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Westfälisch

Westfälisch: Das A und O

Die Westfalen sind dickköpfig. Wenn sie ein Fremder in westfälischem Dialekt anspricht, reagieren sie angeblich nicht. Vielleicht, weil es so viele westfälische Dialekte gibt und Westfälisch nicht gleich Westfälisch ist.

Das Bielefelder Stadttheater

Die Westfalen sind dickköpfig. Wenn sie ein Fremder in westfälischem Dialekt anspricht, reagieren sie angeblich nicht. Vielleicht liegt das daran, dass es so viele westfälische Dialekte gibt und Westfälisch nicht gleich Westfälisch ist.

Westfälisch – diesen Dialekt hört man relativ selten, am meisten noch im Münsterland. Je weiter man Richtung niederländische Staatsgrenze kommt, umso mehr wird dort nämlich Mundart gesprochen. Nur mit Fremden sprechen die Westfalen angeblich keinen Dialekt. Das Klischee hält sich hartnäckig: Die Westfalen seien dickköpfig und antworteten nicht, wenn sich die Fremden an ihre Mundart herantrauen und es auf Westfälisch probieren.

Sprachlose Vielfalt

Denn Westfälisch ist nicht gleich Westfälisch – darauf kommt es an. Man kann Westfalen in vier größere Dialekt-Gebiete unterteilen: das Münsterländische, das Westmünsterländische und dann das Ostwestfälische und das Südwestfälische. Innerhalb dieser Gebiete gibt es aber sehr viele kleinräumige Mundartgebiete. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Aussprache, des Formenschatzes und des Wortschatzes.

Jemand aus Greven würde sich also mit jemandem aus dem 80 Kilometer entfernten Löhne auf Hochdeutsch unterhalten, denn sonst könnten sich die beiden kaum verstehen. Das ist auch der Grund, warum in Westfalen nicht mehr so viel Platt gesprochen wird – vor allem von den jüngeren Generationen. Westfälisch ist eben kompliziert.

Nichts für schwache Zungen

Schon Norddeutsches Platt klingt für Nicht-Dialektsprecher kompliziert, aber Westfälisches Platt gilt als besonders tückisch: Die so genannten a- und o-Laute sind ein Beispiel dafür. Es gibt einen alten ā-Laut, der zu ao tendiert, und einen jüngeren á-Laut. Und diese beiden a-Laute werden im Westfälischen unterschieden.

Hier sagt man also: Schop (Schaf) und slopen (schlafen) aber Hase, klagen und Water (Wasser). Ganz im Gegensatz zum Norddeutschen Platt. Denn im Norden sind diese beiden Laute, das altlange ā und das tonlange á, zusammengefallen. Da sagt man Schaop und slaopen und auch Haose, klaogen und Waoter,..

Für Kenner und Könner

Das Westfälische setzt sich wiederum vom übrigen Plattdeutschen durch die so genannte Diphthongierung ab – das heißt das Ersetzen von Vokalen durch Doppelvokale. In Hamburg, Bremen und so weiter sagt man Läben (Leben). Das versteht jeder Hochdeutsche. In Westfalen heißt es Liäben. Die haben Regen und die Westfalen haben Riegen.

Ganz schön kompliziert. Aber das sind andere Dialekte im Grunde auch. Bairisch zum Beispiel – zumindest für Nicht-Bayern. Die Leute sprechen es aber immer noch. Doch in Westfalen gibt es immer weniger Leute, die ihre eigene Mundart sprechen. Und das hat etwas damit zu tun, dass Westfälisch ein niederdeutscher und kein hochdeutscher Dialekt ist.

Keine Kompromisse

Die niederdeutschen Mundarten unterscheiden sich nämlich so stark vom Hochdeutschen, dass viele Westfalen und andere Norddeutsche Hochdeutsch erst erlernen müssen – meistens nach dem Buch. Deshalb sagt man auf der einen Seite, hier sprächen sie ein besonders gutes Hochdeutsch. Auf der anderen Seite sind die beiden Sprachen so unterschiedlich, dass viele Menschen nicht dazwischen variieren können. Immer mehr Sprecher treffen daher eine folgenschwere Wahl: Sie sprechen entweder nur Dialekt oder nur Hochdeutsch.

Autorin: Nicole Scherschun

Redaktion: Raphaela Häuser

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