1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Wer wird neuer Blumenweltmeister?

Erstmals seit 33 Jahren gibt es in Deutschland wieder eine Floristen-WM. In Berlin kämpfen die besten Floristen aus aller Welt um den Titel. Die Hauptstadt ist ein Blumenmeer aus unzähligen Farben, Formen und Düften.

Eine typische WM-Szene - Fahnen werden geschwungen, Gesänge angestimmt und gegrölt, Spannung liegt in der Luft. Der Wettbewerb ist eröffnet und die Spieler laufen unter tosenden Applaus aufs Feld. Anpfiff.

Aber das hier ist kein Fußballspiel. Das Aufgebot mit Sägen, Scheren, Bohrern und jeder Menge Pflaster ist furchterregend und deutet auf einen sehr viel brutaleren Wettkampf an: Doch es ist nur das Werkzeug, das man braucht, wenn man um den Titel des weltweit besten Floristen ringt.

Welches Land macht die schönsten Sträuße?

Drei Tage lang kämpfen Floristen aus 26 Ländern in Berlin um den Weltmeistertitel. Sie alle wollen ihn nach Hause bringen. Zuletzt fand die WM im Jahr 2010 in Shanghai statt - dort gewann der Norweger Stein Are Hansen. 17 Männer und neun Frauen gehen 2015 in den Wettbewerb, der mit dieser Besetzung wohl deutlich mit dem Klischee aufräumt, dass Florist ein typisch weiblicher Beruf ist.

Norwegische Fans bei der Floristen-WM 2015 (Foto: DW)

Norwegische Fans bei der Floristen-WM 2015 - Landsmann Stein Are Hansen ist amtierender Weltmeister

"Natürlich ist das ein Männersport, und wir sind hier um wieder zu gewinnen", sagt Erik Köpke mit einem verschmitztem Lächeln und schwenkt dabei eine riesige norwegische Nationalflagge. Der Florist ist mit all seinen Design-Studentinnen aus Oslo angereist, um die internationalen Blumenkünstler bei ihrer Arbeit für den Wettbewerb zu beobachten. "Es ist die Definition von Kunst und Schönheit. Als Florist-Designer arbeitet man mit viel Mühe an seinen Kreationen, und in wenigen Tagen ist alles wieder weg - einfach tot. Solche Schönheit, solche Perfektion: Das ist harte Arbeit."

Blumiger Wettkampf kommt nach Hause

Mit der 14. Floristen-WM ist der Wettbewerb erstmals seit 1982 wieder in Deutschland. Er kommt damit zurück in die Heimat des weltweit führenden Blumenlieferanten "Fleurop-Interflora", der 1908 in Berlin von dem deutschen Floristen Max Hübner gegründet wurde.

Jürgen Herold (Foto: DW)

Auf Jürgen Herold ruhen Deutschlands Titel-Hoffnungen

Blumenfans standen Schlange, um Tickets zu kaufen. Sie alle wollen sehen, wie Berlins Bezirk Kreuzberg sich in ein Blumenmeer aus Farben und Düften verwandelt. Insgesamt gibt es vier Wettbewerbe; die Top-Ten gehen an diesem Samstag (13.06.2015) ins Finale.

Im ersten Wettbewerb haben die Blumenkünstler anderthalb Stunden Zeit, eine Kreation zum Thema Nelken zu schaffen. Hilfswerkzeuge für jeden Teilnehmer sind Metallgestelle mit neun menschhohen Stählen, die die Floristen schon zuvor in Form biegen durften - zu Nestern, Pfeilen oder Bögen.

Die ganz persönliche Note

"Die Regeln sind streng: wir verwenden nur eine Blume, die Nelke, in dieser besonderen Runde," erklärt Australiens Teilnehmer Shauna Larsen. Zygmunt Sieradzan, der für Polen ins Rennen gegangen ist, hat sich bei der ersten Aufgabe für ein klassisches Blumengesteck entschieden: ein Strauß, festgebunden an einem aufwändig verzierten Rahmen. Bei anderen ist die Kreation noch etwas verspielter und lässt mehr Raum für Interpretation. Alex Choin aus Südkorea hat seine Arbeit zum Beispiel mit farbigem Schaum drapiert; es hat etwas von einem bunten Obstbaum. Panagiotis Tsiamouras, Teilnehmer aus Griechenland, hat sich ganz gegen Blumen entschieden und setzt in seiner Kreation vor allem auf Bambus und Blätter. "Es ist eine Skulptur," erklärt ein Mitarbeiter seines Teams. "Es geht nicht um die Blumen allein. Es geht um das, was Blumen darstellen: Schönheit und Freiheit."

Fleurop-Interflora World Cup 2015 in Berlin (Foto: DW)

Manchmal überschattet die Deko die Blumen

Wer schön sein will, muss leiden

Das übergreifende Thema der diesjährigen Weltmeisterschaft lautet übrigens "Freiheit" - inspiriert durch 25 Jahre deutsche Einheit. Noch haben die Blumenkünstler für ihre Kreation "Nelke" fünf Minuten Zeit. Ni Zhixiang aus China ist schon fertig und mischt sich unter die Fans, während seine Mitbewerber noch verzweifelt gegen die Zeit kämpfen. Dann klingelt schon die Glocke. Der erste Teil des Wettbewerbs ist beendet.

"Es ist erstaunlich, was man mit so wenig Mitteln erreichen kann, und genau darum geht es: diese Freiheit zu nutzen und daraus etwas Schönes und Einzigartiges zu schaffen - wie das Leben", so der Australier Shauna Larsen. Mit von der Erde geschwärzten Händen und müden Gliedern gönnen sich die Blumenkünstler nun eine kurze Pause, bevor es weiter geht im Kampf um den WM-Titel 2015. Wer gewinnen will, muss hier hart arbeiten. Schönheit hat eben ihren Preis.

Die Redaktion empfiehlt