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Wirtschaft

Werkzeugmaschinenbauer melden neue Rekorde

Wenn Industriekunden eine High-Tech-Werkzeugmaschine brauchen, schauen sie sich zuallererst bei deutschen Herstellern um. Das brachte der Branche 2011 einen Rekordzuwachs.

Die deutschen Werkzeugmaschinenbauer bezeichnen sich gerne als das Herz der Industrie. Denn sie konstruieren und liefern die Maschinen, die die übrige Industrie braucht, um ihre Produkte herzustellen - von der Automobilindustrie über den Flugzeugbau bis zur Medizintechnik. Die Branche hat sich nach der Krise kraftvoll zurückgemeldet und das vergangene Jahr mit Rekordwerten abgeschlossen.

2011 erwirtschaftete die Branche gut 13 Milliarden Euro - eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um satte 33 Prozent. "Das ist der höchste Zuwachs, der je erreicht wurde", sagte Martin Kapp, Vorsitzender des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken VDW, am Donnerstag (09.02.2012) in Frankfurt am Main. Auch die Exporte sind um ein Drittel gestiegen - auf gut acht Milliarden Euro.

Martin Kapp, Vorsitzender des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken VDW (Foto: VDW)

Meldet Rekordergebnisse: Martin Kapp

Der mit Abstand wichtigste Markt ist und bleibt China. Er ist mit über zwei Milliarden Euro und einem Zuwachs von fast 40 Prozent mehr als dreimal so groß wie die Nummer zwei, die USA. Überraschend jedoch: Nordamerika steigerte seine Einkäufe bei deutschen Werkzeugbauern im vergangenen Jahr um satte 71 Prozent. Darin spiegelten sich die gestiegenen Ausrüstungsinvestitionen der amerikanischen Industrie wider, sagte Kapp: "Vor allem die Automobilindustrie setzt auf Fertigungstechnik Made in Germany."

Gutes Auftragspolster

Mit knapp 94 Prozent waren die Kapazitäten 2011 voll ausgelastet. Der Auftragsbestand reicht mit zuletzt 9,5 Monaten im Oktober 2011 bis weit in das laufende Jahr hinein. Das Ergebnis gehöre zu den historischen Spitzenwerten, sagt Kapp. Trotz hoher Kapazitätsauslastung schmelze der Auftragsbestand kaum ab: "Ein gutes Polster für das laufende Jahr". Deshalb erwartet der VDW für 2012 für die deutsche Werkzeugmaschinenproduktion einen weiteren - wenn auch moderaten - Anstieg von fünf Prozent.

"Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie steht bei allen Kennzahlen auf hohem Niveau. Allein deshalb wird sich das Wachstum im laufenden Jahr beruhigen", so Kapp. Es gebe immer noch eine gewisse Verunsicherung durch gesamtwirtschaftliche Risiken wie Euroschuldenkrise oder Finanzmarktturbulenzen. Deshalb warteten insbesondere die mittelständischen Kunden ab, denn Ungewissheit sei Gift für jede Investitionsentscheidung.

Fachkräftemangel droht

Vorlesung für Betriebswirtschaftslehre an der TU Chemnitz (Foto: dpa)

Die Branche beklagt den Mangel an Nachwuchs in technischen Berufen

Fast 70 Prozent der deutschen Werkzeugmaschinen werden ins Ausland verkauft. Die wachstumsträchtigen Absatzmärkte verschieben sich immer mehr in Richtung Asien. Hat die Branche zehn Jahre zuvor 61 Prozent der Ausfuhren in Europa abgesetzt, ein Viertel in Amerika und nur elf Prozent in Asien, so haben sich die Verhältnisse heute komplett umgekehrt. 2011 gingen jeweils 42 Prozent nach Europa und Asien und nur noch 15 Prozent nach Amerika.

Sorgen bereitet der Branche zurzeit eigentlich nur der drohende Fachkräftemangel. "Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir nicht genug ausbilden", sagt Martin Kapp. Aber er registriert eine gewisse "Technikfeindlichkeit" an deutschen Schulen - und er weiß, dass die überwiegend mittelständischen Unternehmer seiner Branche nicht gerade in den deutschen Ballungsgebieten angesiedelt sind: "Es ist schwer, einen Ingenieur in die Provinz zu locken - auch wenn wir sehr gut zahlen."

Autor: Rolf Wenkel

Redaktion: Andreas Becker

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