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Deutschland

Werben für den deutschen Pass

In Deutschland wollen immer weniger Ausländer Deutsche werden. Die Stadt Hamburg setzt deshalb jetzt sogenannte Einbürgerungslotsen ein. Sie sollen für den deutschen Pass werben.

Jardena Kifle (Foto: Kathrin Erdmann)

Die Einbürgerungslotsin Jardena Kifle

Ein schlichtes Haus in Hamburg-Altona. Hier hat die Türkische Gemeinde ihren Sitz. Seit kurzem haben dort auch die Einbürgerungslotsen ihr Büro. Gerade sortiert Jardena Kifle ihre zahlreichen Papiere. Die zierliche Frau aus Eritrea mit dem offenen, freundlichen Lächeln ist eigentlich Kulturmanagerin. Vermitteln gehört zu ihrem Job und genau das versucht sie hier auch. Die 32-Jährige ist eine von rund 30 ehrenamtlichen Einbürgerungslotsen.

Typische Probleme von Ausländern

Neben ihr sitzt Joel Atakora aus Togo. Der 35-Jährige ist Dolmetscher. Er lebt seit zehn Jahren in Deutschland und hat vor einem Jahr einen Antrag auf Einbürgerung gestellt: "Bisher habe ich nicht eine Rückmeldung von der Behörde bekommen, ich verstehe das gar nicht", klagt er. Weil Joel Atakora gut Deutsch spricht, hat er mehrfach selbst bei der Behörde angerufen, doch entweder hat er dort niemanden erreicht oder er wurde vertröstet.

Formulare pflastern den Weg zur Einbürgerung (Foto: Kathrin Erdmann)

Formulare pflastern den Weg zur Einbürgerung

Probleme, von denen die Einbürgerungslotsin Jardena Kifle immer wieder hört. Manchmal greift sie dann selbst zum Hörer und versucht das Anliegen mit den Behördenmitarbeitern zu klären. Gleichzeitig merkt sie aber auch, wie wenig Zuwanderer oft über die Voraussetzungen zur Einbürgerung wissen. Dann zieht sie einen Zettel aus ihrem Papierstapel und erklärt Dinge, wie: "Für den deutschen Pass müssen Sie mindestens acht Jahre in Deutschland leben, ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht haben und gut Deutsch sprechen."

Mangelndes Vertrauen in deutsche Behörden

Fehlt dem Antragsteller zum Beispiel der Integrationskurs, kann Kifle mit einer entsprechenden Adressliste weiterhelfen oder auch mal mit zu einer Behörde gehen. Sie selbst hat sich bereits vor zwölf Jahren einbürgern lassen. Doch selbst mit deutschem Pass kann sie das Misstrauen vieler Zuwanderer gegenüber den Behörden nachempfinden: "Es ist einfach dieser schroffe Ton bei den Behörden, die Sorge, dass man die Formulare richtig ausgefüllt hat und auch die richtigen Papiere dabei hat. Und dazu kommt noch, dass in manchen Herkunftsländern die Behörden einfach sehr viel Macht hatten." Viele Ausländer fürchteten deshalb Repressionen, wenn sie auf das Verhalten deutscher Beamter unfreundlich reagieren.

Einbürgerungskampagne soll Zahlen steigen lassen

Zwischen 2000 und 2007 haben sich deutschlandweit jedes Jahr im Durchschnitt rund 140.000 Menschen einbürgern lassen. 2009 waren es nur noch 96.0000 Zuwanderer, darunter mit Abstand die meisten Türken, gefolgt von Kosovaren, Serben und Montenegrinern. Insgesamt aber scheint das Interesse der Migranten an einem deutschen Pass gesunken.

Jardena Kifle berät einen Kunden (Foto: Kathrin Erdmann)

Jardena Kifle berät einen Kunden

Die Stadt Hamburg will aber die Identifikation der Menschen mit ihrer Stadt steigern und sie langfristig an sich binden. Sie hat deshalb eine groß angelegte Einbürgerungskampagne mit prominenten Zuwanderern gestartet. Die Einbürgerungslotsen, die bei der Türkischen Gemeinde Hamburg angesiedelt sind, gehören zu dieser Kampagne.

Der Vorteil, Deutscher zu sein

Die Lotsen beraten nicht nur, sondern sie werben auch für die Vorteile eines deutschen Passes. Da Jardena Kifle selbst Migrantin ist, wirkt sie besonders überzeugend, wenn sie sagt: "Als Deutsche kann ich wählen, reisen und arbeiten, der Ausweis öffnet mir Türen."

Hüseyin Yilmaz von der Türkischen Gemeinde Hamburg, die für die Schulung der Lotsen verantwortlich ist, setzt auf langfristige Veränderungen: "Je mehr Migranten einen deutschen Pass haben, desto größer ist auch deren Einflussnahme auf Politik und Wirtschaft."

Autorin: Kathrin Erdmann

Redaktion: Daniel Scheschkewitz

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