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Politik & Gesellschaft

Westerwelle wirbt für engere Zusammenarbeit

Die Wirtschaftsmission geht weiter: Nach dem Besuch in Kolumbien macht sich Außenminister Westerwelle in Mexiko für den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen stark. Mit Präsident Calderon stieg er in einen neuen VW Beetle.

Mexikos Präsident Calderon udn Außenminister Westerwelle beim Beetle-Startschuss (Foto: dapd)

Mexikos Präsident Calderon und Außenminister Westerwelle beim Beetle-Startschuss

"Enormes Potenzial" – das bescheinigt der deutsche Außenminister Guido Westerwelle den deutsch-mexikanischen Beziehungen. Bei einem Besuch in Mexiko-Stadt plädierte der Minister am Freitag (15.07.2011) zugleich für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Lateinamerika und Deutschland. Westerwelle ist derzeit mit einer hochrangigen deutschen Wirtschaftsdelegation in Lateinamerika unterwegs. Hauptziel: den Unternehmern die Tür für weitere Geschäfte öffnen. Mexiko ist derzeit das Land mit der zweitgrößten Wirtschaftsleistung Lateinamerikas. Mehr als 1000 deutsche Firmen sind in Mexiko ansässig.

Startschuss für neuen "Beetle"

Arbeiter posieren im VW-Werk in Puebla neben dem ersten dort produzierten New Beetle (Foto: dapd)

Arbeiter posieren im VW-Werk in Puebla neben dem ersten dort produzierten New Beetle

Mit Staatspräsident Felipe Calderón gab der deutsche Außenminister in Puebla den Startschuss für die Herstellung des neuen VW-"Beetle", der im dortigen Volkswagen-Werk hergestellt wird. Im nächsten Jahr sollen bereits 100.000 Fahrzeuge des zweiten Käfernachfolgers vom Band laufen. Calderón warb dabei um weitere deutsche Investitionen. Für den mexikanischen Präsidenten ist der Erfolg von Volkswagen in Mexiko ein Spiegel der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern.

Westerwelles Besuch bedeute eine weitere Stärkung der deutsch-mexikanischen Beziehungen, sagte Calderón. Der FDP-Politiker entgegnete: "Die Geschichte der deutsch-mexikanischen Wirtschaftsbeziehungen ist untrennbar mit dem VW-Käfer verbunden." Anschließend stiegen die beiden in das erste Fahrzeug des neuen Typs - der Präsident als Fahrer, Westerwelle als Beifahrer - und drehten eine Runde um den Platz.

Beispielhaft für die enge Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet ist die Produktion des VW-Beetle. Der Nachfolger des berühmten "Käfer" läuft seit 1997 exklusiv für den Weltmarkt in Puebla vom Band. Mehr als 1,3 Millionen Exemplare wurden seither verkauft. Auch das neue Modell wird in Puebla 120 Kilometer östlich von Mexiko-Stadt hergestellt.

Kampf den Rauschgiftbossen

Ein weiteres wichtiges Thema war der Kampf gegen die großen Drogenkartelle. "Wir wissen, dass Mexiko diesen Kampf mit rechtsstaatlichen Mitteln gewinnen will", sagte Westerwelle in Mexiko-Stadt. "Diese Haltung unterstützen wir." Deutschland hilft unter anderem bei der Ausbildung von mexikanischen Polizisten. In Mexiko tobt seit Jahren ein blutiger Kampf der Drogenkartelle, der täglich neue Todesopfer fordert und bei dem es um viele Milliarden Dollar geht.

Mexikanische Soldaten und Polizisten führen in Tijuana mutmaßliche Drogenhändler ab (Foto: AP)

Mexikanische Soldaten und Polizisten führen in Tijuana mutmaßliche Drogenhändler ab

Westerwelle räumte ein, dass deutsche Unternehmen Berichte über die Sicherheitslage mit Sorge verfolgten. "Anzeichen dafür, dass das Interesse der deutschen Wirtschaft gemindert würde", sah er allerdings nicht. Kurz vor der Ankunft des Ministers konnten die Mexikaner im Kampf gegen die Drogen einen Erfolg elden. Soldaten entdeckten an der Grenze zu den USA die bisher größte Marihuana-Plantage in der Geschichte des Landes.

Mexiko ist die zwölftgrößte Handelsnation der Welt. Wie Deutschland gehört es zur G20-Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Beide Länder sind wirtschaftlich eng miteinander verknüpft. In den Niederlassungen deutscher Firmen sind in Mexiko etwa 120 000 Menschen beschäftigt. Das Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr mehr als zehn Milliarden Euro.

Im Dialog mit jungen Journalisten

In Mexiko-Stadt betonte der Außenminister bei einem Treffen mit jungen Journalisten die Bedeutung der Zeitung als Informationsquelle. Zwar sei auch das Internet "ein hervorragend urdemokratisches Instrument", sagte er am Freitag bei dem von der Deutschen Welle organisierten Mediendialog "Voces Jovenes" (Junge Stimmen). "Doch ich brauche das sinnliche Erlebnis einer gedruckten Tageszeitung am Morgen", fügte er hinzu.

Westerwelle ermunterte die Jugend zu beständiger Kommunikation. Politische Kontakte könnten nie so viel erreichen wie die soziale Vernetzung von jungen Leuten, sagte er weiter. Ziele des Mediendialogs "Voces Jovenes", der vom 13. bis zum 15. Juli im "Club de Periodistas" in der historischen Altstadt der Hauptstadt stattfand, waren der Austausch von Ideen und die gegenseitige Wahrnehmung.

Ausflug nach Chiapas

Am Samstag besuchte Westerwelle den südmexikanischen Bundesstaat Chiapas. Chiapas ist der ärmste Bundesstaat Mexikos. Bekannt wurde die Region auch durch den zapatistischen Aufstand von Indigenen im Jahr 1994 und deren Sprecher, Subcomandante Marcos, um den sich viele Legenden ranken.

Westerwelle zu Besuch beim kolumbianischen Präsidenten Santos in Bogota (Foto: dpa)

Westerwelle zu Besuch bei Präsident Santos in Bogota

Am Donnerstag hatte Westerwelle Kolumbien besucht. Das südamerikanische Land gehöre zu den neuen Kraftzentren der Welt mit großem Potenzial, sagte der Minister in der Hauptstadt Bogotá. Deutschland wolle mit Kolumbien nicht nur gute politische Beziehungen unterhalten, sondern auch wirtschaftlich enger kooperieren. Westerwelle kam auf der zweiten Station seiner Amerika-Reise auch mit Präsident Juan Manuel Santos zusammen. Kolumbien gehört derzeit wie Deutschland als nicht-ständiges Mitglied dem UN-Sicherheitsrat an. Für das lateinamerikanische Land ist die Bundesrepublik der wichtigste Handelspartner in der Europäischen Union.

Letzte Reise-Station: Haiti

Letzte Station der einwöchigen Amerika-Reise Westerwelles ist am Sonntag Haiti. Dort informiert sich der deutsche Außenminister über den Stand des Wiederaufbau-Arbeiten nach der Erdbeben-Katastrophe. Unmittelbar vor der Landung in Port-au-Prince hatte Westerwelle bekräftigt, dass man "Haiti nicht vergessen" werde. Das Land müsse aber auch "selbst die Aufgaben erledigen, die es zu erledigen hat". Bei der Katastrophe im Januar 2010 waren mehr als 220.000 Menschen ums Leben gekommen.

Autor: Reinhard Kleber (dpa, dapd)
Redaktion: Ulrike Quast

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