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Aktuell Deutschland

Westerwelle: Ich dachte, ich muss sterben

Der ehemalige Außenminister Westerwelle spricht erstmals ausführlich über seine Leukämie-Erkrankung und seine Angst vor dem Tod. Die Suche nach einem passenden Spender wurde ein Wettlauf gegen die Zeit.

"Sie glauben gar nicht, was der Mensch alles aushält", sagt Guido Westerwelle jetzt in Köln bei einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Freimütig schildert er die zufällige Entdeckung seiner Krebserkrankung im Juni 2014, gerade ein halbes Jahr nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst im Auswärtigen Amt. Und ungeschminkt berichtet er von den Qualen der Chemotherapie, von den Hoffnungen auf einen Spender, von einer Serie von Enttäuschungen. "Schlimm war, als ich dachte, ich muss sterben", gesteht Westerwelle dem "Spiegel". Und: "Ich wollte und ich will unbedingt weiterleben".

"Völlig unvorbereitet, ohne die geringsten Symptome, gewissermaßen zufällig und aus heiterem Himmel", habe er von der verheerenden Diagnose erfahren, schreibt Westerwelle in einem Buch über seine Erfahrungen mit der Krankheit. Das 240-Seiten-Werk "Zwischen zwei Leben. Von Liebe, Tod und Zuversicht" soll in Kürze erscheinen. Schnell habe sich damals herausgestellt, dass eine Chemotherapie allein nicht reichen würde, um den Blutkrebs zu besiegen, berichtet er. Keine zwei Monate später sollte der frühere Bundesaußenminister deshalb am Uniklinikum Köln Knochenmarks-Stammzellen bekommen, was die Überlebenschancen deutlich erhöht. Kurz vor der geplanten Transplantation gab es jedoch zunächst neue Komplikationen: Ein Spender sprang plötzlich ab.

Das Buch ist seinem langjährigen Partner Michael Mronz gewidmet. Der Sportmanager hatte ihm auch über die schweren Monate hinweggeholfen.

Wieder häufiger in der Öffentlichkeit: Guido Westerwelle mit seinem Mann Michael Mronz, hier beim CHIO in Aachen (foto: dpa)

Wieder häufiger in der Öffentlichkeit: Guido Westerwelle mit seinem Mann Michael Mronz, hier beim CHIO in Aachen

Nach der Genesung verbrachte Westerwelle viel Zeit auf Mallorca, wo er zusammen mit Mronz ein Haus hat. Inzwischen geht es ihm deutlich besser. Der 53-Jährige nennt das sein "zweites Leben". Zwischenzeitlich musste er wegen einer Lungenentzündung zurück in die Klinik. Mittlerweile zeigte er sich aber auch wieder häufiger in der Öffentlichkeit.

An eine Rückkehr in die Politik will der ehemalige FDP-Vorsitzende derzeit keinen Gedanken verschwenden. "Ich habe wirklich anderes im Kopf als solche Überlegungen", so sein knapper Kommentar.

Vor ein paar Wochen sprach er in Berlin auch ein paar Worte auf einem Empfang der "Westerwelle Foundation", der Stiftung, die er nach dem Wahldebakel der FDP gegründet hatte. Nächster Termin ist am Sonntag, seine Buchpremiere im "Berliner Ensemble".

SC/cr (dpa, spiegel)