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Fokus Osteuropa

Westbalkan: "Generation in der Isolation"?

"Die besten Geschichten aus der Visa-Schlange", ein Buchprojekt südosteuropäischer Autoren, wurde in Brüssel präsentiert. Daran schloss sich eine engagierte Diskussion über das EU-Visaregime an.

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EU-Visum Ziel vieler Jugendlicher

Die Europäische Union müsse die westbalkanischen Länder integrieren statt sie auszugrenzen, betonte EU-Parlamentarier Jelko Kacin in seiner Eröffnungsrede: "Es gibt Verständnis für die Bedürfnisse der westbalkanischen Länder, es gibt Solidarität und auch Bedarf für die Beschleunigung der Integration des Westbalkans in die EU. Ich denke, diese Geschichte hat zwei Gesichter. Wir müssen uns selbst nur kurz im Spiegel anschauen und ehrlich zugeben, ob die Lage unschön oder normal ist. Wenn die Lage immer noch unschön ist, müssen wir sie korrigieren", sagt der slowenische EU-Abgeordnete der Liberalen.

Erst Veränderungen, dann Forderungen

Die Jugend im Westbalkan sei heutzutage eine "Generation in der Isolation". Die jeweiligen Regierungen der betroffenen Länder in der Region sollten so schnell wie möglich anfangen, die EU-Kriterien zu erfüllen, so Äußerungen der Teilnehmer. Goran Svilanovic, ehemaliger Außenminister in der serbischen Regierung, leitet derzeit eine Arbeitsgruppe des EU-Stabilitätspaktes für Südosteuropa. Er findet, es gebe im Moment jede Menge Arbeit, die geleistet werden müsse: "Es geht um die so genannten technische Voraussetzungen. Dafür sind unsere Regierungen zuständig. Erst wenn sie diese technischen Voraussetzungen erfüllt haben, können sie eine andere Visa-Politik der EU verlangen", sagte Svilanovic in Brüssel.

"Eine Schande für die EU"

An der Diskussion im EU-Parlament nahm auch eine ganze Reihe von Nichtregierungsorganisationen teil. Darunter auch die holländische NVO IKV, die sich in Bosnien-Herzegowina seit Jahrzehnten in mehreren Projekten engagiert. Eine der wichtigsten ist die Kampagne für die Abschaffung der Visapflicht für die Bürger des Westbalkans, wie Dion van den Berg, IKV-Direktor erzählt: "Ich bin der Meinung, dass die ganzen Probleme der westbalkanischen Bürger mit der Visabeschaffung eine große Schande für die Europäische Union ist. Es ist ungerecht, wenn Menschen, die in die westlichen Länder verreisen wollen, deswegen Schwierigkeiten bekommen. Das ist eine Schande, aber auch ein Zeichen mangelnden politischen Willens, insbesondere eines Teils der EU."

"Politische" und "menschliche" Dimension

"Bürgerpakt für Südosteuropa" ist eine Initiative, die sich seit einigen Jahren in den Ländern des Westbalkans bemüht, die Visapflicht abzuschaffen. Hedvig Morvai-Horvath ist die Direktorin des "Bürgerpakts". Sie sagte in Brüssel: "Bisher haben wir uns meistens damit beschäftigt, das Bewusstsein in der Region für dieses Problem zu steigern. Wir müssen Europa erklären, dass wir unter der jetzigen Regelung leiden. Und sie müssen verstehen, dass diese ganze politische Geschichte auch eine menschliche Dimension hat."

"Irgendjemand muss sich beschweren"

Ausgerechnet diese Dimension hat der "Bürgerpakt für Südosteuropa" in dem Buch "Die besten Geschichten aus der Visa-Schlange" von Ivan Branisavljevic dargestellt. Er ist einer der vier Autoren, die von dem "Bürgerpakt" für ihre "Aufklärungs-Mission" ausgezeichnet wurden: "Es ist wahnsinnig wichtig, dass irgendjemand dieses Problem registriert. Es ist wahnsinnig wichtig, dass es Rückmeldungen gibt. Sie üben Druck auf uns aus, sie blockieren uns buchstäblich. Irgendjemand muss sich beschweren. Vielleicht bringt uns die Diskussion über die Visa-Probleme keine konkreten Ergebnisse, aber einige positive Fortschritte wird es schon geben", so Branisavljevic.

Beunruhigung über die Visapreise

Die europäische Öffentlichkeit, die von dem "Schengener Abkommen" betroffen ist, wurde vor kurzem beunruhigt durch die Information, die Kosten für ein "Schengen-Visum" sollen schon im nächsten Monat von den jetzigen 35 auf 60 Euro steigen - und zwar aufgrund der neuen Sicherheitsdetails, die eingeführt werden. Eine endgültige Entscheidung darüber, ob die westbalkanischen Länder auch davon betroffen werden, wird in den nächsten Tagen fallen.

Barbara Pavljasevic, Tuzla,
DW-RADIO/Bosnisch, 28.3.2006, Fokus Ost-Südost