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Afrika

Westafrikas Journalisten zwischen Panikmache und Aufklärung

Die örtlichen Medien spielen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung der Bevölkerung über Ebola. Darüber, wie sie diese ausfüllen sollen, gehen die Meinungen jedoch weit auseinander.

Die Nerven liegen blank bei vielen Verantwortlichen in den vom Ebola-Virus heimgesuchten Ländern Westafrikas. "Fünf Ebola-Fälle im Senegal", hatte die private senegalesische Tageszeitung "La Tribune" am Montag (11.08.2014) getitelt. Die senegalesischen Behörden dementierten die Meldung nicht nur umgehend, sie nahmen auch den Tribune-Herausgeber Félix Nzalé noch am selben Tag fest wegen Verbreitung einer Falschmeldung. Dabei hatte es auch nach offiziellen Angaben zumindest einen Verdachtsfall gegeben, der sich allerdings nicht bestätigen ließ.

Liberia Westafrika Mann ließt Zeitung über Ebola

Ebola ist täglich auf den Titelseiten - wie hier in Liberia

Journalisten in vielen westafrikanischen Ländern stehen bei der Ebola-Berichterstattung unter Druck von mehreren Seiten. Vor allem private Medien stehen in einem Wettbewerb um möglichst exklusive, aufsehenerregende Meldungen. "Wenn man so ein Thema hat, eine Epidemie dieses Ausmaßes, dann vergräbt man das nicht irgendwo auf den hinteren Zeitungsseiten", sagt der Manager der nigerianischen Zeitung "

Peoples Daily

", Ali Mohammad Ali."Man muss das als Top-Thema setzen."

Wachrütteln mit plastischen Details

Spannungen zwischen Behörden und Privatmedien seien vorprogrammiert, so Ali, denn die Regierungen hätten die Angewohnheit, "möglichst viel unter den Teppich zu kehren". Die Rolle der Medien sei es dagegen, aufzuklären und "die Menschen wachzurütteln", damit sie sich vor der Seuche schützten. Zu diesem "Wachrütteln" gehören laut Ali auch drastische Berichte: "Wenn wir Details zur Seuche haben, dann schildern wir die auch möglichst plastisch."

Infografik Ebola Westafrika 2014

Bestätigte Fälle von Ebola gibt es bisher in Guinea, Sierra Leone und Liberia

Journalisten, Regierungsvertreter, Hilfsorganisationen und Experten wie der Guineer Aliou Barry, der ein Netzwerk von Bürgerrechtsorganisationen in Westafrika leitet, betonen immer wieder, wie wichtig die Aufklärung über Ebola in den örtlichen Medien sei. "Es gibt bis heute Leute hier, die nicht daran glauben, dass wir es wirklich mit einer Virus-Epidemie zu tun haben", erzählt Barry der DW. Der Bedarf an Informationen sei also auch Monate nach dem Ausbruch der Epidemie immer noch riesig. Mit der Art und Weise, wie viele Journalisten diese Aufklärungsrolle wahrnehmen, ist er aber nicht zufrieden. Die Berichte betonten ständig die große Gefahr, enthielten aber zu wenig Informationen über die

Möglichkeiten, sich vor dem Virus zu schützen

.

Gerüchte überprüfen

Elijah Gegra ist der Direktor von Culture FM, einem Radiosender, der von Sierra Leones Hauptstadt Freetown aus sendet. Seit Monaten schon versuchen er und seine Journalisten jeden Tag aufs Neue, den großen und unterschiedlichen Erwartungen an ihre Ebola-Berichterstattung gerecht zu werden. "Es gibt natürlich noch andere Dinge, die passieren, aber wir konzentrieren uns auf Ebola", erzählt Gegra. Jeden Tag gebe es mehrere Berichte, meist einen Mix aus Neuigkeiten, politischen Berichten und praktischen Gesundheitsinformationen. Am Mittwoch (13.08.2014) gebe es etwa einen Bericht über die geringe Hilfsbereitschaft der internationalen Gemeinschaft. "In Anbetracht der Schwere dieser Epidemie würde man eigentlich Riesenspenden erwarten", so Gegra. "Wir fühlen uns im Stich gelassen." Daneben gehe es unter anderem um eine neue Internetseite, die ausführliche Informationen über Ebola und andere Viren und ihre Entstehung enthält. Und natürlich werde es auch wieder viele Tipps und Warnungen geben.

Elijah Gegra

Elijah Gegra will sich nicht an Panikmache beteiligen

Beim Wettlauf mancher Konkurrenten um die schlimmsten Horrormeldungen mache er allerdings nicht mit. "Die Bevölkerung ist doch schon in höchster Panik. Da müssen wir nichts mehr anheizen." Dennoch sei Ebola auch im Programm von Culture FM das wichtigste Thema. Doch auch wenn er und seine Kollegen sich nicht an der Panikmache und Verbreitung ungeprüfter Informationen beteiligen wollen, kann Gegra die vielen Mythen, die den Ebola-Virus in Sierra Leone umgeben, nicht ganz ignorieren. Es gebe zum Beispiel das Gerücht, dass der jetzige Ausbruch von einem amerikanischen Chemiewaffenlabor ausgegangen sei. "Es ist unsere Aufgabe, das zu überprüfen." Allerdings, betont Gegra, hätten seine Kollegen darauf hingewiesen, dass es noch nicht klar sei, ob es sich um eine wahre Geschichte handle.

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