutz

Noch immer nicht hat sich die Bundesregierung auf einen Klimaschutzplan verständigt. Mit Rücksicht auf die Kohlelobby, heißt es. Viele Unternehmen dagegen beschäftigen sich längst mit CO2-Einsparungen und Nachhaltigkeit.

Klimahotel Luise in Erlangen (Creativhotel Erlangen/ Ben Förtsch)

Viel Grün und bequem - der etwas andere Hotelgarten in Erlangen

Der Klimaschutzplan 2050 lag vor - unterschriftsreif: "...die Bundesregierung wird ein zentrales Augenmerk auf den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft legen", heißt es in der Einleitung. Zuvor hatten die Ministerien für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Umwelt monatelang über CO2-Einsparziele und die entsprechenden Kriterien für Industrie und Landwirtschaft gerungen und haben letztlich doch noch keine Einigung erzielt. 

Unternehmen dagegen haben längst die Chancen erkannt, die mit der Notwendigkeit einhergehen, dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Dazu zählen Dax-Konzerne, aber auch kleine Familienunternehmen wie ein Berliner Eisfabrikant.

Eiszeit unterm Solardach

Was für Schweizer Möwenpick und für US-Amerikaner Häagen Dazs ist, ist für die Berliner Florida-Eis. Es ist teuer, weil von Hand gemacht und für Allergiker glutenfrei. Unternehmer Olaf Höhn will nicht nur mit den weltbesten seiner Zunft konkurrieren, er will auch das Klima retten und wurde dafür als Klimaschutz-Unternehmen von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ausgezeichnet.

Für den Neubau der Eismanufaktur hatte Höhn bestimmte Vorstellungen: Er wollte eine umweltverträgliche Technologie, die optimale Ausnutzung von Energie, zusätzliche Energiegewinnung durch Photovoltaik und Windkraft, die Umwelt im Straßenverkehr entlasten, eine geringe Lärmbelastung erzielen und moderne Arbeitsplätze bieten. Auf dem 4000-Quadratmeter-Dach seiner Manufaktur reihen sich Solarzellen aneinander. Die Lampen und Maschinen der Fabrik werden mit Ökostrom aus der firmeneigenen Windkraftanlage und der Pelletheizung angeheizt. Statt umweltschädlicher Kühlmittel sorgt Propangas in den Eistruhen für die nötige Kälte. Die Ware wird nicht im langen Prozess über Strom, sondern mit Stickstoff schockgefrostet. Der ist in der Luft enthalten, also ein natürliches Gas. Höhn will bis zu seinem 82.Lebensjahr arbeiten. Jetzt ist er 66 Jahre alt, hat also noch Zeit, viele nachhaltige Ideen umsetzen. 

Mit Solarenergie betriebene Ikea-Filiale in Rothenburg (BE Netz/CH-Ebikon)

Nur von oben sichtbar: Mit Solarenergie betriebene Ikea-Filiale im schweizerischen Rothenburg

Ikea wird grün

100 Millionen Besucher in Deutschlands Ikea-Filialen bringen 4,4 Milliarden Euro Umsatz zwischen Kiel und Ravensburg. Doch wie verträglich ist Massenproduktion zu Schleuderpreisen? Holz aus illegalen Beständen, Kinderarbeit, Niedriglöhne, Tierquälerei, weil die Daunen aus Ikea-Kissen von lebend gerupften Gänsen stammen sollten. Immer wieder machte Ikea-Negativschlagzeilen.

Mit Themen wie Umweltschutz wollen die Schweden nun verlorenen Image-Boden wettmachen. Das Umweltbewusstsein der Schweden verweist auf 224 Windkraftanlagen und 700.000 Solarmodule. Und bis 2020 will der Möbelgigant mehr erneuerbare Energie erzeugen als in den Warenhäusern verbraucht wird. Seit einem Jahr gibt es nur noch energiesparende LED-Lampen im Beleuchtungssortiment. "Nachhaltigkeit ist die treibende Kraft für Innovationen und fester Bestandteil unserer Geschäftsstrategie. Wir sehen es als große Möglichkeit an, unser Geschäft zu verbessern", sagt Peter Agnefjäll, Präsident und Ikea-Konzernchef zur "People & Planet Positive"-Strategie. Ikea solle weiter wachsen, aber dies solle gleichzeitig positive Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben. Die neue Filiale in Kaarst lässt sich Ikea 100 Millionen Euro kosten, ein Drittel mehr als sonst üblich. Gespart wird dagegen bei den Parkplätzen: Sie wurden von 1750 in der Planung auf 1240 reduziert, damit mehr Platz für Grünflächen bleibt. In Kooperation mit dem NABU (Naturschutzbund Deutschland) sollen eine Streuobstwiese, Wildblumenwiesen, Insektenhotels und Nistkästen angelegt werden.

IKEA Umwelt Vorzeigehauses in Kaarst (IKEA)

Das Ikea-Umwelt-Vorzeige-Möbelhaus in Kaarst

E-Autos und E-Bikes können an Ladestationen aufgeladen werden. Das Dach des Cafés wird begrünt, die Toiletten mit Regenwasser aus dem eigenen Sammelbecken gespült. Energie aus Photovoltaikanlage und dem Blockheizkraftwerk mit Wärmepumpe runden die neue grüne Ikea-Welt ab. Intern sind Mitarbeiter zum Energiesparen angehalten. Dafür vergibt das Unternehmen jährlich 500.000 Euro. Die Prämien für umweltbewusstes Arbeiten dürfen allerdings nicht privat verbraucht werden, sondern fließen in nachhaltige Projekte.

