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Werkzeug, Waffe, Wort

Man braucht es zum Schnitzen, zum Kochen und zum Töten: das Messer. Es ist eines der wichtigsten Werkzeuge des Menschen. Die Spur, die es hinterlässt, ist oft blutig – auch in der Sprache. Wetzen wir also das Messer ...

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Werkzeug, Waffe, Wort – die Folge als MP3

Es ist ein Schneidewerkzeug mit Klinge und Griff, eine kurze Stichwaffe mit Klinge und Griff und auch nur eine schneidende Klinge wie bei einem Rasenmäher oder Rasierapparat: das Messer. Im westgermanischen Wort „matiz sahsa“ steckt noch seine ursprüngliche Bedeutung: ein Speiseschneider. Denn „matiz“ steht für „Essen“, „sahsa“ für „schneiden“. Das deutsche Wort für „Messer“ mag seinen Ursprung vor ungefähr 2000 Jahren haben, Messer selbst gibt es schon seit zwei Millionen Jahren. Doch es war nicht nur die Kultur, die mit dem Messer ihren Anfang nahm. Auch Kampf und Krieg begannen mit der geschärften Klinge.

Worte scharf wie Klingen

Bei einer OP unter dem Auge sind Skalpell und Faden im Einsatz

Hier liegt jemand unter dem Messer – beziehungsweise dem Skalpell

Die deutsche Sprache weiß, wie gefährlich Messer sein können. Der Aufschneider ist da noch ein harmloser Gesell. Der hantiert im übertragenen Sinn mit großen Messern und schneidet sich zu große Stücke vom Braten ab. Er ist eben ein Angeber. Wenn einer vom Leder zieht, ist das schon gefährlicher. Gemeint war im späten Mittelalter, dass man ein Schwert aus der ledernen Scheide zog um anzugreifen. Wenn heute einer mächtig gegen jemanden vom Leder zieht, reichen dazu scharfe Worte.

Auch wer über die Klinge springen muss, verliert nicht gleich dabei den Kopf durch das Schwert – wie das im Mittelalter üblich war. Aber er wird wahlweise verraten, aus dem Weg geräumt oder zu Grunde gerichtet. Verraten wird auch der, der ans Messer geliefert wird. Sich unters Messer zu legen kann da schon besser sein, denn das Skalpell des Chirurgen, das hier am Werk ist, mag bei einer Operation durchaus Positives bewirken.

Magische Messer überall

Eine Hand hält ein Messer und schneidet ein Brot an

Dieses Messer zerschneidet nur Brot – und nicht die Freundschaft

Es kommt allerdings auch vor, dass der Ausgang einer Operation auf Messers Schneide steht. Und wenn sie dann misslungen ist, geht dem geschädigten Patienten vor Wut das Messer in der Tasche auf. Dann schließt er vielleicht messerscharf, dass er jetzt wohl das Messer wetzen müsse, um sich zu rächen oder gar zum Messerstecher zu werden.

Doch, wer will auf diese Art schon ins offene Messer laufen, durch unbedachtes Handeln ins Verderben rennen. Ratsam ist zudem, nie mit einer Messerspitze auf jemanden zu zeigen – und das nicht nur wegen der Verletzungsgefahr. Nein, es soll auch Unglück bringen! Zudem sollte man Messer auch nicht verschenken. Denn dann ist es bald aus mit der Freundschaft – diese Messer „zerschneiden“ nämlich die Freundschaft. Es sei denn, der so Beschenkte zahlt etwas als Gegenleistung. Eine Münze kann hier schon genügen. Die Firma Victorinox, weltberühmt für ihre Schweizer Taschenmesser, fügte deshalb früher jeder Messerverpackung einen Rappen bei.

Messer, Gabel, Schere, Licht …

Symbolbild: ein Junge greift nache einer Schere. Daneben liegen noch ein Messer und Streichhölzer.

Messer, Gabel, Schere, Licht ...

