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Amerika

Wer wird der starke Mann in Guatemala?

Der nächste guatemaltekische Präsident ist auf jeden Fall ein Konservativer - das steht nach der ersten Wahlrunde fest. Beide Kandidaten haben der organisierten Kriminalität den Kampf angesagt.

Stadtansicht von Guatemala-City

Stadtansicht von Guatemala-City

Wenn am 6. November der Präsident des Landes per Stichwahl gekürt wird, dann stehen zwei konservative Kandidaten zur Wahl. Die Entscheidung fällt zwischen Otto Pérez Molina, pensionierter General und Vorsitzender der Patriotischen Partei, und dem jungen Unternehmer und Gründer der Partei Erneuerte Demokratische Freiheit, Manuel Baldizón. Aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahl ist Pérez Molina mit 37 Prozent als Sieger hervorgegangen, Baldizón erhielt 23 Prozent der Stimmen.

Der Erfolg von Pérez Molina war vorhergesagt worden. Doch der Sieg fiel weniger deutlich aus als erwartet, erklärte Valeska Hesse, Leiterin des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung für El Salvador, Guatemala und Honduras, im Gespräch mit DW-WORLD.

Der Kandidat mit der harten Hand

Dass Pérez Molina und Baldizón in der Wählergunst vorne lagen, zeige, dass die Wähler sich für Kandidaten entschieden haben, von denen sie sich ein härteres Durchgreifen gegen die organisierte Kriminalität versprechen. Denn die Folgen der Bandenkriminalität sind für das zentralamerikanische Land dramatisch: Mit 18 gewaltsamen Todesfällen pro Tag liegt Guatemala sechs Mal über dem globalen Durchschnitt und sogar über dem Wert von Afghanistan und dem Irak.

Kandidiert für das Präsidentenamt Guatemalas: Otto Pérez Molina (Foto: ap)

Kandidiert für das Präsidentenamt Guatemalas: Otto Pérez Molina

Grund dafür sind die erstarkenden Drogenkartelle, besonders im Norden des Landes. Das Problem: Durch Guatemala werden 90 Prozent des Kokains transportiert, das in den USA konsumiert wird. Seit Januar 2008, als der amtierende Präsident Álvaro Colom seine dritte Amtszeit antrat, sind in Guatemala 22.000 Personen eines gewaltsamen Todes gestorben. Doch nicht nur die Drogenkartelle sind für die Gewalt im Land verantwortlich, sondern auch die Jugendbanden, die so genannten "maras".

Was von den Kandidaten zu erwarten ist

Um der Gewalt in Guatemala ein Ende zu setzen und wieder Ruhe im Land einkehren zu lassen, möchte Pérez Molina 10.000 Polizisten und 2500 Soldaten einstellen. Er werde beim organisierten Verbrechen mit harter Hand durchgreifen, verkündete der Ex-General.

Höchst umstritten ist jedoch seine Rolle während der Bürgerkriegsjahre. Pérez Molina war damals Offizier beim Militärgeheimdienst. Später nahm er an den Verhandlungen mit der Guerilla teil, die zur Unterzeichnung der Friedensverträge von 1996 führten.

Seine politischen Gegner werfen ihm vor, während des Bürgerkriegs in Folterung und Völkermord verwickelt gewesen zu sein. Pérez Molina weist diese Anschuldigungen zurück und beansprucht vielmehr aufgrund seiner Beteiligung an den Friedensgesprächen, ein – so wörtlich - "General des Friedens" zu sein.

Trotz der Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit des Landes setze ein Großteil der Bevölkerung großes Vertrauen in das Militär, meint Valeska Hesse. Zumindest wenn es darum gehe, das organisierte Verbrechen zu bekämpfen. Doch Hesse selbst zweifelt an der Effektivität der von Pérez Molina vorgeschlagenen Maßnahmen: "Genau wie die Politiker in Mexiko sieht er eine militärische Lösung vor. Dieses Vorgehen hat in Mexiko jedoch keine überzeugenden Ergebnisse gebracht."

Ebenfalls im Rennen: Der Unternehmer Manuel Baldizón (Foto: ap)

Ebenfalls im Rennen: Der Unternehmer Manuel Baldizón

Manuel Baldizón steht seinem Gegenkandidaten in nichts nach, wenn es um hartes Durchgreifen geht. Er schlägt vor, für gravierende Verbrechen die Todesstrafe wieder einzuführen. Offenbar kommt das bei den Wählern an. "Die guatemaltekische Gesellschaft ist immer noch verhältnismäßig konservativ", erklärt Hesse. Baldizón verspricht zudem, eine 25.000-Mann starke Nationalpolizei aufzubauen.

Coloms schwache Bilanz

Die Ergebnisse der ersten Wahlrunde will die Expertin jedoch nicht ausschließlich mit den Versprechungen von Pérez Molina und Baldizón erklären, die Gewalt im Land zu bekämpfen. Hesse zufolge ist die Entscheidung auch auf den Mangel an Alternativen zurückzuführen, auf die konservative Ausrichtung der Gesellschaft und die desaströse Bilanz der sozialdemokratischen Regierung unter Álvaro Colom.

Autor: Emili Vinagre/Eva Verführt
Redaktion: Birgit Görtz