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Aktuell Deutschland

"Werden Verständigung finden"

Der israelischen Oberrabbiner Metzger sieht gute Chancen, dass die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen in Deutschland möglich bleibt. In Detailfragen zeigte er sich kompromissbereit.

"Ich bin sicher, dass wir eine Verständigung finden werden", betonte Rabbi Yona Metzger nach seinen Gesprächen mit Regierungsvertretern in Berlin. Der 59-Jährige ist eines von zwei Oberhäuptern des jüdischen Glaubens in Israel und damit auch weltweit.

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Beschneidung ist Gebot

Das Kölner Landgericht hatte die Beschneidung eines Vierjährigen im Mai als "strafbare Körperverletzung" gewertet und damit international für Aufsehen und Kritik gesorgt. Nicht als Politiker oder Jurist sei er nach Berlin gekommen, sondern um die Position der jüdischen Religion darzulegen, sagte Metzger und zeigte sich in Detailfragen kompromissbereit.

Medizinische Fortbildung für den Mohel

Er könne sich vorstellen, dass ein jüdischer Beschneider, ein Mohel, in Deutschland erst dann seine Zulassung durch eine Rabbinerversammlung bekommt, wenn er eine medizinische Fortbildung bei einem Arzt erhalten hat. Zugleich lehnte Metzger aber Zugeständnisse bei der Narkose ab.

Anästhesie sei "vom Religionsgesetz her verboten". Im Übrigen sei für einen Säugling "der Schmerz einer Spritze viel größer als der Schmerz der Beschneidung". Dem Vorwurf der Körperverletzung trat er mit der Bemerkung entgegen: "Wir geben dem Säugling einen Tropfen süßen Weins, dann schläft er ein."

Das Kind spüre den Eingriff nicht, und in der Regel gebe es keine Komplikationen. Auch sprach er sich dagegen aus, die Aufgabe generell Ärzten zu geben: "Das ist nicht akzeptiert bei uns."

Versöhnliche Töne

In der allgemeinen Debatte hatte die Konferenz Europäischer Rabbiner die Forderungen nach einem Beschneidungsverbot als antisemitisch gebrandmarkt. Dagegen schlug Rabbi Metzger einen verbindlicheren Ton an. Er sehe bei den Gegnern der Beschneidung "keinen Antisemitismus".

Aus seiner Sicht geht es ihnen um eine "Ideologie der körperlichen Unversehrtheit", die mit der Religionsfreiheit abzuwägen sei. In diesem Punkt müsse man einen Kompromiss finden. "Schon 4000 Jahre wird die Beschneidung vorgenommen, 1800 Jahre auch in Deutschland", sagte Metzger.

Auswirkungen auf andere Länder Europas

Ihn sorgt vor allem, dass das Kölner Urteil nicht nur in Deutschland für die Rechtsprechung richtungsweisend werden könnte, sondern auch für andere europäische Länder wie die Schweiz, Österreich oder Dänemark.

Der Deutsche Bundestag hatte Mitte Juli mit großer Mehrheit eine Resolution zur Erlaubnis religiöser Beschneidungen verabschiedet. In dem Antrag wird die Bundesregierung aufgefordert, bis Herbst einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen. Man arbeite mit Hochdruck daran, hieß es dazu im Bundesjustizministerium.

uh/re (afp,dapd,dpa)

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