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Welt

Wer war Osama bin Laden?

Er war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama bin Laden. Doch wie wurde er Gründer und Führer des Terrornetzwerkes El Kaida? Ein Porträt.

Osama bin Laden (Archivfoto: AP)

El Kaida und Dschihad bestimmten sein Leben

Usāma ibn Muhammad ibn Awad ibn Lādin – unter diesem Namen wurde Osama bin Laden als eines von mehr als fünfzig Kindern des saudi-arabischen Bauunternehmers und Multimillionärs Muhammad bin Laden geboren. Sein Vater hatte mehrere Frauen. Osamas Mutter Alia Ghanem stammte aus Syrien. Geburtsort war Riad. Das Geburtsdatum ist vermutlich 10. März 1957. Genaue Angaben fehlen, demnach wäre Bin Laden 54 Jahre alt geworden.

Islam bestimmte sein Leben

Schon früh kam er mit der westlichen Welt in Kontakt. Als Teenager besuchte er Südspanien und ließ sich in jugendlicher Unbefangenheit sogar neben Mädchen in Röcken fotografieren. Bereits 1973 kam Bin Laden dann mit islamistischen Gruppen in Verbindung.

Karte von Daudi-Arabien mit den Städten Dschidda, Mekka und Riad (Grafik: DW)

In Saudi-Arabien verbrachte Osama bin Laden die ersten Lebensjahre

Einen Wendepunkt in seiner Entwicklung erlebte Bin Laden eigenen Angaben zufolge Ende der 70er Jahre: Ägypten schloss Frieden mit Israel, im Iran siegte die islamische Revolution, sowjetische Truppen besetzten Afghanistan. Der junge Mann entwickelte erstmals die Idee, Muslime aus aller Welt zu einem Kampf gegen westliche Mächte und ihre arabischen Verbündeten zusammenzurufen.

Kampf gegen die Rote Armee

1979 schloss Bin Laden sich den "Gotteskriegern" an. Diese kämpften in Afghanistan gegen die sowjetischen Besatzer. In den nächsten Jahren half er unter den Augen der USA, den Nachschub an Waffen und arabischen Kämpfern zu organisieren. 1984 kommandierte er mehr als 20.000 Kämpfer aus vielen arabischen Ländern gegen die Rote Armee. In dieser Zeit befand sich Bin Laden unter dem Einfluss palästinensischer und ägyptischer Islamgelehrter, die eine besonders rigorose Auslegung des Koran vertraten. "Ein Tag in Afghanistan ist wie tausend Tage Beten in einer normalen Moschee", sagte Bin Laden später.

Häuser in Afghanistan (Foto: DW)

In Afghanistan kämpfte Bin Laden gegen die Sowjets

Ein Jahr vor Ende der sowjetischen Invasion in Afghanistan 1989 begann Bin Laden mithilfe von Gefolgsleuten mit dem Aufbau des Netzwerks "El Kaida" ("Das Fundament"). "Er war ein junger Mann, der sich enthusiastisch für den heiligen Krieg einsetzte", beschrieb ihn der saudi-arabische Ex-Geheimdienstchef Prinz Turki el Feisal in einem Fernsehinterview. "Er sprach wenig und erhob nie seine Stimme. Kurzum, er war ein netter Kerl."

"Dschihad" gegen den Westen

Nach Abzug der Russen aus Afghanistan trat er für kurze Zeit wieder in den Familienkonzern ein. Sein Privatvermögen soll zeitweilig 300 Millionen Dollar betragen haben.

Der Golfkrieg unter der Führung der USA gegen den Irak 1991 bedeutete eine neue Wende in seinem Leben. Er kritisierte die Stationierung von US-Soldaten in Saudi-Arabien, dem Stammland des Propheten Mohammed. Dies brachte ihm Ärger mit der Herrscherfamilie Al-Saud ein. Außerdem rief er den "Dschihad", den religiös motivierten Krieg, aus.

Nach einem Zerwürfnis mit der saudischen Herrscherfamilie wurde Bin Laden 1992 der Pass entzogen, zwei Jahre später die Staatsbürgerschaft. Seine neue Basis schuf er sich in Sudan, bis er 1996 auf Druck der USA des Landes verwiesen wurde.

In seinem Feldzug gegen den "Großen Satan" Amerika machte Bin Laden sich nach Auffassung von US-Justiz und Geheimdienstfahndern in tausenden Fällen des Mordes schuldig: Die Simultanangriffe auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998, bei denen mehr als 200 Menschen starben, und der Angriff auf den US-Zerstörer "Cole" im November 2000 im jemenitischen Aden mit 17 Toten gingen auf Bin Ladens Konto, sind die Ermittler sich sicher.

Drahtzieher des Terroranschlags vom 11. September 2001

Der Nordturm des World Trade Centers steht in Flammen (Foto: AP)

Seit den Anschlägen vom 11. September wurde Bin Laden gejagt

Bin Laden lebte zudem in Afghanistan als enger Verbündeter der Taliban. Nach deren Sturz 2001 tauchte er unter und organisierte den wohl schlimmsten Terroranschlag des 21. Jahrhunderts: Am 11. September flogen Flugzeuge auf Ziele in New York und Washington. Die beiden Türme des World Trade Centers stürzten ein. Mehr als 2750 Menschen kamen ums Leben. Durch diese Attentate war er für viele Menschen zum Inbegriff des Bösen geworden.

Nach den Anschlägen, die die Vereinigten Staaten in ihren Grundfesten erschütterten, verkündete der damalige US-Präsident George W. Bush in Wildwest-Manier, dass er Bin Laden "tot oder lebendig" haben wolle. Dennoch gelang es dem Drahtzieher des Terrors noch fast zehn Jahre lang, sich dem Zugriff der Geheimdienste und Militärs zu entziehen - erst Bushs Nachfolger Barack Obama konnte jetzt verkünden, dass der meistgesuchte Mann der Welt zur Strecke gebracht wurde.

Osama bin Laden selbst hatte übrigens seinen frühzeitigen Tod durchaus einkalkuliert: "In unserer Religion gibt es einen besonderen Platz im Jenseits für diejenigen, die am heiligen Krieg teilnehmen."

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, dpa)
Redaktion: Martin Schrader

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