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Fußball

Werder Bremen hilft Fußballerinnen im Kosovo

Fußball-Bundesligist Werder Bremen hilft im Kosovo bei der Ausbildung von jungen Frauen zu Trainerinnen. Das Projekt soll den Fußballverband des kleinen Balkanstaates beim Aufbau von neuen Strukturen unterstützen.

Junge Fußballerinnen im Kosovo (Foto: DW)

Der Kurs für angehende Fußball-Trainerinnen in Pristina

"Pristina! Pristina!" Rund 30 Mädchen im Alter zwischen 10 und 16 schreien den Schlachtruf heraus. Sie sind die Hoffnung des kosovarischen Frauenfußballs. An diesem heißen Nachmittag trainieren sie auf einem Fußballplatz über den Hügeln der Hauptstadt Pristina. Angeleitet werden sie bei ihren Übungen von älteren Kosovarinnen ab 16 Jahren aufwärts. Sie wollen Trainerinnen werden.

Bei der Ausbildung hilft Birte Brüggemann, bei Werder Bremen ist sie Leiterin der Frauenfußball-Abteilung. Von ihren Schülerinnen hat sie einen guten Eindruck: "Die Mädchen sind sehr motiviert und teilweise auch sehr talentiert. Ähnlich wie in Deutschland ist es so, dass man ihnen einen Krümel hin wirft und sie das ganze Brot nehmen wollen."

Veraltete Trainingslehre

Die Bremerin Birte Brüggemann und die Kosovarin Arfedita Fazliu (Foto. DW)

Birte Brüggemann und Arfedita Fazliu

Es gibt aber auch nicht ganz so positive Eindrücke, zum Beispiel was die Trainingslehre angeht: "Wir haben hier ein Aufwärmtraining gesehen, das erinnerte ein bisschen an die letzten dreißig Jahre. Das war sehr veraltet. In solchen Bereichen müssen sie noch moderner werden", so Brüggemann. Mit ihrem Bremer Kollegen Björn Schierenbeck und zwei weiteren Trainern vom FC Basel steht sie auf dem Rasen und gibt den kosovarischen Nachwuchstrainerinnen Tipps: Wie können die Übungen im Kopfball, Passspiel, oder Torschuss verbessert werden.

Junge Kosovarinnen als Multiplikatoren

Hilfe zur Selbsthilfe ist die Devise bei dem rund zwei Jahre laufenden Projekt, das die Organisation SCORT aus Liechtenstein ins Leben gerufen hat. Die kosovarischen Trainerinnen sollen selbständig Übungsgruppen aufbauen und so die Arbeit des Projektes als Multiplikatoren fortsetzen. Die Werderaner überprüfen bei ihren Besuchen, die alle drei bis sechs Monate stattfinden, den Lernfortschritt. Kooperiert wird dabei mit den kosovarischen Verbänden.

Arfedita Fazliu aus dem Sportministerium freut sich über die Hilfe aus dem Ausland. Denn der Frauenfußball soll Stück für Stück aufgebaut werden: "Viele Mädchen interessieren sich hier für Frauenfußball. Es gibt allerdings auch viele, die nicht so talentiert sind. Deswegen werden wir parallel arbeiten. Zum einen zusammen mit professionellen Vereinen, wie dem FC Pristina. Auf der anderen Seite suchen wir nach Lösungen, damit alle Mädchen Fußball kennen lernen und spielen können. Das ist besser, als sie auf die Straße zu lassen."

Frauenfußball hat Tradition im Kosovo

Kursteilnehmerinnen beim Training (Foto: DW)

Kursteilnehmerinnen beim Training

Das Potenzial ist riesengroß, denn der Kosovo ist ein sehr junges Land. Rund die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt, Fußball bei ihnen beliebt. Gleichzeitig sind die Bedingungen sehr schlecht. Selbst der FC Pristina als größter Verein des Landes verfügt über keine Trainingsplätze, das Geld für nötige Investitionen ist nicht vorhanden. Probleme, die die Gründung einer Frauenliga und dem dazu gehörigen Unterbau mit Jugendteams bisher unmöglich machten. Doch im Herbst soll endlich eine Meisterschaftsrunde mit acht Frauenteams starten. Fazliu hofft auf einen Neuanfang: "Der Frauenfußball im Kosovo hat eine Tradition. In den 1980er Jahren habe ich bei unserem einzigen Erstligisten der jugoslawischen Frauenliga gespielt, dem FC Pristina. Jetzt hoffe ich auf eine gute Zukunft für unseren Sport."

Die politische Lage ist schwierig

Zehn Jahre nach dem Krieg wäre es ein weiterer Hoffnungsschimmer im Kosovo, einem Land mit zahlreichen Problemen. Neben Armut und hoher Arbeitslosigkeit unter den etwas über zwei Millionen Einwohnern des Landes ist auch die politische Lage schwierig: Im Februar 2008 hat sich der Kosovo für unabhängig erklärt. Doch nicht alle Länder erkennen das an. Allen voran Serbien, das auch nach dem Krieg mit der NATO den Landstrich für sich beansprucht. Noch immer befindet sich eine große Anzahl von internationalen KFOR-Soldaten im Land, um den Frieden zu überwachen. Internationale Organisationen, wie die Europäische Union, unterstützen das Land beim Aufbau und Verwaltung.

Autor: Felix Hoffmann

Redaktion: Wolfgang van Kann

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