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Kultur

Wer war Karl May? Fakten und Mythen rund um den Erfinder von Winnetou

Sein Winnetou war in Deutschland so bekannt wie heute Harry Potter. Um das Leben von Karl May, der vor 175 Jahren geboren wurde, ranken sich fast so viele Mythen wie um seine Romanhelden. Was ist falsch, was ist Fakt?

Mythos oder Wahrheit? Karl May ist der meistverkaufte Schriftsteller Deutschlands

Karl May (1842 bis 1912) war der erste Bestsellerautor Deutschlands, er gilt als "der meistgelesene deutsche Autor", wie Michael Petzel in seinem Karl May-Lexikon schreibt. Genaue Zahlen gibt es nicht, seine Bücher stammen aus Zeiten vor Internet und elektronischer Datenerfassung.

Filmszene aus Winnetou I (Foto: picture alliance/United Archives/IFTN)

Karl Mays Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand...

Außerdem ist das Werk Karl Mays, der oft Tag und Nacht wie ein Besessener schrieb, recht unübersichtlich: Viele Geschichten erschienen als Fortsetzungsromane in Zeitschriften und Groschenheftchen, bevor sie in Buchform gedruckt wurden. So wird seine Gesamtauflage auf über 200 Millionen Exemplare geschätzt, einschließlich der Übersetzungen in mehr als 40 Sprachen. Das toppen auch heute nur die ganz Großen - wie Joanne K. Rowling, deren Geschichten um Harry Potter und die Zauberschule Hogwarts sich bisher über 450 Millionen Mal verkauft haben. 

Film Still Harry Potter in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 (Foto: picture-alliance/Itar-Tass)

... so bekannt wie heute Harry Potter

Mythos oder Wahrheit? Karl May hat seine Bücher im Gefängnis geschrieben

Tatsächlich hat Karl May mehrmals im Gefängnis gesessen: wegen kleinerer Diebstähle und manchmal skurriler Betrügereien (wie eines Diebstahls von Kerzenresten), oft aus purer Not begangen. Als Hochstapler erschwindelt er Geld, klaut einen Pelz und entwendet fünf Billardkugeln. 1870 muss er für vier Jahre ins Zuchthaus, sein längster Gefängnisaufenthalt. Glück im Unglück: Hier darf sich der bildungshungrige junge Mann quer durch die Gefängnisbibliothek lesen - dieses Bücherstudium, auf das er in Freiheit nie eine Chance hatte, legt den Grund für seine detaillierten Recherchen. Die Bücher, die ihn berühmt machen, schreibt er aber erst später.

Mythos oder Wahrheit? Karl May hat in seinen Büchern von Reisen berichtet, die er selbst erlebt hat

Tatsächlich hat May seine Bücher akribisch recherchiert - er hat "geographische Sachbücher, Reiseberichte und klassische Abenteuerromane" verschlungen, schreibt sein Biograf Thomas Kramer. Indianische Begriffe wie die Pferdenamen "Iltschi" und "Hatatitla" (so heißen die Pferde von Winnetou und Old Shatterhand) findet er in zeitgenössischen Fachbüchern wie "Zwölf Sprachen aus dem Südwesten Nordamerikas". Aber vor Ort recherchiert er nicht. Fast alle Reisen finden ausschließlich in seiner Fantasie statt. Dennoch inszeniert er sich gern als "Reiseschriftsteller" - denn das erklärt seinem Publikum auch zeitweilige Abwesenheiten (wie Gefängnisaufenthalte). Auch seine Verleger verbreiten diesen Mythos durchaus: So schreibt die Redaktion der Zeitschrift "Deutscher Hausschatz in Wort und Bild" 1880, May habe "alle jene Länder bereist, welche den Schauplatz der Abenteuer bilden". 

Bildergalerie Karl May als Kara Ben Nemsi (Foto: gemeinfrei)

Für Fotos gern im exotischen Kostüm: Karl May als Kara Ben Nemsi

Mythos oder Wahrheit? Karl May war nie an den Orten, die er in seinen Büchern beschrieben hat

Das stimmt so allerdings auch nicht. Zwar hat May, als er 1875 seine erste Winnetou-Geschichte veröffentlicht, noch nie einen Fuß außerhalb Deutschlands gesetzt. Und auch nicht, als seine abenteuerlichen Bücher in den 1890er Jahren zu Bestsellern werden. Am Ende seines Lebens aber bricht er dann doch zu zwei längeren Reisen an Schauplätze seiner Bücher auf: 1899/1900 geht er auf "Morgenlandfahrt" Richtung Naher Osten und 1908 reist er in die USA. Den "Wilden Westen", wo die Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand spielen, erreicht er jedoch nicht - bei den Niagarafällen endet die Fahrt des gesundheitlich angeschlagenen Schriftstellers.

Mythos oder Wahrheit? Auch Hitler war Karl May-Fan

Ein Zeitungsreporter beschrieb 1933 einen Besuch im Hause Adolf Hitlers: "Auf einem Bücherbord stehen politische und staatswissenschaftliche Werke, einige Broschüren und Bücher über die Pflege und Zucht des Schäferhundes, und dann - deutsche Jungens, hört her! Dann kommt eine ganze Reihe Bände von - Karl May! Der Winnetou, Old Surehand, der Schut, alles liebe Bekannte." Fotos davon gibt es allerdings nicht. Auch dass Hitler seinen Generälen Mays Kriegstaktiken empfohlen habe, wie immer wieder gern behauptet wird, ist nicht belegt. Ja, wahrscheinlich war Adolf Hitler Karl May-Fan - wie viele seiner Zeitgenossen. Doch besonders Mays pazifistisches Spätwerk dürfte dem deutschen Diktator weniger gefallen haben. Und auch viele andere Prominente, darunter Gegner und Verfolgte der Nazis, liebten Mays Abenteuergeschichten: Hermann Hesse, Hans Fallada, die deutsche Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner oder Heinrich Böll.

dw.de kultur: Geschichtsbilder Carl Zuckmayer bringt seiner Tochter das Schwimmen bei (Foto: ullstein bild/Alfred Eisenstaedt)

Carl Zuckmayer bringt seiner Tochter Maria Winnetou das Schwimmen bei

Der deutsche Schriftsteller Carl Zuckmayer benannte sogar seine Tochter nach einer von Mays Romanfiguren: Winnetou. Auf diesen besonderen Vornamen von Winnetou "Winni" Guttenbrunner, wie sie nach ihrer Heirat hieß, waren viele neidisch, erzählte sie 2009 in einem Interview. Auch die Autorin dieser Zeilen - als Kind hätte sie einiges dafür gegeben, den Namen Winnetou zu tragen.

Zum Weiterlesen:

Thomas Kramer: Karl May. Ein biografisches Porträt, Freiburg im Breisgau 2011

Rüdiger Schaper: Karl May: Untertan, Hochstapler, Übermensch, München 2011

Helmut Schmiedt: Karl May oder Die Macht der Phantasie, München 2011

Michael Petzel und Jürgen Wehnert: Das neue Lexikon rund um Karl May, Göttingen und Berlin 2002

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