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Asien

Werbetour für "neue Seidenstraße"

Die "neue Seidenstraße“ soll Afghanistan und seine Nachbarländer zu einer regionalen Handelsdrehscheibe machen. Kritiker vermuten ein Manöver der USA, um vom Scheitern des Afghanistankriegs abzulenken.

Abenteuer, feine Stoffe und Gewürze, monatelange Reisen auf Kamelen und Handel mit fernen Kulturen. Die Seidenstraße weckt romantische Assoziationen. Sie war die bedeutendste Handelsroute zwischen Ostasien und dem Mittelmeer. An diesen öffentlich wirksamen Namen lehnt sich auch das neue Konzept der "21st Century Silk Road“ an, erklärt Ashraf Ghani Ahmadzai, ehemaliger Finanzminister Afghanistans auf einem Vortrag in Bonn. "Die Vergangenheit kann die Zukunft sein. Im 16. Jahrhundert war Afghanistan ein zentraler Knotenpunkt. Im 21. hoffen wir wieder einer zu werden. Herat war im 16. Jahrhundert größer als Florenz und Paris zusammen. In der Vision eines vereinigten Asiens könnte Afghanistan im 21. Jahrhundert das Zentrum sein."

Werbung mit Superlativen

Ashraf Ghani Ahmadzai war am 13.03.2012 im Haus der Geschichte in Bonn um das Projekt 21st Century Silk Road vorzustellen. (Foto: DW/ Reza Shirmohammadi)

Ashraf Ghani Ahmadzai macht Werbung für die neue Seidenstraße

Das Projekt wird maßgeblich von den USA gefördert und sucht noch Investoren. Ashraf Ghani ist überzeugt, dass das Projekt die wirtschaftliche Zukunft ganz Zentralasiens bestimmen werde. Hintergrund des Projekts ist eine Zusammenarbeit der zentralasiatischen Länder um den Abbau, den Export und die Verarbeitung von Bodenschätzen, die Landwirtschaft und das traditionelle Handwerk Afghanistans aufzubauen. Vor allem werde in den afghanischen Bergbau investiert, sagt Ashraf Ghani.

"Unser Reichtum an Bodenschätzen ist mindestens zwei, vielleicht sogar sieben bis acht Billionen Euro wert. Die Vermarktung der Rohstoffe ist ohne ein regionales Transportnetzwerk, regionale Regierungszusammenarbeit und regionale Abkommen nicht möglich."

Mit einem neuen Eisenbahnnetz soll eine Verbindung zwischen den zentralasiatischen Ländern geschaffen werden. Ähnlich wie in Europa im Zeitalter der Industrialisierung soll die afghanische Wirtschaft durch das “21st Century Silk Road“-Projekt einen Boom erfahren.

Seidenstraße als Ablenkungsmanöver

Es gibt aber auch kritische Stimmen, wie Jochen Hippler von der Universität Duisburg-Essen. Er blickt nicht so zuversichtlich auf die neue Seidenstraße. Er sagte der Deutschen Welle im Interview, dass das Projekt lediglich eine Ablenkung für den gescheiterten Afghanistankrieg sei.

"Bezogen auf die Kriegsziele geht es nicht vorwärts sondern zurück. Sowohl die sicherheitspolitische Stabilisierung als auch das alte Ziel der Demokratisierung sind gescheitert. Und da sind solche großen Worte wie die neue Seidenstraße letztlich dazu da, sich für einen Abzug so aufzustellen, dass man nicht als gescheitert dasteht."

Dass nun auch die Nachbarn mit in das Projekt Seidenstraße einbezogen werden, hält Hippler für ein weiteres Indiz dafür, dass die Verantwortung auf andere abgewälzt werden solle. Die USA machen einen Kurswechsel, sagt auch Parag Khanna von der New America Foundation, einem unabhängigen Ideenschmiede aus Washington D.C. In seinem Artikel "Vom Krieg gegen den Terror zur neuen Seidenstraße“ beschreibt er eine veränderte Herangehensweise mit Blick auf den Afghanistankonflikt.

"Die neue Seidenstraße ist mehr als eine Ankündigung, um Amerikas Rückzug aus Afghanistan zu bemänteln. Es ist nicht weniger als eine neue Strategie für die USA, Südzentralasien und darüber hinaus. Die US-Politik setzt jetzt auf geteilte Verantwortung und beiderseitigen Gewinn."

Ashraf Ghani, die afghanische Regierung und die USA wollen bei internationalen Institutionen und Investoren für „21st Century Silk Road“ weltweit werben. Dafür ziehen sie wie eine Karawane von Land zu Land. Das hat etwas von der alten Seidenstraße – nur die Romantik fehlt.

Autorin: Waslat Hasrat-Nazimi
Redaktion: Rodion Ebbighausen