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Deutschland

"Westerwelle hat sich angreifbar gemacht"

Bei der deutschen Presse kommt die Lateinamerika-Reise von Außenminister Guido Westerwelle nicht gut an: Partner oder Familienmitglieder haben auf solchen Dienstreisen nichts verloren, kritisieren die Kommentatoren.

Titelseiten diverser Tageszeitungen Zeitungen im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, aufgenommen am 26.06.2005 (Foto: dpa)

Die Süddeutsche Zeitung schreibt:
"In der FDP sollte man sich an den Gedanken gewöhnen, dass viele Menschen zu respektieren gelernt haben, dass eine Frau Kanzlerin werden kann, ein Schwuler oder ein Rollstuhlfahrer Minister. Das heißt aber auch: Eine Frau, ein Schwuler, ein Behinderter muss sich der gleichen politischen Kritik stellen wie ein heterosexueller, nicht behinderter Mann."

In der Kölnische Rundschau heißt es:
"Die nicht abreißenden Vorwürfe gegen die Mitreise-Praxis zeigen, dass Westerwelle in der Sache zumindest wenig politischen Instinkt zeigte und sich inhaltlich angreifbar gemacht hat."

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung findet:
"Der Bundesaußenminister wird verdächtigt, zu tun, was ein Bundesaußenminister niemals tun darf. Er hat den Anschein erweckt, Privat und Staat nicht messerscharf getrennt zu haben. Das böse Wort dafür heißt Günstlingswirtschaft. (...) Und die wütenden Trotzreaktionen, mit denen Westerwelle es aus der Welt reden will, machen es nur noch schlimmer."

Die RheinZeitung vertritt diese Meinung:
"Westerwelle erweckt eher den Eindruck eines Klientel-Politikers als eines der Unabhängigkeit verpflichteten deutschen Außenministers. (…) Doch ohne den FDP-Chef wäre Schwarz-Gelb am Ende. Deswegen wird er bleiben. Ungeliebt, aber vorerst noch unverzichtbar."

Die Lausitzer Rundschau sagt:
"Ein privater Partner, ob verheiratet oder nicht, ob Männlein oder Weiblein, hat bei der Dienstreise eines Ministers nichts, aber auch gar nichts zu suchen. Das sind keine Familien-, schon gar keine Lustreisen, das ist Arbeit."

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung schreibt
"Die FDP sollte aufhören, Kritik am Außenminister als schwulenfeindlichen Reflex abzutun. Ein heterosexueller Minister, der im Ausland Geschäfte seines Bruders oder seiner Lebensgefährtin zu fördern scheint, hätte dasselbe Problem."

Die Südwest-Presse findet:
"Der 49-Jährige hat den Sprung vom Vorsitzenden einer kleinen Oppositionspartei auf eines der wichtigsten Regierungsämter bisher nicht geschafft. Nun bleibt keine Zeit mehr zum Üben. Und ganz nebenbei: Durch außenpolitische Beiträge hat der Minister Westerwelle bisher kaum von sich reden gemacht."

Beim Trierischer Volksfreund heißt es:
"Bisher gibt es keine schlüssige Antwort auf die einfache Frage, was Mronz da soll auf den roten Teppichen dieser Welt. Wenn Guido Westerwelle seinem Partner stolz sein neues Zuhause, den Regierungs-Airbus, zeigen möchte, dann soll er das tun, wenn die Maschine im Hangar steht."

Die Mittelbayerische Zeitung schreibt:
"Wer lebt hier eigentlich in spätrömischer Dekadenz, Herr Westerwelle? Im Vergleich dazu war die Affäre von Ulla Schmidt, die sich den Dienstwagen an ihren Urlaubsort chauffieren ließ, eine Lappalie. Wegen dieser Eskapade musste die frühere Gesundheitsministerin den Hut nehmen."

Zusammengestellt von Anika Bever
Redaktion: Dirk Eckert