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Musik

Westernhagen auf den Spuren des Blues

Das Album "Williamsburg" hat der 61-jährige Sänger mit renommierten US-Musikern im gleichnamigen Stadtteil in New York aufgenommen. Und es sind vor allem die amerikanischen Musiker, die den Reiz des Albums ausmachen.

Marius Müller-Westernhagen blickt freundlich lächelnd in die Kamera (Foto: dpa)

Einer der großen Stars

Als Marius Müller-Westernhagen seine Karriere Anfang der 70er Jahre begann, wollten zunächst nur sehr wenige Leute seine Songs hören. Erst nachdem er auch als Schauspieler mit dem Film "Theo gegen den Rest der Welt" in den Kinos einen Kassenschlager produzierte, liefen auch seine Alben besser. "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" gehört auch heute noch zu den Klassikern deutschsprachiger Rockmusik. Nach einem kurzen Tief Mitte der 80er Jahre kam der gebürtige Düsseldorfer Ende des Jahrzehnts fulminant zurück – und noch erfolgreicher als zuvor. "Freiheit", "Sexy", oder "Rosie" sind Hymnen, die heute auf keiner Ü-30-Party fehlen dürfen. Glücklich war Westernhagen dennoch nicht, denn der Rummel um seine Person wurde ihm einfach zu viel: "Das wurde mir unheimlich und das wollte ich einfach nicht mehr. Ich entfernte mich immer mehr von dem, was mir wichtig war: meine Songs und die Musikmacherei auf der Bühne", blickt der Wahl-Hamburger im Deutsche-Welle-Interview zurück.

Hochmut vor dem Fall

Westernhagen steht im Rampenlicht der Bühne mit Gitarre und singt (Foto: picture alliance/ Hendrik Schmidt)

2009 bei einer Benefizgala in Leipzig

Auch von den Fans entfernte sich Westernhagen immer mehr. Seine Auftritte waren eher heilige Messen als Konzerte und sein Erfolg stieg in ungeahnte Höhen. Er war der erste deutsche Musiker, der ganze Stadien füllte. Die Gefahr, abzuheben war damals groß: "Ich habe immer wieder betont, das Gefährliche an einer Karriere ist, wenn eine große Popularität einsetzt – dass du Projektion verwechselst mit der Realität. Das muss man genau wissen."

Der Abstieg

Marius Müller-Westernhagen umschließt mit seinen Händen ein Mikrofon (Foto: dpa/ Britta Pedersen)

Im Herbst 2010 tourt der 61-Jährige mit seinem neuen Album "Williamsburg" durch zehn deutsche Städte

Das ist Westernhagen auf dem Höhepunkt seiner Karriere nur bedingt gelungen. Nicht zu Unrecht bekam der gebürtige Düsseldorfer den Stempel: "Armani-Rocker" aufgedrückt. In den letzten zehn Jahren prügelten zuerst die Medien auf ihn ein, weil seine Musik und vor allem die Texte immer schlechter wurden und dann ließen auch die Fans ihn fallen. Umso erstaunlicher, dass er zu seinem 60. Geburtstag noch einmal die Massen mobilisieren konnte.

Nochmal aufgerappelt

Dem Druck, hohe Umsätze für seine große Plattenfirma zu machen, wollte sich Westernhagen jetzt allerdings nicht mehr aussetzen: "Wenn man unglücklich ist, dann kann das nur einer ändern, du selbst. Deshalb auch der Schritt dann, nicht weiter bei einer Major-Company zu bleiben", erklärt Westernhagen seine Entscheidung, nun eigene Wege zu gehen.

Vergabe der Quadriga 2009 im Auswärtigen Amt in Berlin. Preisträger: EU-Kommissionspräsident Barroso, Gorbatschow , Westernhagen, Vaclav Havel und die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley. foto Selma Filipovic

Preisverleihung "Quadriga 2009" in illuster Runde

Das Album "Williamsburg" erschien bei seinem Label "Kunstflug". Er wollte wieder alle Freiheiten haben - allerdings verbunden auch mit der Freiheit, die Aufnahmen selber vorfinanzieren zu müssen. Und das war nicht billig: Denn die Songs hat er in New York mit Bluesmusikern aufgenommen, die unter anderem schon für Bob Dylan gearbeitet haben. "Das war natürlich ein Traum", schwärmt der 61jährige Sänger. "Aber ich habe mich vorher auch nie getraut, diese Musiker anzusprechen, weil ich gedacht habe, das macht eh keinen Sinn." Trotz des langjährigen Erfolges in Deutschland - sein Selbstbewusstsein war nie stark ausgeprägt. "Vor ein paar Jahren hätte ich mir in die Hosen gemacht, mit solchen Leuten zusammen zu spielen."

Die amerikanischen Blueslegenden nahmen den deutschen Musiker aber herzlich auf und ließen sich von Westernhagens amerikanischer Frau die Texte auf Englisch übersetzen, um ein besseres Gespür für die Stücke zu bekommen. Nach Jahren kreativer Unzufriedenheit scheint Marius Müller-Westernhagen wieder Spaß an der Musik bekommen zu haben. "Und dann hatte ich die Jungs auf einmal im Studio. Das war sehr, sehr aufregend. Aber auch wahrscheinlich die schönsten zwei Wochen im Studio, die ich je in meiner Karriere erlebt habe."

Autor: Ralf Kennel

Redaktion: Matthias Klaus

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