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Politik

Werbung für Bush III.

US-Präsident Bush hat seinen Bruder als möglichen Nachfolger ins Gespräch gebracht. Doch Jeb Bush, Gouverneur von Florida, ziert sich - vorerst zumindest.

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George, George W. und Jeb Bush (v. l.)

Jeb Bush Gouverneur von Florida

Jeb Bush

Nun ist er wieder einmal als potenzieller US-Präsident im Gespräch. "Ich denke, Jeb würde einen großartigen Präsidenten abgeben", sagte der gegenwärtige Amtsinhaber George W. Bush am Mittwoch (10.5. Ortszeit) in einem Interview. "Aber es hängt von Jeb ab, sich für eine Kandidatur zu entscheiden." Eigentlich hat das Jeb Bush, Gouverneur von Florida, längst getan: Nein, er werde 2008 nicht für das Präsidentenamt kandidieren, lautet seine Standardantwort auf die immer wieder gestellte Frage. Die meisten Zuhörer freilich glauben, nach dem 2008 ein "noch" zu vernehmen.

Eine Washingtoner Dynastie

Parlament in Washington

Das Capitol in Washington

Und es läge ja auch nahe. Seit sein Urgroßvater Samuel Prescott Bush im ersten Weltkrieg nach Washington ging, um für die Regierung die Produktion von Munition und Handwaffen zu organisieren, ist die Familie Bush in der amerikanischen Politik präsent. Sein Großvater Prescott Sheldon Bush wurde Anfang der fünfziger Jahre ein einflussreicher Senator und sein Vater George Herbert Walker Bush zog 1988 als erstes Familienmitglied in das Weiße Haus ein. Dass ausgerechnet George Walker, das Schwarze Schaf der Familie, es ihm zwölf Jahre später gleich tun würde, konnte der Vater bis zuletzt kaum glauben. Die große Hoffnung der Bushs war der sieben Jahre jüngere Jeb, der stets geglänzt hatte.

Sein Studium der Lateinamerikanistik an der Universität Texas in Austin brachte Jeb Bush in nur zweieinhalb Jahren zum Abschluss. Anfang der 1980er Jahre baute er die bedeutende Immobilienfirma Codina Group mit auf und wurde Millionär. Sein Engagement in der Republikanischen Partei Floridas wurde 1984 mit seiner Wahl zum Vorsitzenden belohnt, drei Jahre später wurde er Handelsminister des Bundesstaates. Sein Bruder George hatte da erst gerade dem Alkohol abgeschworen - und ansonsten trotz väterlicher Hilfe wenig erreicht. 1994 wurde Jeb jedoch überrundet: Während George zum texanischen Gouverneur gewählt wurde, verlor Jeb die Wahl in Florida.

Harte Sprüche

USA Flagge nach Hurrikan Ivan

Während der Hurrikane 2004 profilierte sich Jeb Bush als Krisenmanager

Als Gouverneurs-Kandidat hatte er mit harten Sprüchen auf sich aufmerksam gemacht. Er erklärte, Sozialhilfeempfängerinnen "sollten in der Lage sein, ihr Leben in Ordnung zu bringen und einen Mann zu finden" und antwortete auf die Frage, was er tun werde, um Afroamerikaner zu unterstützen: "Wahrscheinlich nichts." Vier Jahre später trug er jedoch den Sieg davon, 2002 wurde er wieder gewählt. Da er als Gouverneur - wie der amerikanische Präsident - kein drittes Mal kandidieren darf, wird er sich im Januar 2007 eine neue Aufgabe suchen müssen.

Doch die Spekulationen um eine mögliche Präsidentschafts-Kandidatur haben nicht nur mit Jeb Bushs Familie zu tun. "Was für ihn spricht, ist, dass die Liste der Alternativen bei den Republikanern begrenzt und wenig chancenreich ist", sagt Peter Filzmaier, Politologe an der österreichischen Donau-Universität Krems. "Es gibt keinen logischen Favoriten." Der Gedanke, dass mit Condoleezza Rice eine afroamerikanische Frau kandidieren könnte, habe zwar Charme, doch Chancen habe sie nicht. Jeb Bush komme aus einem der für die Republikaner wichtigen südlichen Bundesstaaten; Florida und Texas, die einen bedeutenden Anteil der Wahlmänner stellen, würde er mit Sicherheit gewinnen.

Herkunft als Hindernis

George Bush Hurrikan Katrina

Präsident Bush bei Überfliegen des Hurrikan-Gebietes nach "Katrina"

Zudem spreche Jeb Bush die hispanische Bevölkerung an, sagt Filzmeier, Autor zweier Bücher über den Wahlkampf in den USA. Die Hispanics seien immer mehr zu einer "Schlüsselwählergruppe" geworden, da sie für beide Parteien zu gewinnen sei. Jeb Bush spricht fließend Spanisch und ist mit der Mexikanerin Columba verheiratet, die er als Austauschstudent kennen gelernt hatte.

In dem Konflikt um die Komapatientin Terri Schiavo unterzeichnete Jeb Bush, der 1996 zum Katholizismus übergetreten war, 2004 ein Gesetz, das die von Schiavos Mann geforderte Sterbehilfe verhinderte. "Terri's Law" wurde später von Floridas oberstem Gericht als verfassungswidrig kassiert. Als Gouverneur profilierte sich Bush als Vertreter der Mittelschicht und erwarb sich 2004 durch seinen Einsatz nach vier schweren Hurrikans einen Ruf als effektiver Krisenmanager - anders als sein großer Bruder, der nach dem Hurrikan "Katrina" im vergangenen Jahr eine denkbar schlechte Figur machte.

Überhaupt ist Jeb Bushs Herkunft sein derzeit wahrscheinlich größtes Handicap. "Der Name Bush ist im Moment keine positive Marke", sagt Filzmaier. Präsident Bush, dessen Zustimmungsrate von 35 Prozent in den vergangenen Jahrzehnten nur von Nixon unterboten wurde, muss angesichts der Kongresswahlen im Herbst auch innerparteilich mit einer Absetzbewegung rechnen.

Tritt Jeb Bush nicht in zwei Jahren an, kommt als nächster Termin vermutlich erst 2016 infrage. Denn gewinnt ein Republikaner, wird dieser auch 2012 kandidieren; siegt ein Demokrat, müsste Bush das schwierige Rennen gegen einen Amtsinhaber antreten. Doch eine Kandidatur in zehn Jahren wäre keineswegs ausgeschlossen: Jeb Bush wäre dann 63 Jahre alt - zwei Jahre Jünger als sein Vater bei dessen Einzug ins Weiße Haus. (stu)

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