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Aktuell Afrika

Westsahara-Streit: UN-Team verlässt Marokko

Tausende empörte Marokkaner waren schon gegen UN-Generalsekretär Ban auf die Straße gezogen und hatten angebliche Ansprüche auf die Westsahara bekräftigt: Nun mussten dessen Mitarbeiter sogar das Land verlassen.

Beobachter sprechen von der schlimmsten Kontroverse zwischen dem Maghreb-Staat und den Vereinten Nationen seit dem Waffenstillstand für die Westsahara-Region vor einem Vierteljahrhundert: In dem Dauerkonflikt wurden jetzt die UN-Mitarbeiter der dortigen Friedensmission, MINURSO, quasi des Landes verwiesen.

Eine große Zahl der zivilen Mitarbeiter sei am Sonntag nach Spanien ausgeflogen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Marokkos MAP. Am Vortag hätten bereits UN-Arbeiter mit kommerziellen Flügen das Land verlassen.

Nach Angaben der UN hatte Marokko die Ausreise von 81 Angestellten der Vereinten Nationen und drei Beobachtern der Afrikanischen Union verlangt. Gleichzeitig drohte das Land mit dem Abzug aller seiner Blauhelme aus UN-Friedensmissionen.

Marrokaner brüskiert

Der Streit war ausgebrochen, nachdem UN-Chef Ban Ki Moon die Kontrolle Marokkos über die Westsahara als "Besatzung" kritisiert hatte. Die Regierung des Königreichs sprach von "völlig inakzeptablen" Bemerkungen des Generalsekretärs. Aus Protest waren unter anderem in der Hauptstadt Rabat Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Mehrere Minister schlossen sich den Demonstranten an.

Dies empfand Ban als Angriff auf sich persönlich und die Vereinten Nationen. Ein "beispielloser" Vorgang, kommentierte sein Sprecher Stephane Dujarric in New York.

Altlasten der Kolonialherrschaft

Parade der Polisario in Westsahara (Foto: dpa)

Kämpfer der Polisario bei einer Parade in den so genannten "befreiten Gebieten"

Der Konflikt um die Westsahara schwelt seit vier Jahrzehnten. Nachdem Spanien die ehemalige Kolonie im Nordwesten Afrikas nach dem Ende der Franco-Diktatur 1975 aufgegeben hatte, teilten Marokko und Mauretanien sie zunächst unter sich auf. Als Mauretanien seine Ansprüche 1979 aufgab, besetzte Marokko auch den übrigen Teil des rund 270.000 Quadratkilometer großen Gebietes.

Die von Algerien unterstützte Westsahara-Befreiungsbewegung Polisario rief 1976 die Demokratische Arabische Republik Sahara aus, strebt deren Unabhängigkeit an und will eine Volksabstimmung. Bis 1991 führte die Polisario einen Guerilla-Krieg gegen die marokkanischen Streitkräfte, seitdem überwachen die Vereinten Nationen die Einhaltung eines Waffenstillstandes. Die Suche nach einer dauerhaften Lösung blieb vergeblich.

SC/sti (APE, rtr, dpa)

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