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Kultur

Wer steht hinter Marc Dutroux?

Im belgischen Kinderschänder-Prozess hatte am Mittwoch (3.3.2004) erstmals der Haupt-Angeklagte das Wort. Marc Dutroux belastete seine drei Mitangeklagten schwer und sieht sich selbst als Opfer einer Verschwörung.

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Will es nicht alleine gewesen sein: Marc Dutroux

Bewegung beim dritten Prozesstag: Der sich bisher betont desinteressiert zeigende Hauptangeklagte Marc Dutroux nutzte seine Möglichkeit zur Aussage, um andere zu belasten. Während der Befragung durch den Präsidenten des Schwurgerichts am Mittwoch (3.3.2004) zeigte Dutroux mit dem Finger auf den Mitangeklagten Michel Nihoul, der drei Stühle neben ihm im Panzerglaskasten der Angeklagten sitzt. Dutrouxs Aussagen riefen bei vielen Prozessbeobachtern und bei den Angehörigen der ermordeten Mädchen Kopfschütteln und teilweise Gelächter hervor.

Dutroux, dem die Staatsanwaltschaft die Entführung von sechs Mädchen, die eigenhändige Ermordung von zwei von ihnen und die Verantwortung für den Tod zweier weiterer Opfer zur Last legt, bestritt die Morde. Er gestand zwar die Entführung der 17-jährigen An und der 19-jährigen Efje im Jahr 1995, will aber im Auftrag des Brüssler Geschäftsmanns Nihoul gehandelt haben, den er als Chef eines Kinderporno-Netzwerks bezeichnete.

Die Rolle der Polizei

Er wiederholte seine früheren Behauptungen, zwei Polizeibeamte hätten bei der Entführung eine Rolle gespielt. Einer von ihnen habe zusammen mit seinem mitangeklagten Komplizen Michel Lelièvre eines der Mädchen misshandelt. Die Namen der beiden angeblichen Tatbeteiligten aus der belgischen Polizei wollte Dutroux nicht nennen. Die Morde an Efje und An schob Dutroux im Laufe seiner mehrstündigen Aussage dem Mitangeklagten Lelièvre und einem weiteren Komplizen, Bernhard Weinstein, in die Schuhe. Die Anklage wirft Dutroux vor, auch Weinstein umgebracht zu haben, was Dutroux zunächst gestanden hatte, jetzt aber widerruft.

Die beiden ersten Opfer im Jahr 1995, die achtjährigen Mädchen Melissa und Julie, will Dutroux nicht selbst gekidnappt haben. Die beiden Mädchen hätten eines Abends plötzlich in seiner Küche gesessen, entführt von den drei Mitangeklagten Lelièvre, seiner damaligen Ehefrau Michelle Martin und Michel Nihoul. Er habe die Mädchen zu ihrem eigenen Schutz in dem winzigen Kellerverlies unter seinem Haus - so wörtlich - "untergebracht", in dem die mehrfach vergewaltigten Mädchen später verhungerten. Den Tod der Kinder habe sein Frau zu verantworten, die die Mädchen trotz seiner Anweisungen nicht versorgt habe, behauptete Dutroux. Er selbst saß in der fraglichen Zeit wegen eines Autodiebstahls für drei Monate im Gefängnis.

Nur Werkzeug?

Dutroux folgt offenbar der Strategie, nur genau das zu gestehen, was ihm anhand von Zeugenaussagen zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Überall dort, wo die Staatsanwaltschaft auf weniger eindeutige Beweise angewiesen ist, schiebt er die ihm zur Last gelegten Verbrechen auf die Mitangeklagten ab. Seine drei Anwälte wollen nachweisen, dass Dutroux nur Werkzeug in den Händen eines groß angelegten Kinderschänder-Ringes war. Mittelsmann soll der mitangeklagte Brüssler Geschäftsmann Michel Nihoul gewesen sein, was dessen Anwält Frédéric Clément de Cléty allerdings scharf zurückweist. Am Rande der Verhandlung sagte er Reportern, die Aussagen Dutrouxs seien eine erneute Beleidigung für die Familien der Opfer gewesen.

Die Zeugenvernehmungen sollen bis Mitte Mai andauern. Danach müssen die sechs Männer und sechs Frauen in der Jury auf schuldig oder nicht schuldig erkennen. Bei einer Verurteilung erwarten Dutroux und seine Komplizen lebenslängliche Haftstrafen.

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