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Kultur

Werkschau der Baumeister

Dass die Deutschen gute Autos bauen, hat sich weltweit herumgesprochen. Um den Ruf der deutschen Baukunst ist es allerdings schlecht bestellt. Jetzt zeigen die Architekten im Berliner Martin-Gropius-Bau, was sie können.

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Neanderthal-Museum in Mettmann, Nordrhein-Westfalen

Die Leistungen der jungen Architektengeneration kennt im Inland wie im Ausland kaum jemand, mit der Folge, dass deutsche Architekten im Ausland selten Aufträge erhalten und im Inland die internationale Konkurrenz dominiert. "Wir erleben, dass ebenso gebildete wie ehrgeizige Stadtbauräte bei wichtigen Projekten auschließlich oder fast ausschließlich ausländische Kollegen an den Wettbewerbsverfahren beteiligen", beklagt Konstantin Kleffel, Präsident der Hamburger Architektenkammer.

Offensive der Einheimischen

Die Ausstellung "Neue Deutsche Architektur", die nach der ersten Station im Berliner Martin-Gropius-Bau gute fünf Jahre durch die Welt reisen wird, soll für deutsche Baukunst werben. Die Auswahl der Objekte ist keineswegs beliebig, sondern wurde in einem umfangreichen Bewerbungsverfahren getroffen: Eine internationale Jury hat in der Schlussrunde entschieden, welche der rund 800 zur Auswahl stehenden Bauten denn nun als 'typisch deutsch' vorgezeigt werden dürfen.

Wobei selbstverständlich hier ansässige internationale Baumeister wie etwa der Amerikaner Daniel Libeskind oder der Schweizer Max Dudler mit von der Partie sind, auch wenn die Jury nicht primär nach markanten Namen entschieden hat. "Wir haben nicht die schönsten Gebäude ausgewählt, sondern es sollen auch für Laien die Probleme der zeitgenössischen Architektur verständlich werden", begründet Jurymitglied Ernst Hubeli aus der Schweiz die Entscheidungen.

25 Bauwerke des täglichen Lebens

Präsentiert werden Einzelbauwerke, von der Neuen Synagoge in Dresden über eine Kindertagesstätte, Schulen, Museen und Bibliotheken bis hin zu Industriebauten sowie einer Seniorenwohnanlage und dem von Axel Schultes in Berlin-Baumschulenweg errichteten Krematorium. Öffentliche Bauten zumeist, die ihre Modernität klaren Formen und der Verwendung neuester Baumaterialien verdanken: Glas, Stahlbeton und Hightech auf der einen Seite sowie andererseits die Rückbesinnung auf das Einfache und Ökologische aus Holz und Stein. Deutschland, sagt der Architekt Leon Wohlhage, ist eben ein Land der Macher: "In Deutschland wird am meisten gebaut in ganz Europa. Das Pragmatische und Praktische zeichnet Deutschland aus."

Mehr Mut zur Sinnlichkeit!

Gebaut wird hierzulande mit großer Ernsthaftigkeit - was die Ausstellung mit allen Vor- und Nachteilen verdeutlicht. Am Beispiel einer Kindertagesstätte etwa, die in ihrer Schlichtheit und geschlossenen Bauweise überhaupt nichts Verspieltes oder Sinnliches hat und gut auch als Verwaltungsgebäude durchgehen könnte. Mit einem Stuttgarter Wohnhaus, mit viel Technik ausgestattet und ganz aus Glas errichtet, in dem Intimität ein Fremdwort sein muss, oder mit einer Berliner Schule, einem langgestreckten Gebäude gleich einer Stadtmauer, das schön aussieht, seinen Benutzern aber ungebührlich lange Wege zumutet.

Wie man sich überhaupt öfter nicht dem Eindruck verwehren kann, dass der Mensch als Nutzer und Bewohner eine eher untergeordnete Rolle spielt. Und dass gerade größere Gebäude mit ihren geschlossenen Fassaden einer unwirtlichen Umwelt trotzen und Phantasie und Leichtigkeit nur im Inneren Platz haben.

Eine kritische Bestandsaufnahme kann man die Schau im Berliner Martin-Gropius-Bau tatsächlich nennen. Ob sie sich in dieser Form und ohne ihre Vorzeigeprotagonisten wie Günther Behnisch oder Oswald Mathias Ungers allerdings als Marketinginstrument auf internationalen Märkten eignet, muss bezweifelt werden.