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Asien

Westerwelle sichert Bangladesch Hilfe zu

Bundesaußenminister Westerwelle hat seinen ersten Besuch in Bangladesch abgeschlossen. Das südasiatische Land mit fast 150 Millionen Muslimen wird strategisch wichtiger für Deutschland.

Die Schüler in einem Slumgebiet der Hauptstadt Dhaka erwarten hohen Besuch. Gut angezogen warten sie auf den deutschen Außenministers Guido Westerwelle und seine Delegation. Einige stehen auf der engen Gasse mit Blumen für die Gäste. Die anderen sitzen brav in Klassenräumen. Gelernt wird heute nicht sehr viel. Die Spannung ist groß. Schweißgebadet kommen Delegationsmitglieder zu Fuß durch die engen Gassen des dicht besiedelten Slumviertels. Dem Minister soll aber dieser lange Marsch erspart bleiben. Stattdessen überquert er mit einigen Begleitern den verschmutzen Teich mit kleinen Holzbooten - auch ein risikoreiches Manöver.

Die deutsche Hilfsorganisation "Ärzte für die Dritte Welt“ betreibt im Slum des Stadtteils Korail eine Schule sowie eine Arztpraxis. Ärzte aus Deutschland verbringen ihren Urlaub damit, den armen Patienten in Slumvierteln in Dhaka, Kalkutta oder Manila im Rahmen ihres Einsatzes für die Organisation freiwillig und unentgeltlich zu helfen. Sogar die Hälfte der Flugkosten tragen sie selbst.

Kinder in einer Slum-Schule in Dhaka warten auf den deutschen Außenminister Guido Westerwelle (Foto: DW/ Sanjiv Burman)

In freudiger Erwartung: die Kinder in einer Slum-Schule in Dhaka

Die Kinder freuen sich über den Ministerbesuch und singen die Nationalhymne von Bangladesch. Sie bekommen auch Geschenke aus dem fernen Deutschland. Mit glänzenden Augen und strahlendem Gesicht sagen sie sogar zum Abschied ein Paar deutsche Sätze: "Auf Wiedersehen, kommt bitte wieder!"

Vom Slum ins Fünf-Sterne-Hotel

Diese strahlenden Gesichter beschäftigen Westerwelle auch am gleichen Abend, als er in Gulshan, einem Stadtviertel der Reichen, in einem Fünf-Sterne-Hotel seine Festrede hält. Der Kontrast zwischen Armut und Reichtum ist in Dhaka für jeden sichtbar.

Die Deutsch-Bangladeschische Handelskammer möchte endlich von der Außenhandelskammer (AHK) anerkannt werden. Der Minister nimmt diese Botschaft auf und weist auf die Herausforderungen für die beiden Länder hin. Deutschland habe keine Bodenschätze. Das Wissen und die Bildung seien der Schlüssel für den Erfolg. Auch die armen Kinder vom Slumgebiet in Korail könnten Bangladesch bereichern, wenn sie die Chance bekämen, durch Bildung und Ausbildung erfolgreich zu werden, meinte Westerwelle. Deutschland sei bereit, Bangladesch auch beim Ausbau im Bereich Bildung und Berufsbildung zu helfen.

Was könnten Deutschland, Europa sowie die Industrieländer denn noch mehr für Staaten wie Bangladesch tun? Bei der gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Gespräch mit Westerwelle wies die Außenministerin von Bangladesch, Dr.Dipu Moni, etwas verbittert auf die Tatsache hin, dass bei der Rettung der privaten Großbanken mehrere hundert Milliarden Euro kurzfristig zur Verfügung gestellt werden. Zur Beseitigung von globalen Problemen wie dem Klimawandel sei die Bereitschaft, ein paar Milliarden auszugeben, aber viel geringer.

Diplomatische Beziehungen feiern

Der deutsche Außenminister Westerwelle und seine Amtskollegin Moni (Foto: DW/ Sanjiv Burman)

Außenministerin Dipu Moni beklagte, dass die Industrieländer Milliarden ausgeben, um Banken zu retten

Deutschland und Bangladesch feiern derzeit 40 Jahre diplomatische Beziehungen. In jüngster Zeit sind mehrere bangladeschische Minister und Staatssekretäre nach Deutschland gereist. Premierministerin Sheikh Hasina hat im Herbst vergangenen Jahres Deutschland einen Besuch abgestattet. Auf der deutschen Seite sieht die Bilanz eher bescheiden aus. Abgesehen von den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Christian Wulff haben nur der frühere Außenminister Joschka Fischer und der jetzige Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel Bangladesch besucht.

Das Medieninteresse um den hochrangigen Besuch war ungewöhnlich groß. Der kleine Raum für die gemeinsame Pressekonferenz der beiden Außenminister war überfüllt. Allein die Anzahl der Fernsehkameras und Mikrofone konnten die mitgereisten deutschen Journalisten beeindrucken. Abends hatte man in den Fernsehnachrichten dem ‚Guïdo Oëster Oële‘ viel Zeit gewidmet.

Kritische Phase für Bangladesch

Bangladesch befindet sich zurzeit in einer kritischen Phase. Ob die nächsten Parlamentswahlen überhaupt unter normalen Bedingungen stattfinden, ist immer noch nicht klar. Der Hauptgrund der aktuellen Verstimmung zwischen den beiden großen Parteien liegt an einer seltsamen Regelung, die bisher dafür gesorgt hat, dass die gewählte Regierung kurz vor den Wahlen zurücktritt und die Macht an eine 'neutrale‘ Übergangsregierung weitergibt. Nur auf diese Weise sollten die Wahlen ohne politische Einflussnahme gewährleistet werden. Die jetzige Regierung hat diese Regelung abgeschafft, nachdem dieses Experiment das zuletzt richtig schiefgegangen ist. Die letzte 'neutrale‘ Übergangsregierung hat in zwei Auflagen - mit der Unterstützung der Armee - weit über ihre Frist hinaus regiert und sogar die beiden wichtigen Parteiführerinnen unter Hausarrest gestellt. Trotz dieser bitteren Erfahrung besteht das Oppositionsbündnis immer noch darauf, die Regel wieder einzuführen oder eine vergleichbare Lösung anzubieten.

Die internationale Gemeinschaft ist besorgt über eine weitere Eskalation in dem südasiatischen Land mit einer moslemischen Mehrheit, in dem islamistische Kräfte die säkulare Verfassung immer wieder zu gefährden versuchen. Ob Westerwelle beim politischen Gespräch diese Themen zur Sprache gebracht hat, ist nicht klar. Die 'stille Diplomatie' Deutschlands ist bekannt dafür, heikle Themen vertraulich und hinter verschlossener Tür zur Sprache zu bringen, statt sie öffentlichkeitswirksam zu machen. Es geht dabei nicht ums Trommeln, sondern nur um das Ergebnis.