"Nachhaltigkeit als kreativer Prozess"

Grün ist die Farbe, die das Hotel Luise in Erlangen umgibt. Denn nicht nur Menschen, auch frei lebende Tiere wie Vögel, Igel und Insekten sollen dort Unterschlupf finden. Die vielen Pflanzen im, am und um das Gebäude herum verbessern die Luft. In den vergangenen 25 Jahren haben Klaus Förtsch und sein Sohn Ben immer mehr Maßnahmen zu Klimaschutz, Energieeffizienz und Naturschutz durchgeführt.

Klimahotel Luise in Erlangen (Creativhotel Luise/ Ben Förtsch)

Mit Fassaden- und Dachbegrünung zum "Klimahotel" avanciert: Hotel Luise in Erlangen

Heute funktioniert das Hotel komplett klimaneutral. Der Ökostrom wird aus Wasserkraft, Solarthermie und Fernwärme gewonnen. Die Toilettenspülung wird mit Regenwasser aus der eigenen Zisterne betrieben. "Zu sehen, was mit der Umwelt geschieht, trifft mich sehr", begründet Ben Förtsch seinen Einsatz. Erlebnisse in seiner Kindheit, eine starke Verbundenheit zur Natur, haben sein Bewusstsein für Nachhaltigkeit geschärft. "Schlimm finde ich es, dass wir die Möglichkeiten für den Wandel haben, aber diese nicht ausgiebig genug nutzen", bedauert der Hotel-Chef. Gerade durch diese Missstände fühlt er sich motiviert, die modernen Lösungen anderen zu zeigen und zu beweisen, wie großartig es sei, nachhaltig zu leben und zu wirtschaften. 

Der Energieverbrauch in seinem Betrieb liegt pro Übernachtung mit 10,31 Kilogramm CO2 um zwei Drittel niedriger als in durchschnittlichen Drei-Sterne-Hotels. Die anfallenden CO2-Emissionen wurden bisher durch die Pflanzung von 9500 Bäume bei Wiederaufforstungsprojekten in Panama kompensiert. "Es ist die Vielzahl an kleinen Dingen, die wir tagtäglich umsetzen, mithilfe unserer Mitarbeiter", würdigt Ben Förtsch deren Engagement. 

Ben Förtsch, Geschäftsführer Creativhotel Luise (privat)

Auszeichnung für klimafreundliches Handeln: Hotelier Ben Förtsch

Gäste, die mit der Bahn anreisen, können ein CarSharing-Auto nutzen oder ein Fahrrad ausleihen. Hotelier Förtsch ist täglich selbst mit seinem Solarmobil unterwegs. An der hoteleigenen Solartankstelle können Hotelgäste ihr Hybrid- oder Elektrofahrzeug aufladen - kostenlos. Die Gastgeber arbeiten mit regionalen und biologischen Erzeugern zusammen. "Wir orientieren uns an anderen, aber führen unsere Auffassung von Nachhaltigkeit weiter fort", so Ben Förtsch und verweist auf sein nächstes Projekt, das erste nachwachsende Hotelzimmer: Die Möbel dafür wurden aus heimischem Vollholz hergestellt, die Tapeten aus Recyclingpapier und mit Bienenwachs geglättet, alle Farben, Lacke und Kleber sind biologisch und lösungsmittelfrei. Und die Teppichfliesen bestehen aus recycelten Plastikflaschen. 

Ein Baumarkt für Bienen

Bienen sind die drittwichtigste Nutztierart in Deutschland. Und ihr Bestand ist gefährdet. Das erfährt nicht der Kunde eines Knauber-Baumarktes, aber der Leser des Nachhaltigkeitsberichts des Familienunternehmens. "Der jährliche Bericht richtet sich an unsere Geschäftskunden, circa 1000 Personen aus den Bereichen Energie und Finanzen", erklärt Knauber-Sprecher Philipp Lösche. Um die Artenvielfalt zu erhalten, unterstütze man eine Hobby-Imkerin und ihre drei Bienenvölker. Im Sommer veranstaltet die Knauber-Gruppe einen Bienentag in den Filialen. Dort können sich Kunden über die Insekten und die Arbeit der Imker informieren.

Zum Kerngeschäft gehören Energielieferungen aus fossilen Brennstoffen. "Damit sichern wir Arbeitsplätze in der Region", sagt Firmensprecher Lösche. Zum Ausgleich bietet Knauber ein Klima-Kompensationsprojekt an: Kunden, die Heizöl, Erd- und Flüssiggas kaufen, haben die Möglichkeit, durch einen Aufpreis dennoch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Mit der CO2-Kompensation fördert Knauber Initiativen zur erneuerbaren Energieerzeugung in Honduras, China, Indonesien und auf den Philippinen. 

Außerdem nimmt die Baumarkt-Kette am Projekt Ökoprofit teil, dass die Kommunen anbieten. Dabei erhalten die teilnehmenden Betriebe von einem unabhängigen Beratungsunternehmen Tipps zur Umweltentlastung und Kostensenkung. Knauber konnte dadurch größere Mengen Heizöl einsparen. Durch Wertstoffrecycling in den Märkten können rund zehn Tonnen an klimaschädlichen Treibhausgasen pro Jahr vermieden werden.

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