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Filme

Werner Schroeter gestorben

Ende der 1970er Jahre wurde der Regisseur in einem Atemzug mit Fassbinder, Herzog und Wenders genannt. Neben der Arbeit hinter der Kamera war Werner Schroeter auch als Theater- und Opernregisseur bekannt.

Werner Schroeter mit Bär und der Schauspielerin Renate Krössner (Foro: Chris Hoffmann dpa)

Großer Erfolg: Goldener Berliner Bär für "Palermo oder Wolfsburg"

In den vergangenen Jahren schien Werner Schroeter wieder aus der Versenkung aufgetaucht zu sein. Filmfestivals verliehen ihm Preise, seine bekanntesten Arbeiten erschienen auf DVD, er trat bei Diskussionen über sein Werk auf, wie jüngst noch beim Filmfestival in Mannheim/ Heidelberg - damals schon schwer gezeichnet von seiner Krankheit. Und mit "Diese Nacht" hatte er 2008 auch noch einmal einen großen Spielfilm mit internationaler Besetzung realisieren können. In den Jahren zuvor war es ruhig geworden um Schroeter - zumindest in Deutschland.

Dabei war er nicht untätig gewesen, ihm ging es nur wie so manchem anderen aus der großen Riege des Neuen Deutschen Films, er wurde im Ausland mehr beachtet, geliebt und geschätzt als in der Heimat. Denn zu den großen Filmemachern Deutschlands zählte man Werner Schroeter zweifellos in den Jahren, als der Neue Deutsche Film Triumphe feierte auf Festivals, bei der Kritik und manchmal auch beim Publikum.

Experimentierfreudiger Regisseur

Sein Film "Eika Katappa" brachte ihm 1969 erstmals größere Aufmerksamkeit, obwohl er mit diesem experimentierfreudigen, verschlüsselten und sperrigen Werk alles andere als einen gängigen Publikumsfilm ablieferte. Doch Schroeter entpuppte sich mit seinen folgenden Arbeiten schnell als ein originärer Künstler, radikal in der Wahl der Formen, mutig in den Inhalten.

Werner Schroeter vor einem Teil des Buehnenbildes zur Schostakowitsch-Oper 'Lady Macbeth von Mzensk' (Foto: AP Photo/Bernd Kammerer)

Vor dem Bühnenbild der Schostakowitsch-Oper "Lady Macbeth von Mzensk"

Und ein Jahrzehnt später sollte dann auch ein breiteres Publikum folgen, "Neapolitanische Geschwister" (1978), "Palermo oder Wolfsburg" (1979/80) und "Tag der Idioten" (1981) fanden ihren Platz in den Kinos, Schroeter gehörte in diesen Jahren zu den wichtigsten Vertretern des Neuen Deutschen Films. Auch als Darsteller sah man ihn häufiger, bei Fassbinder in "Berlin Alexanderplatz" zum Beispiel.

Ausgezeichnet in Venedig

Später dann arbeitete Schroeter auch viel fürs Theater, fand aber vor allem auf den Opernbühnen ein zweites zu Hause. Er wurde zum europäischen Regisseur, inszenierte oft in Italien. Sein letzter großer Film "Diese Nacht" schien ein Kinocomeback anzudeuten, der Film wurde beim Festival in Venedig gezeigt und auch ausgezeichnet. Dabei war er nie weg gewesen, hatte immer wieder hinter den Kameras gestanden. Doch in Deutschland registrierte man die Arbeiten des Altmeisters kaum noch, im Ausland dagegen, in Frankreich, in Südeuropa, wurde er hochgeschätzt.

Dass Werner Schroeter nicht die Popularität eines Fassbinder oder Wenders erlangte, hängt aber auch mit seiner künstlerischen Radikalität zusammen. In einem Interview der Deutschen Presse Agentur, das Schroeter nur wenige Tage vor seinem Tod gab, wies er noch einmal auf seine Hauptmaximen beim Arbeiten hin: "Die Kunst umgibt immer ein Rätsel. Sie ist Anregung und im besten Sinne Provokation. Wenn ich arbeite, denke ich nicht daran, dass ich jemandem etwas erklären will. Das degradiert die Kunst zur Enzyklopädie. Das mag ich nicht."

Werner Schroeter hält in Berlin den Teddy Award für sein Lebenswerk in den Händen (Foto: Jens Kalaene dpa/lbn)

Preis bei der Berlinale 2010

Damit umschrieb Schroeter sein künstlerisches Werk sehr genau und treffend. Seine Filme waren oft verschlüsselt und auf den ersten Blick nicht leicht verständlich. Wer aber ein Auge dafür hatte und die Geduld, sich auf diese komplexen Kunstwerke einzulassen, der wurde häufig reich belohnt: Mit Reisen in unbekannte, oft bizarre künstlerische Welten. Jetzt ist Werner Schroeter kurz nach seinem 65. Geburtstag einer langjährigen Krebserkrankung erlegen.

Autor: Jochen Kürten

Redaktion: Conny Paul

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