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Kultur

Westfälische Skulptur-Kunst im Zehnjahres-Rhythmus

Münster gilt international nicht gerade als Kunst-Hochburg. Doch die Stadt hat es mit jahrzehntelanger Geduld geschafft, eine Skulptur-Schau zu entwickeln, deren Glanz weit über die Grenzen Westfalens strahlt.

Künstlerische, umzäunte Ausgrabunsstätte (Foto: Roman Mensing/sp07) Foto für Skulptur Projekte Münster 07, but bis Ende 2007 verwenden.

Das Kunst-Projekt "Archeological Site (Sorry-Installation)" des Künstlers Guillaume Bijl ist in Münster zu sehen

Alter Wohnwagen an Parksäule (Foto: Roman Mensing. Foto für Skulptur Projekte Münster 07, nur bis Ende 2007 verwenden.

"Caravan"-Kunstwerk von Michael Asher

Der Sommer 2007 steht ganz im Zeichen internationaler Kunst. Neben der documenta in Kassel, der Kunstbiennale in Venedig und der Art Basel finden im westfälischen Münster die "Skulptur projekte Münster 07" statt (Start 16.6.). Die Stadt bietet damit einen seltenen Kunstgenuss, denn die große Skulpturschau ist nur alle zehn Jahre zu sehen.

Seit 1977 setzten sich die jeweils teilnehmenden Künstler mit dem Verhältnis von Kunst und Öffentlickeit, mit Skulptur im öffentlichen Raum auseinander. Die vierte Ausgabe der Münsteraner Kunstschau zeigt Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt. Anders als bei der Kassler documenta gibt es kein übergeordnetes Motto. Entscheidend ist, dass die Künstler in ihren Arbeiten einen Bezug zu Münster darstellen oder entwickeln.

Westfälischer Frieden mit der Kunst

Wenn man sich in der Stadt umhört, stellt man schnell fest: Das Verhältnis der Münsteraner zur Kunst in ihren Straßen hat sich entspannt. Das war schon mal anders, wie sich Kulturamtsleiter Klaus Ehling erinnert. "Bei der ersten Ausstellung 1977 mussten die Künstler noch teilweise unter Polizeischutz arbeiten. So heftige Widerstände gab es damals." Im Zuge der Ausstellung 1987 hätten die Münsteraner die Werbewirksamkeit der Veranstaltung bemerkt. "Und so schlug das ein bisschen um in - ich will nicht sagen, Hassliebe. Aber die Stimmung wandelte sich doch sehr", meint Ehling.

MARK WALLINGER British Sculptor At the unveiling of his statue Ecce Homo. The statue of Christ is the first in a series of three contemporary sculptures to occupy the fourth plinth in Trafalgar Square, London which has remained empty since it was built in 1843. It depicts a life-size figure of Christ without hair or beard and crowned with barbed wire. Its proportions contrast starkly with the other sculptures in the Square. Universal Pictorial Press Photo UIW 016398/B-07 21.07.1999

Mark Wallinger

Im Planungsbüro der "Skulptur Projekte Münster 2007" laufen derzeit alle Fäden zusammen. Künstler, Kunstexperten, PR-Leute und Journalisten geben sich die Klinke in die Hand. 34 Projekte mit 46 Künstlern sind geplant. Einer von ihnen ist der Brite Mark Wallinger. Seine Idee: einen Kreis aus Angelschnur in gleich bleibender Höhe rund um das historische Stadt-Zentrum zu spannen. Um die Befestigungshaken an Häusern anzubringen, müssen die Eigentümer mitspielen. Einige steigen sogar selbst auf die Leiter. Bei anderen muss der Künstler mit der verwuselten Kraushaar-Frisur erst Überzeugungsarbeit leisten.

Kunst contra Werbung Grenzen und Grenzüberschreitung sind das Thema Wallingers. Skulptur-Kunst versteht er vor allem als zwischenmenschliche Angelegenheit. Damit traf er Geschmack und Absichten der drei Kuratoren der Münsteraner Kunst-Schau. Eine ist Brigitte Frantzen: "Der öffentliche Raum ist nach wie vor ein politischer Raum", sagt sie. "Und er funktioniert eigentlich auch nur in unserem demokratischen Sinne, wenn man ihn als einen politischen Raum versteht. Das heißt, ein Raum der Kontroversen, der Konflikte, die ausgetragen werden innerhalb einer offenen Gesellschaft und die sich eben auf unterschiedlichste Art und Weise zeigen." Künstler könnten helfen der Werbung in der Öffentlichkeit etwas entgegen zu setzen und damit von den Marketingstrategen einen Teil der Innenstädte zurück zu erobern.

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