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Politik & Gesellschaft

Wer waren eigentlich die Salier?

Unter den Saliern galt die Stadt Speyer als "metropolis germaniae". Nun will die Stadt mit einer großen Ausstellung an diese Herrscherdynastie erinnern, die knapp 100 Jahre über das "Heilige Römische Reich" herrschte.

Eine Besucherin des Historischen Museums der Pfalz in Speyer betrachtet einen aus Bronze gegossenen Löwen-Aquamanile aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts (Foto: picture-alliance/dpa)

Aus Bronze gegossener Löwen-Aquamanile aus dem 12. Jahrhundert

Für die Forschung ist ihr Name noch immer ein Rätsel: Salier. Denn kein Salier hat sich selbst je so genannt. Erst im späten Mittelalter tauchte der Name immer häufiger in schriftlichen Quellen auf. Nun ist sogar eine große Ausstellung nach ihnen benannt worden: "Die Salier. Macht im Wandel".

Sie stellt die dramatischen Lebenslaufe der salischen Kaiser in den Mittelpunkt. Alles begannt mit Konrad II. - Herrscher von etwa 990 bis 1039. Er wurde 1027 von Papst Johannes XIX. in Rom zum Kaiser gekrönt. Ihm folgten Heinrich III. von 1017 bis 1056 salischer Herrscher, dann Heinrich IV. von 1050 bis 1106 und schließlich Heinrich V. von 1081 bis 1125.

Von der Nordsee bis Italien

Die linke Seite zeigt den salischen Kaiser Heinrich III., der zu Christus geführt wird - auf der rechten Seite thront Jesus Christus(Foto: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen/Ansgar Hoffmann)

Auf der linken Seite wird Heinrich III. zu Christus geführt, der rechts zu sehen ist

Vier Generationen lang herrschten die Salier über den damals mächtigsten geostrategischen Raum der Erde. Die salischen Kaiser prägten ihre Zeit. Unter Konrad formte sich die so genannte "Trias des römischen Reiches" heraus, also die drei tragenden Königreiche Burgund, Italien und das fränkisch-sächsische Königreich. Gleichzeitig stärkte Konrad II. die Rechte seiner Vasallen.

Die Grundlage der Herrschaft war ein ausgeklügeltes Lehnswesen, also die Vergabe von Land an Untergebene. Die durften das Land bewirtschaften, mussten dem Lehnsgeber dafür aber Dienste leisten - zum Beispiel dem Kaiser den inzwischen sprichwörtlichen "Steigbügel zu halten". Lehnsgeber und Lehnsnehmer verpflichteten sich zu gegenseitiger Treue. Konrad II. machte diese mittelalterliche Herrschaftsgrundlage erblich. Sie konnte nicht mehr entzogen werden.

Konflikt: Kaiser gegen Papst

Der Gang Canossa von Heinrich IV. - Keidelithographie, koloriert, von Theodor Hosemann (1807-75) (Foto: picture-alliance/AKG-images)

Kolorierte Kreidelitographie über den Gang nach Canossa von Heinrich IV. im Winter 1077

Neben den immer wieder aufflammenden Konflikten mit dem sächsischen Adel gab es viele Auseinandersetzungen mit der Kirche. Es ging darum, wer kirchliche Würdenträger einsetzen darf - der Kaiser und der Papst. Dieser Konflikt gipfelte im "Investiturstreit", in dessen Verlauf Kaiser Heinrich IV. den "Gang nach Canossa" angetreten haben soll.

Auf der Burg Canossa soll Heinrich IV. sich im Februar 1077 dem Papst in einer schmachvollen Zeremonie unterworfen haben. Aber es ist Vorsicht geboten, denn alle Quellen stammen aus der Feder von Papst freundlichen Geschichtsschreibern und die hatten an einem solchen Szenario natürlich große Freude.

Jubiläen

Alltagsgeschirr des 11. Jahrhunderts, so genannte Pingsdorfer Ware (Foto: Historisches Museum der Pfalz)

Alltagsgeschirr aus dem 11. Jahrhundert - so genannte "Pingsdorfer Ware"

Es gibt gleich mehrere Anlässe für die Ausstellung. Einer ist die Weihe des Speyrer Doms vor 950 Jahren. Außerdem wurden der Stadt Speyer im Jahr 900 bedeutende Privilegien durch Heinrich V. verliehen. Und es steht auch der 1111. Jahrestag der letzten Krönung eines salischen Kaisers an - von Heinrich V., der auch im Mittelpunkt der Präsentation steht.

Weitere Schwerpunkte sind die "Welt der späten Salier", das Leben der Herrscher, der Dombau und der Konflikt mit dem Papsttum. "Wir wollen den epochalen Wandel zeigen, der am Ende des 11. Jahrhunderts begonnen hat und Auswirkungen hatte auf die Herausbildung einer modernen Identität", sagt Kuratorin Sabine Kaufmann.

In der Zeit der Salier definierte sich das Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht neu, beide übernahmen Verantwortung für das fragile Gebilde "Heiliges Römisches Reich" und in den Städten bildeten sich die ersten Gemeinden, die um mehr Freiheit und Eigenständigkeit kämpften. Damit waren wichtige Entwicklungen auf dem Weg in die Moderne angestoßen.

Ausstellungsgegenstände

Speyerer Dom (Foto: dpa)

Erinnerung an die salischen Herrscher: der Dom in Speyer

Diese nach 1992 zweite große Salier-Ausstellung zeigt unter anderem den berühmten "Krodo-Altar" aus Goslar, der von innen beleuchtet werden konnte. Außerdem auch einzigartige bronzene Thronelemente und zahlreiche Gegenstände der mittelalterlichen Schatz- und Sakralkunst.

Eine Verbindung zwischen Mittelalter und Moderne schlägt die Ausstellung mit ihrer virtuellen Rekonstruktion der Baugeschichte des Speyrer Doms, der größten erhaltenen romanischen Kirche Deutschlands. Dabei kann der Besucher vom Baubeginn bis heute die wechselvolle Geschichte dieses imposanten Bauwerks nachvollziehen: über die Weihe des ersten Doms und den Umbau unter Heinrich IV., über die Zerstörung im pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 und die Wiederherstellung in den folgenden Jahrzehnten.

Des Kaisers letzte Kleider

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich den Kleidern der Kaiser. Im Sommer 1900 waren bei einer spektakulären Öffnung der Kaiser- und Königsgräber im Dom zu Speyer prächtige Kleider und feine Stoffe geborgen worden. Seit 2009 analysieren nun Forscher in einem aufwendigen Projekt diese mittelalterlichen Textilien. Dank neuester wissenschaftlicher Verfahren lassen sich Rückschlüsse über Herkunft, Farbgestaltung und Musterung der alten Textilien ziehen. Im Rahmen der Salier-Ausstellung werden nun erstmals Resultate dieser Forschung an den Originaltextilien aus den Kaiser- und Königsgräbern ausgestellt.

Die Ausstellung findet vom 10. April 2011 bis zum 30. Oktober 2011 in Speyer statt.

Autor: Matthias von Hellfeld
Redaktion: Nicole Scherschun

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