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Asien

Wer sind Indiens Maoisten?

Rund 20.000 sogenannte Maoisten gibt es in Indien. Sie kämpfen in zahlreichen Regionen auf dem indischen Subkontinent vor allem in den Dschungelgebieten. Am Dienstag töteten sie 75 Polizisten.

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Ein verletzter Sicherheitsbeamter wird vom Anschlagsort weggetragen

Dass etwas im Busch war, das war schon länger klar. Nur wenige Tage vor dem Angriff der Maoisten hatte der indische Innenminister Palaniappan Chidambaram noch Gebiete im Nordosten des Landes besucht, in denen die Maoisten ihre Machtbasis haben. "Ich weiß aus Geheimdienstberichten, dass sie zur Zeit ihre Strategie überdenken“, erklärte er und sprach von einem „Konflikt niedriger Intensität“.

"Grausame Natur der Maoisten"

Nur wenig später war klar, dass von niedriger Intensität keine Rede mehr sein konnte. 75 Polizisten wurden am Dienstag (06.04.2010) bei einem Anschlag im Bundesstaat Chattisgarh getötet. Es war der schwerste Anschlag, den die Rebellen seit langem verübt hatten. "Ich bin schockiert“, sagte Chidambaram nun in die Kameras. "Dies zeigt die grausame Natur der Maoisten.“

Seit 40 Jahren kämpfen Indiens Maoisten gegen die Regierung. 1967 begann im Dorf Naxalbari im Bundesstaat Westbengalen ein Bauernaufstand. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, doch unter Führung linker Aktivisten der Kommunistischen Partei revoltierten dann Bauern in mehren Teilen des Landes gegen die Regierung. Sie bezeichnen sich als Anhänger von Mao Tse-tung, in Indien sind sie besser bekannt als Naxaliten – benannt nach jenem Dorf in Westbengalen. Heute sind sie in 20 der 28 Bundesstaaten aktiv, vor allem im Osten des Subkontinents. Ihre Zahl wird auf 20.000 geschätzt. Zuletzt bekamen sie prominente Unterstützung. Die Schriftstellerin und Globalisierungskritikerin Arundhati Roy äußerte in Interviews Sympathien für die Naxaliten: „Wenn ich jemand wäre, der enteignet wurde, dessen Frau vergewaltigt wurde, der von seinem Land vertrieben wurde, und der mit dieser Polizeigewalt konfrontiert wurde, dann würde ich sagen, ich habe das Recht, zu den Waffen zu greifen, wenn das der einzige Weg ist, mich zu verteidigen.“

"Grüne Jagd"

Auch Premierminister Manmohan Singh hatte vor einigen Jahren zugegeben, dass vor allem Armut die Menschen in die Arme der Rebellen treibt. Heute nennt er die Maoisten neben islamistischen Terroristen die größte Bedrohung für die Sicherheit Indiens. In den letzten Monaten startete Neu Delhi eine Offensive gegen die Rebellen, in der unter anderem paramilitärische Gruppen gegen die Maoisten zu Felde ziehen. "Grüne Jagd“ nennt die Regierung diese Offensive und sie ist durchaus umstritten. KPS Gill, ein ehemaliger Berater der Provinzregierung von Chattisgarh, bezeichnete die Offensive als „eine der lächerlichsten Strategien überhaupt“: "Sie wurde aus irgendwelchen Büchern ausgegraben und wird jetzt auf diese Paramilitärs angewandt."

Dem Konflikt mit den Naxaliten sind im vergangenen Jahr mehr als 1000 Menschen zum Opfer gefallen. Nun diskutiert Indien, ob die "Grüne Jagd“ gescheitert ist.

Autor: Mathias Bölinger (ap/dpa)

Redaktion: Silke Ballweg