Das Messer als gefährlicher Gegenstand taucht auch in einem bekannten sogenannten „Zuchtreim“ aus dem 19. Jahrhundert auf, den viele Deutsche sofort vervollständigen können, wenn man die ersten Worte sagt: „Messer, Gabel, Schere, Licht … sind für kleine Kinder nicht“. Kinder sollten so vor dem Umgang mit gefährlichen Dingen gewarnt werden. Merkwürdig war das schon. Denn Messer und Gabel waren verboten, aber mit ihnen zu essen, war ein hohes Ziel.

Etwas, das übrigens in vielen Teilen der Welt undenkbar ist. In Europa gehört das Messer zusammen mit Gabel und Löffel seit dem 19. Jahrhundert zum Essbesteck. In vielen asiatischen Kulturen sind Messer aber nicht auf dem Tisch zu finden. In Thailand werden Messer als Waffen angesehen. Und die haben beim Essen nichts zu suchen. Auch deshalb besteht asiatisches Essen so gut wie nie aus Dingen, die man am Tisch noch schneiden muss.

Messer, Mythen und Märchen

Siegfried steht mit Schwert neben einem Drachen (Stich um 1870)

Sagenheld Siegfried ließ einen Drachen über die Klinge springen

Mit ihrer zwittrigen Natur aus Schaffen und Zerstören sind Klingen aller Art die ideale Vorlage für Mythen und Legenden. In Sagen gibt es verschiedenste Schwerter mit magischen Kräften, sei es nun das Schwert Siegfrieds, das jeden Feind bezwang oder die Klingen von Wieland dem Schmied, die so scharf waren, dass sie im Bach treibendes Gras zerschnitten, sobald sie es nur berührten.

In Märchen spielen Messer eine große Rolle. Doch in Deutschlands bekanntester Märchensammlung, den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, fiel das einzige Märchen mit einem Messer im Titel der Zensur zum Opfer: „Die Hand mit dem Messer“ erschien nur in der allerersten Ausgabe.

Zaubermesser und Verderben

Vielleicht mögen sich die Zensoren damals daran gestört haben, dass dieses Märchen kein Happy End hat, sondern eine der Charaktereigenschaften des Messers in den Vordergrund stellte …






Arbeitsauftrag
Das Märchen „Die Hand mit dem Messer“ der Brüder Grimm erzählt eine traurige Geschichte. Fasst den Text in eigenen Worten zusammen – auch wenn euch das Original etwas altertümlich erscheint – und beantwortet anschließend die Frage: Was ist die Moral der Geschichte?

Es war ein kleines Mädchen, das hatte drei Brüder, die galten bei der Mutter alles, und es wurde überall zurückgesetzt, hart angefahren und musste tagtäglich morgens früh ausgehen, Torf zu graben auf dürrem Heidegrund, den sie zum Kochen und Brennen brauchten. Noch dazu bekam es ein altes und stumpfes Gerät, womit es die saure Arbeit verrichten sollte.

Aber das kleine Mädchen hatte einen Liebhaber, der war ein Elfe und wohnte nahe an ihrer Mutter Haus in einem Hügel, und sooft es nun an dem Hügel vorbeikam, so streckte er seine Hand aus dem Fels und hielt darin ein sehr scharfes Messer, das von sonderlicher Kraft war und alles durchschnitt. Mit diesem Messer schnitt sie den Torf bald heraus, ging vergnügt mit der nötigen Ladung heim, und wenn sie am Felsen vorbeikam, klopfte sie zweimal dran, so reichte er die Hand heraus und nahm das Messer in Empfang.

Als aber die Mutter merkte, wie geschwind und leicht sie immer den Torf heimbrachte, erzählte sie den Brüdern, es müsste ihr gewiss jemand anders dabei helfen, sonst wäre es nicht möglich. Da schlichen ihr die Brüder nach und sahen, wie sie das Zaubermesser bekam, holten sie ein und rangen es ihr mit Gewalt ab.

Darauf kehrten sie zurück, schlugen an den Felsen, als sie gewohnt war zu tun, und wie der gute Elf die Hand herausstreckte, schnitten sie sie ihm ab mit seinem Selb eigenen Messer. Der blutende Arm zog sich zurück, und weil der Elf glaubte, seine Geliebte hätte es aus Verrat getan, so wurde er seitdem nimmermehr gesehen.

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