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Wirtschaft

Wer soll das bezahlen?

Die Häufung von Unwettern in Europa hält auch die Versicherer auf Trab: Immer mehr Schäden in beträchtlicher Höhe werden gemeldet. Wirksam gegen Hochwasser versichert sind aber nur Haushalte mit alten DDR-Policen.

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Wenn das Wasser sinkt, werden die Schäden sichtbar

Nachdem Deutschland und Europa über eine Woche lang unter Unwettern und Rekord-Fluten gelitten haben, beginnen nun die ersten Schadensberechnungen. Wohin man schaut, haben die starken Regenfälle und Stürme eine Spur von Chaos und Verwüstung hinterlassen. Privates und öffentliches Eigentum wurde zerstört, landwirtschaftlich genutzte Flächen verwüstet. Der Verkehr in weiten Teilen Europas kam zum Erliegen.

Geringer Versicherungsschutz

Schlimm für die betroffenen Menschen in Deutschland, gut für Bilanzen der Versicherer, dass nur drei Prozent aller Versicherten in Deutschland über Policen gegen Hochwasserschäden verfügen. „Es wird da auf die Versicherungen eher wenig zukommen", sagte Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Interview mit DW-WORLD. "So tragisch das auch für die Betroffenen ist“.

Denn die üblichen Wohngebäude- und Hausratpolicen decken diese Schäden - so genannte Elementarschäden - nicht ab. Zudem sind besonders Hochwasser gefährdete Gebiete, wie zum Beispiel die Kölner Altstadtfront, wegen des hohen Risikos überhaupt nicht mehr versicherbar.

Unbekannte Schadenhöhe

Unabhängig davon, wer für die Schäden schließlich aufkommen muss, sind die finanziellen Auswirkungen der Flut noch völlig offen. In den am stärksten betroffenen Gebieten sind die Schäden für Privathaushalte und die Wirtschaft unberechenbar.

Der größte deutsche Versicherer, die Allianz, ist wie andere europäische Branchenvertreter zurückhaltend mit Angaben zu den Kosten, die auf sie zukommen werden. Da aber tausende von Haushalten und Unternehmen von den Überflutungen betroffen sind, wird die Liste der Schäden lang und die Forderungen gegen die Versicherungen hoch sein.

"Wir sind noch dabei, die Schäden zu erheben", sagte Allianz-Vorstandsmitglied Helmut Perlet in einem Zeitungsinterview. Und der GDV erklärt: "Im Moment haben wir noch keinen genauen Überblick davon, wie hoch die Forderungen sein werden."

Krisenjahr 2002

Nach Angaben der Allianz hat sich die Summe der durch Unwetter bedingten Schadensfälle alleim im ersten Halbjahr 2002 vervierfacht im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. "Das Jahr 2002 wird vom langjährigen Durchschnitt der Sturm- und Wasser-Schadens-Forderungen signifikant abweichen", betonte Arno Junke, Deutschland-Direktor bei General Cologne Re, der drittgrößten Rückversicherung der Welt.

Das Wetter spielte schon immer eine wichtige Rolle im Versicherungsgeschäft - siehe die alljährlichen Rhein-Hochwasser. Es gab immer einzelne größere Katastrophen, wie zum Beispiel den Sturm "Lothar" 1999. Doch jetzt hat es die Versicherungswirtschaft mit einer ungewöhnlichen Häufung von Katastrophen zu tun.

Gefahr in Verzug für die Versicherer

Große Versicherer wie die Allianz sind für den Forderungs-Ansturm der Kunden recht gut gerüstet. Derzeit hält der Konzern nach eigenen Angaben noch an den aktuellen Gewinnprognosen fest. Dennoch wird viel davon abhängen, wie stürmisch der kommende Herbst und Winter ausfallen werden. Doch was das Wetter betrifft, können sowohl Analysten als auch Meteorologen nur abwarten.

Sollten die längerfristigen Prognosen der Meteorologen und der Versicherungs-Analysten zutreffen und Europa noch mehr Unwetter-Katastrophen bevorstehen, dann könnten es auch für Versicherer schwer werden sich über Wasser zu halten. Besonders weniger finanzstarke Unternehmen könnten dann Probleme bekommen, sagen Analysten.